Manipur

Auf der Reise von Mizoram nach Manipur. Foto: T. Saldhana

Manipur, das Juwel Indiens, ist die Geburtsstätte des Polo, Heimat des tanzenden Sangai-Hirsches und besitzt den einzigen schwimmenden Nationalpark der Welt.

Region: Nordostindien | Hauptstadt: Imphal

Manipur, das „Juwel Indiens", ist ein Staat voller einzigartiger Geschichten: Hier wurde Polo erfunden, hier lebt der letzte tanzende Sangai-Hirsch auf schwimmenden Inseln, und hier befindet sich der weltweit einzige schwimmende Nationalpark. Auf 22.327 km² – zu 90 % hügeliges Terrain – leben knapp 2,9 Millionen Menschen. Das Imphal-Tal im Zentrum (800 m), umgeben von Bergketten, ist das kulturelle Herz des Staates.

Manipur verbindet eine über 2.000 Jahre alte Hindu-Vaishnavite-Tradition der Meitei mit vielfältiger Stammeskultur und einer tragischen, aber bedeutsamen WWII-Geschichte: Die Schlachten von Imphal und Kohima (1944) stoppten den japanischen Vormarsch nach Indien und waren ein Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs in Asien.


Tourismus

Loktak Lake – Schwimmende Wunder

Der Loktak Lake ist mit 287 km² der größte Süßwassersee Nordostindiens und weltweit einzigartig: Seine Phumdis – schwimmende Vegetationsinseln aus verdichtetem organischem Material – bedecken große Teile der Oberfläche. Fischer leben und arbeiten auf diesen Inseln, und am südlichen Ufer liegt der Keibul Lanjao Nationalpark – der einzige schwimmende Nationalpark der Welt. Hier lebt der Sangai (Rucervus eldii eldii), der „tanzende Hirsch" Manipurs, benannt nach seinem anmutigen Gang über die schwankenden Phumdis. Nur noch etwa 200 Exemplare existieren – eines der seltensten Tiere der Erde.

Imphal – Historische Hauptstadt

Imphal birgt Schätze, die kaum ein Reiseführer erwähnt. Das Kangla Fort, über 2.000 Jahre alt, war der Palast der Meitei-Könige und ist heute ein weitläufiger Park mit Tempeln, Museen und den steinernen Kangla-Drachen am Eingang. Der Ima Keithel (Khwairamband Bazaar) ist der größte rein von Frauen geführte Markt der Welt – seit über 500 Jahren betreiben über 3.000 Frauen die Stände und handeln mit allem, von Gemüse und Textilien bis zu Gewürzen und Handwerk. Der Shri Govindajee Temple ist der wichtigste Vaishnavite-Tempel Manipurs, und im Imphal War Cemetery ruhen über 1.600 Soldaten des Commonwealth – stille Zeugen der erbitterten Kämpfe von 1944.

WWII-Geschichte

Die Schlachten von Imphal und Kohima (März–Juli 1944) waren der Wendepunkt des Krieges in Asien. Über 60.000 japanische Soldaten starben bei dem Versuch, durch Manipur nach Indien vorzustoßen – einer der verlustreichsten Feldzüge des Pazifikkriegs. Das Red Hill (Lokpaching) trägt ein japanisches Friedensdenkmal, und in Moirang wehte erstmals die Flagge der Indian National Army (INA) unter Subhas Chandra Bose auf indischem Boden.

Natur und seltene Blumen

Die Shirui Lily (Lilium mackliniae) wächst ausschließlich auf den Shirui Hills im Ukhrul-Distrikt – nirgendwo sonst auf der Erde. Die Blütezeit von April bis Mai verwandelt die Hügelkuppen in ein zartrosa Blütenmeer. Das Dzukou Valley – geteilt mit Nagaland – bietet weitere endemische Bergwiesen.


Geschichte

Manipur blickt auf über 2.000 Jahre dokumentierte Geschichte zurück. Das Königreich der Meitei war einer der ältesten organisierten Staaten Südasiens. 1714 wurde der Vaishnavismus Staatsreligion, doch die indigenen Sanamahi-Traditionen leben parallel weiter. Sieben Jahre burmesischer Besatzung (1819–1826) – die „Jahre der Verwüstung" – hinterließen tiefe Narben. Die Briten übernahmen 1891 nach dem Anglo-Manipur-Krieg die Kontrolle. Nach der Unabhängigkeit 1947 blieb Manipur zunächst ein Königreich, wurde 1949 in die Indische Union eingegliedert und erhielt 1972 den Status eines Vollbundesstaates.


Klima & Geographie

Das Imphal-Tal (800 m) bildet das Zentrum, umgeben von Bergketten bis zu 2.500 m. Etwa 90 % des Staates sind hügelig. Das Klima ist subtropisch gemäßigt mit milden Wintern und moderatem Monsun.

