Chhattisgarh

Chitrakoot-Fälle (Chhattisgarh). Foto: lamg

Chhattisgarh, Indiens Geheimtipp für Offbeat-Reisende, verbindet spektakuläre Wasserfälle, uralte Höhlen und eine der ursprünglichsten Stammeskulturen Indiens.

Region: Zentralindien | Hauptstadt: Raipur

Chhattisgarh, im November 2000 aus Madhya Pradesh herausgelöst, ist Indiens Geheimtipp für Offbeat-Reisende. Auf 135.190 km² – fast die Hälfte davon bewaldet – leben 25,5 Millionen Menschen, darunter einige der ursprünglichsten Stammesgemeinschaften Indiens. Die Bison-Horn-Maria mit ihren gehörnten Kopfbedeckungen, die Baiga mit ihrer Tätowierkunst und die Muria mit ihrer einzigartigen Ghotul-Tradition gehören zu den am wenigsten verwestlichten indigenen Gruppen des Subkontinents.

Was den Staat touristisch auszeichnet, sind spektakuläre Wasserfälle – darunter der breiteste Indiens –, mysteriöse Höhlen und eine Stammeskunst, die von Galerien weltweit gesammelt wird. Wer das authentische, touristische unberührte Indien sucht, findet es hier.


Tourismus

Chitrakote – Indiens Niagara

Der Chitrakote Waterfall bei Jagdalpur im Bastar-Distrikt ist der breiteste Wasserfall Indiens – während des Monsuns erreicht er eine Breite von bis zu 300 m bei 29 m Fallhöhe. Der Vergleich mit den Niagarafällen ist nicht übertrieben: Die hufeisenförmige Kante und der donnernde Wasservorhang erzeugen ein ähnlich überwältigendes Erlebnis, nur ohne die Menschenmassen. Der Tirathgarh Waterfall (91 m) im Kanger Valley National Park fällt in mehreren Stufen durch dichten Dschungel.

Höhlen und Naturwunder

Die Kutumsar-Höhlen im Kanger Valley gehören zu den längsten natürlichen Höhlen der Welt – bis zu 40 m tief, völlig lichtlos und mit einem heiligen Shiva-Lingam im Inneren. Der Kanger Ghati Nationalpark selbst ist ein UNESCO-Biosphärenreservat mit beeindruckender Biodiversität und dem seltenen Bastar Hill Myna.

Tempel und Kulturstätten

Der Bhoramdeo Temple (11. Jahrhundert) wird als „Khajuraho von Chhattisgarh" bezeichnet – seine Außenwände tragen erotische Skulpturen, die in ihrer Detailfreude an die berühmten Chandela-Tempel erinnern, jedoch in einer weit abgelegeneren und atmosphärischeren Umgebung. Der Danteshwari Temple (14. Jahrhundert), einer der 52 Shakti Peethas, ist das spirituelle Zentrum des Bastar-Distrikts und Ausgangspunkt des Bastar Dussehra – mit 75 Tagen das längste Fest der Welt. Rajim, das „Prayag von Chhattisgarh", liegt am Zusammenfluss dreier Flüsse und beherbergt bedeutende Tempel sowie eine eigene Kumbh Mela. Sirpur überrascht mit buddhistischen Ruinen, die auf eine einst blühende Klosterkultur hinweisen.

Stammeskultur

Chhattisgarhs Stammesgemeinschaften sind das Herzstück jeder Reise in den Bastar-Distrikt. Die Gond, die größte Stammesgruppe, sind berühmt für ihre leuchtende Malerei, die den Sprung von Hüttenwänden in internationale Galerien geschafft hat. Die Bison-Horn-Maria tragen bei Festen und Tänzen gehörnte Kopfbedeckungen – ein Anblick, der an archaische Zeiten erinnert. Die Baiga pflegen die Godna-Tätowierkunst, bei der geometrische Muster auf den Körper gestochen werden, die als Schmuck ins Jenseits mitgenommen werden sollen. Auf den Wochenmärkten (Haats) in den Dörfern treffen Reisende auf eine Welt, die von der Moderne kaum berührt scheint.

Wildlife

Der Indravati Nationalpark ist Chhattisgarhs wichtigstes Tigerreservat und beherbergt auch Wildbüffel (Gaur). Das Achanakmar Tiger Reserve (seit 2009) schützt Tiger, Leoparden, Gaur und Wildhunde in 557 km² Wald. Das Sitanadi Wildlife Sanctuary ergänzt das Naturerlebnis.


Geschichte

Die Region war als Dakshin-Kausal bekannt und erlebte zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert die Herrschaft verschiedener Dynastien, darunter Nala, Sharabhpuriya und Somavamshi. Die Ankunft der Briten 1854 machte Raipur zum Verwaltungszentrum. Am 1. November 2000 wurde Chhattisgarh durch Abspaltung von 16 Chhattisgarhi-sprechenden Distrikten aus Madhya Pradesh zum 26. Bundesstaat Indiens – eine Anerkennung der kulturellen und sprachlichen Eigenständigkeit der Region.


