Nokrek Nationalpark

Der Nokrek Nationalpark liegt im Herzen der West Garo Hills von Meghalaya, rund um den Nokrek Peak (1.412 m), den höchsten Punkt der Garo-Hügelkette.

Typ: Nationalpark | Bundesstaat: Meghalaya | Region: Nordostindien | Fläche: 47,5 km²

Der Nokrek Nationalpark liegt im Herzen der West Garo Hills von Meghalaya, rund um den Nokrek Peak (1.412 m), den höchsten Punkt der Garo-Hügelkette. Obwohl mit 47,5 Quadratkilometern einer der kleinsten Nationalparks Indiens, ist Nokrek von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung: Das Gebiet ist seit 2009 ein UNESCO-Biosphärenreservat und beherbergt den natürlichen Lebensraum der Citrus indica – der Ur-Zitrusfrucht, die als Stammform aller kultivierten Zitrusfrüchte weltweit gilt. Diese botanische Entdeckung macht Nokrek zu einem der wichtigsten Genpool-Reservate der Erde.

Geschichte

Das Gebiet wurde 1986 zum Nationalpark erklärt und 2009 von der UNESCO als Biosphärenreservat anerkannt. Die wissenschaftliche Bedeutung von Nokrek wurde erst richtig verstanden, als Botaniker in den 1970er Jahren die Citrus indica hier als wildwachsende Art identifizierten – die wahrscheinliche Stammform aller weltweit kultivierten Zitrusfrüchte. Die Garo-Stämme, die in der Umgebung des Parks leben, hatten die wilden Zitrusbäume seit Generationen als „Memang Narang" bezeichnet, was so viel wie „Geisterorangen" bedeutet – ein Hinweis darauf, dass sie die Früchte als etwas Mystisches und Ursprüngliches betrachteten, lange bevor die Wissenschaft ihre Bedeutung erkannte.

Tierwelt

Trotz seiner geringen Größe beherbergt Nokrek eine beachtliche Artenvielfalt. Rote Pandas, Hoolock-Gibbons und Nebelparder teilen sich den Park mit Leoparden, Asiatischen Elefanten, Himalaya-Schwarzbären und dem Chinesischen Pangolin, einem der am stärksten bedrohten Säugetiere Asiens. Verschiedene Zibetkatzen- und Stumpfschwanzmakak-Arten ergänzen die Säugetierfauna des Parks.

Die Vogelwelt umfasst über 150 Arten, darunter imposante Nashornvögel, den Weißbäuchigen Reiher und verschiedene Fasanenarten. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Vielfalt an Schmetterlingen und Amphibien: Mehrere endemische Froscharten kommen ausschließlich in den Garo Hills vor und sind nirgendwo sonst auf der Erde zu finden. Diese Endemiten-Dichte unterstreicht die außergewöhnliche evolutionäre Bedeutung dieses kleinen, abgelegenen Gebirges.

Landschaft & Vegetation

Die Landschaft wird vom zentralen Nokrek-Kamm dominiert, der sich auf 1.412 Meter erhebt und von subtropischen immergrünen Wäldern bedeckt ist. In den tieferen Lagen wachsen tropische Feuchtwälder mit Dipterocarpus und riesigen Bambusdickichten; die mittleren Höhen sind geprägt von subtropischen Breitblattwäldern mit Eichen, Kastanien und Magnolien. In den Gipfelregionen finden sich Bergnebelwälder mit Moosen, Farnen und Orchideen. Die natürlichen Bestände der Citrus indica wachsen in den unteren und mittleren Waldstockwerken und sind ein botanischer Schatz von globaler Bedeutung. Das ausgedehnte Höhlensystem der Region – darunter die nahe gelegene Siju-Höhle, eine der längsten Flusshöhlen Indiens – zeugt von der geologischen Aktivität der Garo Hills.

Besucherinformationen

Der Park ist von Oktober bis April zugänglich; der Monsun bringt in Meghalaya extreme Niederschläge, die die Waldwege gefährlich rutschig machen und den Besuch unmöglich gestalten. Der Eintritt beträgt rund 50 INR; zusätzlich ist ein Permit über die Forstverwaltung in Tura erforderlich, das vor der Anreise beantragt werden sollte. Zu den lohnendsten Aktivitäten zählen der Trekking-Aufstieg zum Nokrek Peak, die Besichtigung der Citrus-indica-Bestände mit einem kundigen Führer, Vogelbeobachtung in den frühen Morgenstunden sowie Besuche in umliegenden Garo-Dörfern, die Einblicke in eine der ältesten matrilinearen Kulturen Indiens bieten.

Ausgangspunkt für alle Touren ist Tura, das rund 35 Kilometer vom Parkeingang entfernt liegt. Der nächste Flughafen Guwahati ist 220 Kilometer entfernt, die Fahrt dauert rund sechs Stunden. Übernachten lässt sich im Forest Rest House in Daribokgre sowie in Gästehäusern in Tura.

Beste Reisezeit

Die ideale Reisezeit ist von Oktober bis April. Der Winter von November bis Februar bietet kühles, angenehmes Klima mit Temperaturen zwischen 8 °C und 22 °C und klare Sicht von den Gipfeln. Im Frühling von März bis April blühen Orchideen in den Bergwäldern, und die wilden Zitrusbäume tragen Früchte – die schönste Zeit, um die botanischen Schätze des Parks zu erleben. Der Monsun von Mai bis September bringt in Meghalaya extreme Niederschläge, die die Region zu einer der regenreichsten der Erde machen.

Wissenswertes

Nokrek besitzt eines der außergewöhnlichsten Alleinstellungsmerkmale aller indischen Nationalparks: die wildwachsende Citrus indica, Stammform aller kultivierten Zitrusfrüchte der Welt. Jede Orange, Zitrone oder Mandarine, die je gezüchtet wurde, hat ihre botanischen Wurzeln in Wäldern wie diesem. Dass die Garo-Stämme diese Bäume als „Geisterorangen" jahrhundertelang schützten, ohne ihre globale Bedeutung zu kennen, ist ein eindrückliches Beispiel für das intuitive Wissen traditioneller Kulturen. Der Nokrek Peak (1.412 m) als höchster Punkt der Garo Hills bietet zudem einen weiten Panoramablick über das hügelige Meghalaya. Die Region besitzt eines der ausgedehntesten Höhlensysteme Indiens – wer nach dem Parkbesuch noch Zeit hat, sollte die nahe gelegene Siju-Höhle besuchen.

In der Nähe

  • Tura – 35 km südöstlich, Hauptstadt der West Garo Hills
  • Balpakram Nationalpark – 100 km südöstlich, Geisterschlucht der Garo
  • Siju-Höhle – 80 km südöstlich, eine der längsten Flusshöhlen Indiens
  • Shillong – 280 km östlich, Hauptstadt Meghalayas
  • Guwahati – 220 km östlich, Tor zu Nordostindien