Rajasthan

Rajasthan, das Land der Könige, ist Indiens flächenmäßig größter Bundesstaat und liegt im Nordwesten an der Grenze zu Pakistan.

Region: Nordindien | Hauptstadt: Jaipur

Groß (Jaipur Depositphotos 244559316 Xl)

Rajasthan, das „Land der Könige", ist Indiens flächenmäßig größter Bundesstaat und liegt im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Pakistan. Auf einer Fläche von 342.239 km² – größer als Deutschland – leben über 68 Millionen Menschen. Der Staat ist berühmt für seine prächtige Rajputen-Architektur, seine farbenfrohen Städte und die weite Thar-Wüste, die sich über ein Drittel der Landesfläche erstreckt.

Jede Stadt Rajasthans trägt ihren eigenen Charakter: Jaipur ist die „rosa Stadt", Jodhpur die „blaue Stadt", Udaipur das „Venedig des Ostens" und Jaisalmer die „goldene Stadt". Zusammen bilden sie eines der faszinierendsten Reiseziele der Welt – ein Land, in dem Maharaja-Paläste zu Hotels geworden sind, Kamelkarawanen durch Sanddünen ziehen und jahrhundertealte Forts die Horizonte beherrschen.


Tourismus

Rajasthan gehört zu den beliebtesten Reisezielen Indiens und bildet zusammen mit New Delhi und Agra das berühmte „Goldene Dreieck" – die klassische Einstiegsroute für Indien-Reisende.

UNESCO-Welterbestätten

Sechs Rajputen-Festungen wurden 2013 gemeinsam als Hill Forts of Rajasthan zum Welterbe erklärt: Amber Fort, Jaisalmer Fort, Kumbhalgarh Fort, Ranthambore Fort, Gagron Fort und Chittorgarh Fort. Hinzu kommt der Keoladeo National Park bei Bharatpur, ein UNESCO-Biosphärenreservat mit über 370 Vogelarten – einer der wichtigsten Überwinterungsplätze für Zugvögel aus Afghanistan, Turkmenistan und China.

Die farbigen Städte

Jaipur – Die rosa Stadt wurde 1727 von Maharaja Sawai Jai Singh II. als eine der ersten planmäßig angelegten Städte Indiens gegründet. Das Amber Fort thront mit seinem legendären Spiegelpalast über der Stadt, der Hawa Mahal mit seinen 953 Fenstern ist eines der meistfotografierten Bauwerke Indiens, und das Jantar Mantar, ein astronomisches Observatorium aus dem 18. Jahrhundert, beeindruckt mit riesigen Messinstrumenten aus Stein.

Udaipur – Das Venedig des Ostens gilt als romantischste Stadt Indiens. Der City Palace erstreckt sich am Ufer des Pichola-Sees, während der Lake Palace als schwimmendes Luxushotel mitten auf dem Wasser liegt. Die Stadt diente als Kulisse für den James-Bond-Film „Octopussy".

Jodhpur – Die blaue Stadt wird von der gewaltigen Festung Mehrangarh überragt, einer der größten und am besten erhaltenen Festungen Indiens. Von ihren Mauern blickt man auf ein Meer blau gestrichener Häuser – die Farbe der Brahmanen, die hier seit Jahrhunderten leben. Der Umaid Bhawan Palace, ein Art-déco-Palast mit 347 Zimmern, ist teilweise noch von der Königsfamilie bewohnt.

Jaisalmer – Die goldene Stadt erhebt sich wie eine Fata Morgana aus der Thar-Wüste. Das Jaisalmer Fort ist eine der letzten bewohnten Festungen der Welt – rund 3.000 Menschen leben noch heute innerhalb seiner Mauern. Die kunstvollen Havelis der einstigen Kaufleute, allen voran die Patwon Ki Haveli, zeugen vom Reichtum der alten Karawanenrouten.

Chittorgarh besitzt die größte Festung Indiens – ein 280 Hektar großes Bollwerk auf einem Tafelberg, das dreimal belagert und dreimal durch den Jauhar (rituellen Feuertod) der Frauen unsterblich wurde. Die Geschichte von Rani Padmini, die sich den Flammen übergab, statt dem Mogulherrscher Alauddin Khalji in die Hände zu fallen, ist einer der großen Mythen Rajasthans.

Weitere sehenswerte Städte

Bikaner liegt abseits der üblichen Touristenrouten und belohnt den Umweg mit dem Junagarh Fort – einer der wenigen großen Festungen Rajasthans, die nie erobert wurden – und dem kuriosen Karni-Mata-Tempel, in dem Tausende heilige Ratten verehrt werden.

Ajmer ist als Standort der Dargah Sharif, des Grabmals des Sufi-Heiligen Moinuddin Chishti, eine der bedeutendsten muslimischen Pilgerstätten Indiens. Nur 14 km entfernt liegt Pushkar am gleichnamigen heiligen See – Heimat des einzigen Brahma-Tempels der Welt und Schauplatz der berühmten Kamelmesse im November.