Klima & Geographie

Im Norden grenzt Chhattisgarh an die Indo-Ganges-Ebene, die Satpura-Berge und das Chota-Nagpur-Plateau trennen die Ebenen vom fruchtbaren Mahanadi-Tal in der Mitte des Staates. Mit 44 % Waldbedeckung gehört Chhattisgarh zu den grünsten Bundesstaaten Indiens.

Jahreszeit Monate Temperatur Hinweis
Winter November–Februar 12–28 °C Beste Reisezeit, angenehm
Sommer März–Mai 22–39 °C Heiß, aber erträglich
Monsun Juni–September 21–36 °C Üppige Natur, Wasserfälle spektakulär

Wirtschaft

Chhattisgarh ist mineralreich: Der Staat besitzt die einzigen Zinnvorkommen Indiens sowie bedeutende Reserven an Kohle, Kalkstein, Dolomit und Bauxit. Die Stahl- und Zementindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Über 80 % der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft – Reis, Weizen, Mais und Erdnüsse sind die Hauptprodukte. Das Bastar-Kunsthandwerk – Dhokra-Metallguss, Kosa-Seide und Bambusarbeiten – hat weltweite Anerkennung erlangt.


Feste & Veranstaltungen

Das Bastar Dussehra ist mit 75 Tagen das längste Fest der Welt – zu Ehren der Göttin Danteshwari werden Stammesrituale, Prozessionen und Tänze aufgeführt, die nichts mit dem Dussehra des restlichen Indiens gemein haben. Hareli nach Monsunbeginn feiert die Grüne (Haryali) und ehrt die Landwirtschaftsgeräte. Madai sind wandernde Stammesfeste mit Märkten und Tanz, die von November bis März in verschiedenen Dörfern stattfinden.


Küche

Die Chhattisgarhi-Küche ist einfach, nahrhaft und verwendet lokale Waldprodukte. Faraa – gedämpfte Reisbällchen, ähnlich Momos – sind ein Frühstücksklassiker. Aamat, eine Bastar-Delikatesse mit wilden Zutaten aus dem Wald, findet sich nirgendwo sonst. Bore Baasi – fermentierter Reis, über Nacht in Wasser eingeweicht – ist das perfekte Sommeressen der Bauern. Muthia (Reisfrühstück), Chila (Reismehl-Fladen) und Dehati Chicken (rustikales Hühnchencurry) runden die bodenständige Küche ab.


Kunsthandwerk

Das Dhokra (Bellmetall)-Handwerk ist Chhattisgarhs bekanntester kultureller Export – die Verlorene-Wachs-Gusstechnik ist über 4.000 Jahre alt und produziert Figuren, Schmuck und Ritualobjekte von zeitloser Schönheit. Die Bastar Kosa-Seide wird mit Naturfarben handbedruckt. Godna-Muster – traditionelle Tätowiermotive – werden auch auf Textilien übertragen. Holzschnitzereien mit Stammesmotiven, Eisenkunst aus traditionellen Schmiedewerkstätten und feine Bambusarbeiten ergänzen ein reiches handwerkliches Erbe.


Anreise

Der Swami Vivekananda International Airport (RPR) in Raipur bietet Verbindungen nach Delhi, Mumbai, Kolkata und Bengaluru. Per Bahn sind Raipur, Bilaspur und Durg wichtige Knotenpunkte. National Highways verbinden den Staat mit Nagpur, Bhopal und Visakhapatnam. Für die abgelegenen Stammesgebiete im Bastar-Distrikt sind eigene Transportarrangements nötig – die Heritage-Paläste von Kanker und Kawardha bieten stilvolle Unterkünfte und organisieren Stammestouren.


Städte

  • Raipur – Hauptstadt, modernes Zentrum
  • Jagdalpur – Tor zum Bastar-Distrikt, Chitrakote
  • Bilaspur – Archäologische Stätten, Achanakmar
  • Rajnandgaon – Spirituelle Orte, Dongargarh

Sehenswürdigkeiten

  • Indravati Nationalpark – Tiger, Wildbüffel
  • Kanger Ghati Nationalpark – UNESCO-Biosphäre, Kutumsar-Höhlen
  • Achanakmar Tiger Reserve – Tiger, Leoparden
  • Chitrakote Waterfall – Breitester Wasserfall Indiens
  • Tirathgarh Waterfall – Mehrstufig im Dschungel
  • Bhoramdeo Temple – „Khajuraho von Chhattisgarh"
  • Danteshwari Temple – Shakti Peetha
  • Sirpur – Buddhistische Ruinen

Wissenswertes

Chhattisgarh ist voller Überraschungen für Reisende, die bereit sind, abseits ausgetretener Pfade zu gehen: Das Bastar Dussehra dauert 75 Tage und ist damit das längste Fest der Welt. Der Chitrakote Waterfall ist Indiens breitester Wasserfall und wird zu Recht „Niagara Indiens" genannt. Der Staat besitzt die einzigen Zinnvorkommen Indiens. Die Dhokra-Metallgusstechnik ist über 4.000 Jahre alt und wird heute von internationalen Designern gesammelt. Und die Bison-Horn-Maria mit ihren gehörnten Kopfbedeckungen gehören zu den am wenigsten verwestlichten indigenen Gruppen der Erde – eine Begegnung, die man nicht vergisst.