Arunachal Pradesh

Ein Dorf in den Bergen Arunachal Pradeshs. Foto: appaji

Arunachal Pradesh, das Land der aufgehenden Sonne, beherbergt Indiens größtes Kloster, 26 Stammesgruppen und über 500 Orchideenarten.

Region: Nordostindien | Hauptstadt: Itanagar

Arunachal Pradesh, das „Land der aufgehenden Sonne", ist Indiens größter nordöstlicher Bundesstaat und empfängt jeden Morgen als erster Ort des Landes die Sonnenstrahlen. Auf 83.743 km² – vom subtropischen Tiefland bis zu 7.060 m hohen Gipfeln – leben nur 1,4 Millionen Menschen, verteilt auf 26 verschiedene Stammesgruppen mit jeweils eigener Sprache und Kultur. Über 500 Orchideenarten blühen in den Wäldern, und das Tawang-Kloster ist das größte buddhistischen Kloster Indiens.

Der Staat ist einer der am wenigsten besuchten und am schwierigsten erreichbaren Teile Indiens – und gerade deshalb einer der lohnendsten. Die Reise nach Tawang über den Sela Pass (4.170 m) gehört zu den dramatischsten Straßenfahrten des Himalaya.


Tourismus

Tawang – Spirituelles Herz

Tawang auf 3.048 m Höhe beherbergt das Tawang-Kloster – mit über 400 Jahren Geschichte das größte Kloster Indiens und das zweitgrößte der Welt nach dem Potala-Palast in Lhasa. Hier wurde der 6. Dalai Lama geboren, und die Urgelling Gompa markiert seine Geburtsstätte. Die Reise dorthin führt über den spektakulären Sela Pass (4.170 m), einen der höchsten befahrbaren Pässe Indiens, vorbei am heiligen Sela Lake. Die Nuranang Falls (100 m) stürzen unweit der Straße in die Tiefe – ein Bollywood-Drehort, der in der Realität noch beeindruckender ist.

Ziro Valley – Kulturlandschaft der Apatani

Das Ziro Valley steht auf der UNESCO-Tentativliste und ist die Heimat der Apatani, eines Stammes, dessen Frauen traditionell Nasenringe trugen und deren Gesichter tätowiert wurden – eine Praxis, die der Legende nach ihre Schönheit vor Entführern verbergen sollte. Die sanften Reisterrassen zwischen Kiefernwäldern bilden eine einzigartige Kulturlandschaft. Das jährliche Ziro Festival of Music (September) hat sich als wichtigstes Indie-Musikfestival Nordostindiens etabliert.

Naturparadies

Der Namdapha Nationalpark ist ein UNESCO-Biosphärenreservat und der einzige Ort der Welt, an dem alle vier großen asiatischen Katzen – Tiger, Leopard, Schneeleopard und Nebelparder – im selben Gebiet leben. Über 1.000 Pflanzenarten und der Hoolock-Gibbon, Indiens einziger Menschenaffe, machen den Park zu einem Biodiversitäts-Hotspot von globaler Bedeutung. Das Orchid Research Centre in Tipi dokumentiert über 500 seltene Orchideenarten – die beste Zeit für Orchideen ist April bis Mai.

Weitere Reiseziele

Itanagar, die Hauptstadt, besitzt die Ruinen des Ita Fort (14.–15. Jahrhundert) aus Ziegelstein und den Ganga Lake (Gekar Sinyi). Dirang auf dem Weg nach Tawang bietet heiße Quellen, Kiwi-Plantagen und Yak-Zucht. Das abgelegene Mechuka-Tal, umgeben von schneebedeckten Bergen, ist einer der friedlichsten Orte des Himalaya. Pasighat, die älteste Stadt Arunachals, liegt am Ufer des Siang – des Oberlaufs des Brahmaputra.


Geschichte

Die Region war seit Jahrtausenden von tibetisch-burmanischen Stämmen besiedelt, die bis ins 20. Jahrhundert weitgehend isoliert lebten und keine Schriftsprache besaßen. Unter britischer Herrschaft war das Gebiet als NEFA (North East Frontier Agency) bekannt und blieb administrativ Teil von Assam. 1962, während des Indisch-Chinesischen Krieges, wurde die Region kurzzeitig von China besetzt – bis heute erhebt Beijing Ansprüche auf das gesamte Gebiet.

1972 wurde Arunachal Pradesh zum Unionsterritorium, 1987 zum 24. Bundesstaat. Die 26 Stammesgruppen – Monpa (Buddhisten in Tawang), Nyishi (die größte Gruppe), Adi, Apatani, Mishmi und viele andere – bewahren ihre eigenen Sprachen und Traditionen.