Bundi ist ein Geheimtipp für alle, die das ursprüngliche Rajasthan suchen: prachtvolle Stufenbrunnen, ein verfallender Palast mit Fresken der Bundi-Malschule und kaum ein Tourist in Sicht. Rudyard Kipling schrieb hier Teile des „Dschungelbuchs".

Die Shekhawati-Region im Nordosten wird als „Freiluftgalerie Rajasthans" bezeichnet. In den Kleinstädten Mandawa, Nawalgarh und Fatehpur reihen sich Hunderte bemalte Havelis aneinander – die Kaufleute des 18. und 19. Jahrhunderts ließen ihre Häuser mit Fresken schmücken, die von mythologischen Szenen bis zu den ersten Eisenbahnen und Automobilen reichen.

Mount Abu

Mount Abu (1.722 m) ist Rajasthans einzige Bergstation und ein willkommener Rückzugsort vor der Sommerhitze. Die eigentliche Attraktion sind die Dilwara-Tempel – fünf Jain-Heiligtümer aus dem 11. bis 13. Jahrhundert, deren Marmorschnitzereien zu den feinsten ganz Indiens zählen. Die Detailarbeit ist so filigran, dass manche Stellen dünner als Papier sind.

Naturerlebnisse und Aktivitäten

Im Ranthambore Nationalpark lassen sich Bengal-Tiger vor der dramatischen Kulisse einer verfallenen Festung beobachten. Das Sariska Tiger Reserve bietet eine weniger besuchte Alternative. Im Desert National Park bei Jaisalmer lebt die seltene Indische Großtrappe.

Besonders beliebt sind Kamel- und Pferdesafaris durch die Thar-Wüste mit Übernachtung unter dem Sternenhimmel, Heißluftballonfahrten über Jaipur und natürlich die Übernachtung in einem der über 100 Heritage-Hotels – ehemalige Paläste und Forts, die zu stilvollen Unterkünften umgewandelt wurden.


Geschichte

Die ältesten Kulturen der Region reichen bis in die Zeit vor der Indus-Tal-Zivilisation zurück. Über Jahrhunderte herrschten hier mächtige Rajputen-Clans, die sich erbittert gegen türkische Invasoren, das Sultanat von Delhi und die Moguln zur Wehr setzten. Legendär sind die Geschichten von Heldenmut und Opferbereitschaft – etwa die dreimalige Belagerung von Chittorgarh, bei der die Verteidiger lieber in den Tod gingen, als sich zu ergeben.

Das Mogulreich brachte eine Phase des Ausgleichs: Kaiser Akbar heiratete eine Rajputen-Prinzessin aus Amber, und viele Rajputen-Fürsten stiegen zu mächtigen Verbündeten und Generälen der Moguln auf. Unter britischer Kolonialherrschaft behielten die Maharajas als Fürsten teilweise ihre Autorität. Nach der Unabhängigkeit 1947 wurden 23 ehemalige Fürstentümer am 30. März 1949 zum heutigen Bundesstaat Rajasthan vereinigt. Die einstigen Herrscher wandelten ihre Paläste in Hotels um und schufen damit eine weltweit einzigartige Tradition der Heritage-Hotels.


Klima & Geographie

Die westlichen Regionen Rajasthans sind extrem trocken – die Thar-Wüste, neuntgrößte subtropische Wüste der Welt, bedeckt ein Drittel des Staates. Die südwestlichen Hochländer sind fruchtbarer und grüner. Das Aravalli-Gebirge, eines der ältesten Faltengebirge der Erde, erstreckt sich über 560 km durch den Staat und trennt die Wüste vom fruchtbaren Osten. Mount Abu ist mit 1.722 m die einzige Bergstation – und zugleich ein beliebter Rückzugsort vor der Sommerhitze.

Jahreszeit Monate Temperatur Hinweis
Winter November–Februar 8–28 °C Beste Reisezeit
Sommer April–Juni 25–46 °C Extrem heiß, besonders in der Wüste
Monsun Juli–September 25–35 °C 100–650 mm Niederschlag je nach Region

Wirtschaft

Die Wirtschaft Rajasthans basiert traditionell auf Landwirtschaft und Viehzucht. Angebaut werden Baumwolle, Mais, Weizen, Hülsenfrüchte und Ölsaaten, während in den Wüstenregionen Kamele, Schafe und Ziegen gehalten werden. Der Bergbau fördert Kupfer, Zink, Smaragde, Silber, Glimmer und Gips – Rajasthan ist Indiens wichtigster Produzent von Marmor und Sandstein.

Die Woll- und Teppichweberei hat eine jahrhundertealte Tradition. Zunehmend gewinnt auch die IT-Industrie an Bedeutung: Der Mahindra World City Jaipur ist Nordindiens größter IT-Park.


