Meghalaya

Schönheit von Khasi Hills, Cherra Punji/Sohra, Nohkalikai Falls. Meghalaya

Meghalaya, die Wohnstätte der Wolken, ist eines der malerischsten Reiseziele Indiens. Reiseführer für Meghalaya mit allen Highlights.

Region: Nordostindien | Hauptstadt: Shillong

Meghalaya, die „Wohnstätte der Wolken", gehört zu den außergewöhnlichsten Reisezielen Indiens. Der Name ist Programm: Auf dem Meghalaya-Plateau, das sich zwischen 150 und 1.965 m Höhe erstreckt, fallen an manchen Orten über 12.000 mm Regen pro Jahr – mehr als irgendwo sonst auf der Erde. Doch gerade dieser Regen hat eine Landschaft geschaffen, die ihresgleichen sucht: lebende Wurzelbrücken, die höchsten Wasserfälle Indiens, kristallklare Flüsse und über 500 Höhlen durchziehen das hügelige Terrain.

Die knapp drei Millionen Einwohner – hauptsächlich Khasi, Garo und Jaintia – leben in einer der größten matrilinearen Gesellschaften der Welt: Kinder tragen den Namen der Mutter, die jüngste Tochter erbt das Eigentum, und Männer ziehen nach der Heirat ins Haus der Frau. Britische Kolonialherren waren von den Kiefernwäldern und dem angenehmen Klima so angetan, dass sie Shillong zur Hauptstadt von Assam machten und die Region das „Schottland des Ostens" tauften.


Tourismus

Living Root Bridges – Lebende Architektur

Die Living Root Bridges stehen auf der UNESCO-Tentativliste und sind das Wahrzeichen Meghalayas. Seit Jahrhunderten formen die Khasi und Jaintia die Luftwurzeln des Gummibaums (Ficus elastica) über Bambusgerüste, bis nach 15 bis 30 Jahren tragfähige Brücken entstehen – lebende Konstruktionen, die mit der Zeit stärker statt schwächer werden. Über 100 dieser Brücken sind dokumentiert, manche davon bis zu 500 Jahre alt.

Die berühmteste ist die Double Decker Root Bridge bei Nongriat – eine doppelstöckige Wurzelbrücke, die über eine steile Treppe von 3.500 Stufen durch den Dschungel erreicht wird. In Mawlynnong, das 2003 zum „saubersten Dorf Asiens" gekürt wurde, führt eine weitere Wurzelbrücke über einen Bach, und ein Sky Walk auf einem Baumwipfel bietet einen Panoramablick über das Grenzland zu Bangladesch.

Cherrapunjee und Mawsynram – Die regenreichsten Orte der Erde

Cherrapunjee (Sohra) hielt lange den Rekord als regenreichster Ort der Welt und fasziniert mit einer dramatischen Landschaft am Rand des Meghalaya-Plateaus. Die Nohkalikai Falls stürzen 340 m in die Tiefe – Indiens höchster Sturzwasserfall, benannt nach einer tragischen Khasi-Legende. Während des Monsuns verwandeln sich die Seven Sisters Falls in ein spektakuläres Schauspiel aus sieben parallelen Kaskaden. Die Mawsmai Cave, eine beleuchtete Kalksteinhöhle, gibt einen Vorgeschmack auf das unterirdische Labyrinth Meghalayas. Der historische David Scott Trail führt auf den Spuren eines britischen Kolonialbeamten durch Kiefernwälder und Khasi-Dörfer.

Mawsynram, nur 16 km von Cherrapunjee entfernt, hält mit durchschnittlich 11.871 mm Niederschlag pro Jahr den aktuellen Rekord als regenreichster bewohnter Ort der Welt.

Shillong – Das Schottland des Ostens

Shillong, die Hauptstadt auf 1.496 m Höhe, ist eine der charmantesten Kleinstädte Nordostindiens. Ward's Lake, ein botanischer Garten im Herzen der Stadt, die dreistufigen Elephant Falls und das Don Bosco Museum – das größte Museum Nordostindiens mit einem Panorama über die Kulturen aller Stämme der Region – bilden die Hauptattraktionen. Vom Shillong Peak (1.965 m) bietet sich ein 360-Grad-Panorama über die wolkenverhangenen Hügel. Der Police Bazaar ist das lebendige Einkaufszentrum der Stadt, und Shillongs lebhafte Musikszene hat der Stadt den Ruf als „Rock Capital of India" eingebracht.