Klima & Geographie

Arunachal Pradesh erstreckt sich vom subtropischen Tiefland im Süden bis zu den vergletscherten Gipfeln des östlichen Himalaya. Der höchste Berg ist der Kangto (7.060 m). Der Siang, der in Tibet als Yarlung Tsangpo entspringt, durchfließt den Staat und wird zum Brahmaputra. Die Niederschläge sind extrem: 2.000 bis 4.000 mm je nach Lage.

Jahreszeit Monate Temperatur Hinweis
Winter November–Februar -5–15 °C Trocken, klare Sicht auf Berge
Frühling März–April 10–25 °C Orchideenblüte, angenehm
Monsun Mai–September 20–30 °C Starke Regenfälle, Straßen teils unpassierbar
Herbst Oktober–November 10–20 °C Beste Reisezeit

Wirtschaft

Die Wirtschaft basiert auf Subsistenzlandwirtschaft – Jhum (Wanderfeldbau) dominiert, ergänzt durch den Anbau von Äpfeln, Orangen, Kiwis und Ananas. Wasserkraft hat enormes Potenzial (über 50.000 MW) und ist ein wachsender Sektor. Das Stammeshandwerk – Holzschnitzerei, tibetische Teppichweberei, Bambusarbeiten und Thangka-Malerei – ergänzt das Einkommen.


Feste & Veranstaltungen

Losar (Februar/März), das tibetische Neujahr, wird in Tawang mit farbenprächtigen Cham-Tänzen gefeiert. Mopin (April) ist das Erntedankfest der Galo, Dree (Juli) das der Apatani, und Solung (September) das der Adi – jeder Stamm hat seinen eigenen Festkalender. Das Ziro Festival of Music (September) bringt Indie-Musik in die Reisterrassen. Das Pangsau Pass Winter Festival (Januar) an der indo-myanmarischen Grenze feiert die kulturelle Verbindung beider Länder.


Küche

Die Küche variiert stark nach Stammeszugehörigkeit, teilt aber einige Grundzüge: Thukpa (Nudelsuppe) und Momos (Teigtaschen) zeigen den tibetischen Einfluss in Tawang und Bomdila. Pika Pila – ein Bambussprossen-Curry – und Zan (Hirse- oder Maisbrei) sind Stammesgerichte. Apong, fermentiertes Reisbier, wird bei Festen und Zeremonien getrunken. Geräuchertes Fleisch – Yak, Schwein und Rind – ist besonders in den Bergregionen beliebt.


Anreise & Genehmigungen

Wichtig: Alle indischen Staatsbürger benötigen ein Inner Line Permit (ILP), Ausländer ein Protected Area Permit (PAP) (Gruppenreise mit mindestens 4 Personen). Der Donyi Polo Airport (Hollongi, 2022 eröffnet) bei Itanagar hat die Erreichbarkeit verbessert. Per Straße führt der NH 13 von Guwahati nach Itanagar; die Fahrt nach Tawang über Bomdila dauert zwei Tage.


Städte

  • Itanagar – Hauptstadt, Ita Fort, Ganga Lake
  • Tawang – Größtes Kloster Indiens, 6. Dalai Lama
  • Dirang – Heiße Quellen, Kiwi-Plantagen
  • Mechuka – Abgelegenes Himalaya-Tal
  • Bomdila – Klöster, Apfelplantagen
  • Ziro – Apatani-Kultur, Musikfestival
  • Pasighat – Älteste Stadt, Siang-Ufer

Sehenswürdigkeiten

  • Tawang Monastery – Größtes Kloster Indiens
  • Sela Pass – Hochgebirgspass (4.170 m)
  • Namdapha Nationalpark – Alle vier großen Katzen Asiens
  • Nuranang Falls – 100 m Wasserfall
  • Ziro Valley – UNESCO-Tentativliste, Apatani-Kultur
  • Ita Fort – Ziegelruinen (14.–15. Jh.)
  • Bomdila Monastery – Panoramablick

Wissenswertes

Arunachal Pradesh ist ein Land der Extreme: Das Dorf Dong empfängt als erster Ort Indiens die Sonne. Das Tawang-Kloster ist das größte Indiens und das zweitgrößte der Welt. Über 500 Orchideenarten wachsen in den Wäldern – mehr als in jedem anderen indischen Staat. Der Namdapha-Nationalpark ist der einzige Ort der Erde, an dem Tiger, Leopard, Schneeleopard und Nebelparder im selben Gebiet leben. 26 Stammesgruppen sprechen jeweils eigene Sprachen – eine linguistische Vielfalt, die weltweit ihresgleichen sucht. Und der Gorichen Peak (6.858 m) wartet noch immer auf seine Erstbesteigung durch ein ziviles Team.