Feste & Veranstaltungen

Rajasthan feiert mit einer Pracht, die ihresgleichen sucht. Die Pushkar Camel Fair im November ist der größte Kamelmarkt der Welt – über 50.000 Kamele, Pferde und Rinder werden gehandelt, begleitet von Wettbewerben, Volksmusik und religiösen Zeremonien am heiligen Pushkar-See. Das Desert Festival in Jaisalmer verwandelt die Wüste im Februar in eine Bühne für Kamelrennen, Turbanwettbewerbe und Volksmusik unter dem Sternenhimmel.

Gangaur (März/April) ist das große Frauenfest zu Ehren der Göttin Parvati, Teej im August begrüßt den Monsun mit farbenprächtigen Prozessionen. Diwali, das Lichterfest, wird in Jaipur und Udaipur besonders prachtvoll gefeiert – die Paläste und Seen erstrahlen in Tausenden von Lichtern.


Küche

Die Küche Rajasthans ist geprägt von der Wüstenlandschaft: Wo Wasser knapp ist, wurde Einfallsreichtum zur Tugend. Dal Baati Churma – Linsen mit gebackenen Brotkugeln und einer krümeligen Süßspeise – ist das Nationalgericht des Staates. Laal Maas, ein feuriges Lammcurry mit getrockneten roten Chilischoten, stammt aus der Rajputen-Küche und ist nichts für empfindliche Gaumen.

Typisch sind auch Ker Sangri, ein Gericht aus Wüstenbeeren und -bohnen, Mirchi Vada (frittierte gefüllte Paprika) und Ghevar, eine wabenförmige Süßspeise, die besonders zum Teej-Fest zubereitet wird. Die süßen Mawa Kachori aus Jodhpur gelten als eine der besten Naschereien ganz Indiens.


Kunsthandwerk

Rajasthan ist ein Paradies für Liebhaber traditionellen Handwerks. Die Textilkunst umfasst Bandhani (eine aufwendige Knotenbatik-Technik), Blockdruck aus Sanganer und Bagru sowie die wellenförmig gefärbten Leheriya-Stoffe. Jaipurs Juweliere beherrschen die Kundan- und Meenakari-Techniken – filigrane Goldarbeiten mit Edelsteinen und farbigem Emaille, die seit der Mogulzeit unverändert weitergegeben werden.

Die blaue Keramik aus Jaipur, ursprünglich eine persische Technik, ist weltweit begehrt. Hinzu kommen handgeknüpfte Teppiche und Durries, die Miniaturmalerei der Rajputen-Schule und die kunstvollen Holzarbeiten aus Shekhawati.


Anreise

Rajasthan ist hervorragend angebunden. Internationale Flüge erreichen den Jaipur International Airport (JAI); weitere Flughäfen gibt es in Jodhpur (JDH), Udaipur (UDR) und Jaisalmer (JSA). Per Bahn ist der Staat gut vernetzt – wer es luxuriös mag, nimmt den legendären Palace on Wheels, einen Luxuszug, der in einer Woche die wichtigsten Stationen Rajasthans anfährt. Über die Straße ist Jaipur als Teil des Goldenen Dreiecks bequem von New Delhi (ca. 5 Stunden) und Agra (ca. 4 Stunden) erreichbar.


Städte

  • Jaipur – Hauptstadt, rosa Stadt
  • Jodhpur – Blaue Stadt, Mehrangarh Fort
  • Udaipur – Venedig des Ostens, Seen und Paläste
  • Jaisalmer – Goldene Stadt in der Thar-Wüste
  • Bikaner – Junagarh Fort und Karni-Mata-Rattentempel
  • Ajmer – Dargah Sharif, Sufi-Pilgerstätte
  • Pushkar – Heiliger See, Brahma-Tempel, Kamelmesse
  • Chittorgarh – Größte Festung Indiens
  • Bundi – Stufenbrunnen und Bundi-Malschule
  • Bharatpur – Tor zum Keoladeo-Nationalpark
  • Ranthambore – Tigerreservat mit historischer Festung
  • Alwar – Sariska Tiger Reserve
  • Dholpur – Nahe Agra, Chambal-Flusslandschaft

Sehenswürdigkeiten


Wissenswertes

Rajasthan steckt voller überraschender Geschichten: Der Name bedeutet wörtlich „Land der Könige" (von Sanskrit raja = König und sthana = Ort). Das Aravalli-Gebirge, das den Staat durchzieht, gehört zu den ältesten Gebirgsformationen der Erde – älter als der Himalaya. Jede der großen Städte trägt ihre eigene Farbe: Rosa, Blau, Gold und Weiß erzählen von verschiedenen Traditionen und Kasten.

Über 100 ehemalige Paläste und Forts wurden zu Heritage-Hotels umgewandelt – eine weltweit einzigartige Tradition, die es ermöglicht, im Schlafgemach eines Maharajas zu übernachten. Und die Thar-Wüste ist keineswegs lebensfeindlich: Sie ist die am dichtesten besiedelte Wüste der Welt.