Dawki und der Umngot River

Der Umngot River bei Dawki an der Grenze zu Bangladesch ist berühmt für sein kristallklares Wasser – Boote scheinen über der Oberfläche zu schweben, so durchsichtig ist der Fluss in der Trockenzeit. Eine Bootsfahrt hier gehört zu den meistfotografierten Erlebnissen Nordostindiens.

Höhlen

Meghalaya ist ein Paradies für Höhlenforscher. Der Krem Liat Prah ist mit 34 km die längste Höhle Südasiens, und über 500 weitere Höhlen sind dokumentiert – viele davon noch unerforscht. Die Mawsmai Cave bei Cherrapunjee ist leicht zugänglich und beleuchtet, während der Krem Phyllut Abenteuerlustige mit engen Passagen und unterirdischen Flüssen herausfordert.

Heilige Haine und Megalithen

Die Sacred Groves der Khasi sind uralte Waldstücke, die als Wohnstätten der Götter verehrt und streng geschützt werden – kein Zweig darf gebrochen, kein Blatt gepflückt werden. Bei Nartiang stehen die höchsten Megalith-Steinreihen Indiens – stumme Zeugen einer rätselhaften Vergangenheit, die an Stonehenge erinnern.

Nationalparks

Der Nokrek Nationalpark ist ein UNESCO-Biosphärenreservat und Heimat des seltenen Roten Pandas. Der Balpakram Nationalpark, von den Garo als „Land der ewigen Winde" und Aufenthaltsort der Seelen Verstorbener verehrt, schützt eine unberührte Wildnis an der Grenze zu Bangladesch.


Geschichte

Vor der britischen Herrschaft war die Region in unabhängige Khasi-, Garo- und Jaintia-Königreiche aufgeteilt. Die Stämme behielten weitgehend ihre Autonomie, da das bergige, wolkenverhangene Gelände eine vollständige Kolonisierung erschwerte. 1835 annektierten die Briten die Region und machten sie zum Teil von Assam. Die Kolonialherren waren von Shillongs angenehmem Klima so beeindruckt, dass sie es zur Hauptstadt der gesamten Provinz erhoben – ein Status, den die Stadt bis 1972 behielt.

Nach jahrelangen Bestrebungen der Khasi, Garo und Jaintia nach Eigenständigkeit wurde Meghalaya 1972 als eigener Bundesstaat aus Assam herausgelöst. Bis heute bewahren die Stämme ihre matrilineare Gesellschaftsordnung und ihre traditionellen Verwaltungsstrukturen – die Durbar (Stammesräte) der Khasi spielen noch immer eine wichtige Rolle im lokalen Leben.


Klima & Geographie

Das Meghalaya-Plateau, geologisch ein Teil des uralten Deccan-Schildes, gliedert sich in drei Gebirgszüge: die Khasi Hills im Zentrum, die Garo Hills im Westen und die Jaintia Hills im Osten. Die Flüsse Umkhri, Digaru und Umiam entwässern das Plateau nach Norden in den Brahmaputra und nach Süden in die Ebenen von Bangladesch.

Jahreszeit Monate Temperatur Hinweis
Winter November–Februar 4–16 °C Trocken, klare Sicht, beste Reisezeit
Frühling März–April 15–24 °C Angenehm, Blütezeit
Monsun Mai–September 15–25 °C Extremer Regen, Wasserfälle spektakulär
Herbst Oktober–November 10–20 °C Nachlassender Regen, gute Sicht

Der Monsun bringt zwischen Mai und September extreme Niederschläge – bis zu 12.000 mm jährlich in Mawsynram und Cherrapunjee. Paradoxerweise leidet die Region in der Trockenzeit unter Wassermangel, da das Regenwasser schnell abfließt.


Wirtschaft

Etwa 70 % der Bevölkerung Meghalayas leben von der Landwirtschaft. Angebaut werden vor allem Ananas, Orangen, Bananen und Betelblätter – sowohl im traditionellen Jhum (Wanderfeldbau) als auch auf Terrassenfeldern. Der Bergbau fördert Kalkstein, Kohle und Granit, wobei der Kohleabbau zunehmend umstritten ist. Der Ökotourismus gewinnt als Wirtschaftsfaktor stetig an Bedeutung – die Living Root Bridges, die Höhlen und die einzigartige Natur ziehen zunehmend internationale Besucher an.