Jahreszeit Monate Temperatur Hinweis
Winter November–Februar 5–25 °C Beste Reisezeit, Sangai Festival
Frühling März–April 15–30 °C Shirui Lily Blüte (April–Mai)
Monsun Mai–September 20–32 °C Regenfälle, grüne Landschaft
Herbst Oktober–November 15–28 °C Angenehm, Festsaison

Wirtschaft

Die Landwirtschaft dominiert mit Reis als Hauptkultur. Fischerei auf dem Loktak Lake ist ein bedeutender Nebenerwerb. Die Industrie umfasst Pharmazie, Elektrotechnik und Textilproduktion. Die Manipuri-Handweberei – insbesondere die Phee-Schals – ist für ihre Qualität bekannt, und die Bambus- und Rattanarbeiten sind in ganz Nordostindien begehrt.


Kultur

Polo (Sagol Kangjei) wurde in Manipur erfunden – das Spiel ist über 3.000 Jahre alt und wurde von den Briten im 19. Jahrhundert adaptiert und als „Polo" in die Welt getragen. Die Manipuri-Ponys, eine eigene Rasse von nur 130 cm Höhe, sind die Originalpferde dieses Sports. Der Manipuri-Tanz, einer der acht klassischen Tanzstile Indiens, besticht durch sanfte, fließende Bewegungen und basiert auf der Radha-Krishna-Mythologie. Die einzigartige religiöse Mischung Manipurs – Meitei-Hindus, die gleichzeitig die indigene Sanamahi-Religion praktizieren, neben christlichen Stammesvölkern – gibt dem Staat einen besonderen kulturellen Reichtum.


Feste & Veranstaltungen

Das Sangai Festival (November) ist Manipurs größtes Festival – zehn Tage Kultur, Sport, Küche und Handwerk, benannt nach dem seltenen Hirsch. Lai Haraoba (April/Mai), das älteste Meitei-Festival, feiert die Schöpfungsmythologie mit tagelangen Ritualtänzen. Yaoshang (Februar/März) ist Manipurs Version von Holi, begleitet vom Thabal Chongba – einem Mondtanz, bei dem junge Männer und Frauen im Mondschein tanzen. Cheiraoba (April) markiert das Meitei-Neujahr.


Küche

Die Manipuri-Küche ist überraschend gesund: wenig Öl, viele frische Kräuter und Fermentation als zentrale Technik. Eromba, gestampftes Gemüse mit fermentiertem Fisch (Ngari), ist das Alltagsgericht. Singju, ein würziger Salat aus verschiedenen Gemüsesorten mit Ngari, und Chamthong (Kangshoi), eine klare Gemüsesuppe, sind typisch. Chak-hao Kheer – ein Pudding aus schwarzem Reis – ist die berühmteste Süßspeise. Der fermentierte Fisch Ngari ist die Grundzutat vieler Gerichte und verleiht der Manipuri-Küche ihren unverwechselbaren Umami-Geschmack. Lotus-Stängel aus dem Loktak Lake gelten als Delikatesse.


Anreise

Der Bir Tikendrajit International Airport (IMF) in Imphal bietet Verbindungen nach Delhi, Kolkata und Guwahati. Per Bahn ist Jiribam (225 km) der nächste Bahnhof; eine direkte Bahnverbindung nach Imphal ist im Bau. Über die Straße führt der NH 2 von Nagaland/Assam. Der Grenzübergang Moreh ermöglicht die Weiterreise nach Myanmar.


Städte

  • Imphal – Hauptstadt, Kangla Fort, Ima Keithel
  • Moirang – INA-Geschichte, Loktak Lake
  • Ukhrul – Shirui Lily, Tangkhul-Naga
  • Chandel – Indo-Myanmar-Grenze
  • Churachandpur – Kuki-Region

Sehenswürdigkeiten

  • Loktak Lake – Schwimmende Inseln, größter Süßwassersee
  • Keibul Lanjao Nationalpark – Einziger schwimmender Nationalpark, Sangai
  • Kangla Fort – 2.000 Jahre Geschichte
  • Ima Keithel – Größter Frauenmarkt der Welt
  • Imphal War Cemetery – WWII-Gedenkstätte
  • Shirui Hills – Einziger Ort der Shirui Lily
  • Shri Govindajee Temple – Vaishnavite-Tempel

Wissenswertes

Manipur steckt voller einzigartiger Geschichten: Polo (Sagol Kangjei) ist über 3.000 Jahre alt und wurde hier erfunden. Der Ima Keithel ist der größte rein von Frauen geführte Markt der Welt – seit über 500 Jahren. Der Sangai-Hirsch, der „tanzende Hirsch", existiert nur hier – weniger als 200 Exemplare leben auf den schwimmenden Inseln des Loktak Lake. Der Keibul Lamjao ist der einzige schwimmende Nationalpark der Erde. Die Shirui Lily wächst nirgendwo sonst auf der Welt. Und der Manipuri-Tanz gehört zu den acht klassischen Tanzstilen Indiens – seine sanften, fließenden Bewegungen sind das genaue Gegenteil der kriegerischen Geschichte des Staates.