Feste & Veranstaltungen

Shad Suk Mynsiem (April) ist das große Erntedankfest der Khasi, bei dem junge Frauen in goldbestickter Seide und Männer in traditioneller Tracht tanzen – ein farbenfrohes Spektakel auf dem Polo Ground in Shillong. Behdienkhlam (Juli), das größte Festival der Jaintia, vertreibt mit riesigen Holzpfählen und rituellen Tänzen böse Geister. Wangala (November), das „100-Trommel-Festival" der Garo, feiert die Ernte mit dem Donner Hunderter gleichzeitig geschlagener Trommeln. Das Nongkrem Dance Festival (November) ist das größte Khasi-Festival, und das junge Cherry Blossom Festival in Shillong hat sich zu einem der beliebtesten Events des Nordostens entwickelt.


Küche

Die Küche Meghalayas dreht sich um Schweinefleisch und fermentierte Zutaten – eine Kombination, die intensiv und unverwechselbar ist. Jadoh, Reis zusammen mit Schweinefleisch gekocht, ist das Alltagsgericht der Khasi. Tungrymbai, fermentierte Sojabohnen mit Schweinefleisch und Sesam, liefert kräftigen Umami-Geschmack. Doh Khleh, ein Salat aus gehacktem Schweinefleisch mit Zwiebeln und Chili, wird kalt serviert und ist der beliebteste Snack. Nakham Bitchi – geräuchertes Schweinefleisch mit fermentierten Bambussprossen – und Ki Kpu, Schweinebauch mit schwarzem Sesam, runden das deftige Repertoire ab. Als Süßes gibt es Pumaloi, ein Reis-Jaggery-Dessert.


Kunsthandwerk

Die Garo sind bekannt für ihre Eri-Seidenweberei – eine weiche, warme Seide, die ohne die Raupen zu töten gewonnen wird. Die Khasi fertigen kunstvollen Perlenschmuck aus Korallen und Perlen, und ihre Bambusarbeiten – Körbe, Möbel und Musikinstrumente – sind im ganzen Nordosten begehrt. Die Jaintia pflegen eine Tradition der Holzschnitzerei und Töpferei, die religiöse und alltägliche Motive verbindet.


Anreise

Meghalaya hat einen kleinen Flughafen bei Shillong (Umroi, SHL), der jedoch nur begrenzte Verbindungen bietet. Die meisten Reisenden fliegen nach Guwahati (GAU) in Assam und fahren von dort in etwa drei Stunden über den NH 6 nach Shillong. Shared Taxis und Busse verkehren regelmäßig. Eine Bahnverbindung nach Shillong ist in Planung, der nächste große Bahnhof bleibt vorerst Guwahati.


Städte

  • Shillong – Hauptstadt, „Scotland of the East"
  • Cherrapunjee – Regenreichster Ort, Living Root Bridges
  • Tura – Hauptstadt der Garo Hills
  • Jowai – Hauptstadt der Jaintia Hills
  • Nongstoin – West Khasi Hills

Sehenswürdigkeiten

  • Double Decker Root Bridge – Nongriat, UNESCO-Tentativliste
  • Nohkalikai Falls – Höchster Sturzwasserfall Indiens (340 m)
  • Mawsmai Cave – Beleuchtete Kalksteinhöhle
  • Krem Liat Prah – Längste Höhle Südasiens (34 km)
  • Elephant Falls – Dreistufiger Wasserfall bei Shillong
  • Nokrek Nationalpark – UNESCO-Biosphärenreservat
  • Balpakram Nationalpark – Unberührte Wildnis
  • Umiam Lake – Stausee und Wassersport nahe Shillong
  • Dawki/Umngot River – Kristallklares Wasser

Wissenswertes

Meghalaya ist ein Land der Extreme und der stillen Wunder. Der Name bedeutet „Wohnstätte der Wolken" (Sanskrit), und tatsächlich liegt die Region oft über den Wolken – oder mitten in ihnen. Mawsynram empfängt mit über 11.000 mm den meisten Regen weltweit, und doch leiden die Bewohner in der Trockenzeit unter Wassermangel. Die Living Root Bridges, manche davon bis zu 500 Jahre alt, werden mit der Zeit stabiler statt schwächer – ein Gegenmodell zur modernen Wegwerfarchitektur. Der Krem Liat Prah ist mit 34 km die längste Höhle Südasiens, und Hunderte weitere warten noch auf ihre Erforschung. Und Mawlynnong, das „sauberste Dorf Asiens", beweist, dass Nachhaltigkeit keine Erfindung der Moderne ist – hier wurde Müllvermeidung praktiziert, lange bevor das Wort existierte.