Uttarakhand

Uttarakhand, das Land der Götter (Devbhoomi), liegt im Himalaya und ist Heimat des Char Dham, der Yoga-Hauptstadt Rishikesh und zweier UNESCO-Welterbestätten.

Region: Nordindien | Hauptstadt: Dehradun

Uttarakhand, das „Land der Götter" (Devbhoomi), ist einer der spirituellsten und naturgewaltigsten Bundesstaaten Indiens. Auf 53.483 km² erstreckt sich eine Landschaft von der Gangesebene bis zum Nanda Devi (7.816 m), dem höchsten Berg, der vollständig auf indischem Territorium liegt. Hier entspringen die heiligsten Flüsse Indiens – der Ganges am Gaumukh-Gletscher bei Gangotri und die Yamuna bei Yamunotri. Über 10 Millionen Menschen leben im Staat, der sich in zwei kulturelle Hälften gliedert: Garhwal im Westen und Kumaon im Osten.

Uttarakhand ist zugleich das spirituelle Herz Indiens und seine Abenteuerbühne: Pilger steigen zu den Char Dham auf, Beatles-Fans meditieren in Rishikesh, und Rafter stürzen sich in die Stromschnellen des Ganges – manchmal am selben Tag, am selben Fluss.


Tourismus

Rishikesh – Yoga-Hauptstadt der Welt

Rishikesh ist offiziell die „Yoga Capital of the World" und einer der magischsten Orte Indiens. Die Hängebrücken Lakshman Jhula und Ram Jhula spannen sich über den smaragdgrünen Ganges, gesäumt von Ashrams, Tempeln und Yogaschulen. Der Beatles Ashram (Maharishi Mahesh Yogi Ashram), in dem die Beatles 1968 meditierten und einige ihrer berühmtesten Songs schrieben, ist heute ein faszinierender Ruinengarten mit Graffiti-Kunst. Das Parmarth Niketan ist der größte Ashram der Stadt, und die allabendliche Ganga Aarti am Fluss ist ein unvergessliches Erlebnis aus Feuer, Gesang und Hingabe. Gleichzeitig ist Rishikesh Nordindiens Rafting-Hauptstadt: Wildwasser der Klassen III bis IV bieten adrenalingeladene Fahrten durch die Schlucht des Ganges.

Haridwar – Tor zu den Göttern

Haridwar, eine der sieben heiligsten Städte des Hinduismus, liegt am Punkt, an dem der Ganges die Berge verlässt und in die Ebene fließt. Har Ki Pauri, der heiligste Ghat, markiert die Stelle, an der ein Fußabdruck Vishnus im Stein bewahrt sein soll. Die allabendliche Ganga Aarti hier – mit Tausenden Öllampen, die auf den Fluss gesetzt werden – ist eines der ergreifendsten Rituale Indiens. Alle zwölf Jahre wird Haridwar zum Schauplatz der Kumbh Mela, des größten religiösen Festes der Welt, bei dem bis zu 120 Millionen Pilger den Ganges aufsuchen.

Char Dham – Die vier heiligen Stätten

Die Char Dham Yatra ist die bedeutendste Hindu-Pilgerreise des Himalaya. Badrinath (3.133 m) beherbergt einen der heiligsten Vishnu-Tempel, eingebettet zwischen schneebedeckten Gipfeln und dem Valley of Flowers. Kedarnath (3.583 m) ist der höchste der zwölf Jyotirlinga – ein uralter Shiva-Tempel, der 2013 eine verheerende Flutkatastrophe überlebte und seitdem zum Symbol der Unzerstörbarkeit geworden ist. Gangotri markiert den spirituellen Ursprung des Ganges; der Gaumukh-Gletscher, die eigentliche Quelle, liegt 19 km weiter und ist über einen der schönsten Treks Indiens erreichbar. Yamunotri vervollständigt den Pilgerzyklus als Quelle der Yamuna mit heißen Quellen, in denen Pilger Reis und Kartoffeln kochen.

Bergstationen

Mussoorie, die „Queen of the Hills", wurde von den Briten als Sommerresidenz gegründet und hat ihren kolonialen Charme bewahrt. Der Schriftsteller Ruskin Bond lebt hier seit Jahrzehnten und hat die Stadt in zahlreichen Büchern verewigt. Nainital im Kumaon bezaubert mit seinem sternförmigen See, viktorianischen Villen und dem Himalaya-Panorama vom Snow View Point. Kausani, von Gandhi als „Schweiz Indiens" geadelt, bietet ein 300 km weites Panorama auf die schneebedeckten Gipfel des Himalaya. Das Skiresort Auli (2.800 m) besitzt Asiens längste Seilbahn.

UNESCO-Welterbestätten

Der Nanda Devi National Park und der Valley of Flowers National Park (gemeinsam UNESCO seit 1988/2005) schützen einzigartige Hochgebirgsökosysteme. Das Valley of Flowers verwandelt sich im Monsun (Juli–September) in ein Blütenmeer aus über 600 Pflanzenarten – Orchideen, Mohn, Primeln und Anemonen in allen Farben. Der Nanda Devi Park umgibt den gleichnamigen Gipfel und ist Heimat von Schneeleoparden, Himalaya-Schwarzbären und dem Blauschaf.

Abenteuer und Wildlife

Der Corbett National Park (1936) war Indiens erster Nationalpark und ist bis heute eines der besten Tigerreservate des Landes – benannt nach Jim Corbett, dem legendären Jäger und Naturschützer. Der Rajaji National Park bei Haridwar schützt große Elefantenherden. Trekkingrouten wie der Roopkund Trek (zum geheimnisvollen „Skeleton Lake" auf 5.029 m), der Kedarkantha und der Har Ki Dun gehören zu den schönsten des indischen Himalaya.


Geschichte

Uttarakhand wird in den ältesten Hindu-Schriften als Kedarkhand, Manaskhand und Himavat erwähnt – das Land der Götter, Weisen und Einsiedler. Die Region wurde abwechselnd von Kunindas, Guptas, Katuris, Chandras und den Gorkhas aus Nepal regiert, bevor die Briten sie übernahmen. Wegen der zahllosen heiligen Stätten – von den Char Dham über Haridwar und Rishikesh bis zu den Prayags (Flusseinmündungen) – wurde die Region „Devbhoomi" getauft.

Der heutige Bundesstaat war Teil der United Provinces und dann Uttar Pradesh, bevor er im November 2000 als eigenständiger Staat (damals Uttaranchal) abgespalten wurde – eine Reaktion auf jahrelange Forderungen der Bergbevölkerung nach Selbstverwaltung.


Klima & Geographie

Uttarakhand liegt im südlichen Himalaya und erstreckt sich von der Gangesebene bis zum ewigen Eis. Das Klima variiert je nach Höhenlage von tropisch bis polar. Fünf heilige Flusseinmündungen – die Panch Prayag – bilden zusammen den Ganges.

Jahreszeit Monate Temperatur Hinweis
Sommer April–Juni 15–35 °C Beste Trekkingzeit, Char Dham offen
Monsun Juli–September 15–30 °C Valley of Flowers blüht, Erdrutschgefahr
Herbst Oktober–November 5–25 °C Klare Sicht, ideal für Pilgerreisen
Winter Dezember–März -5–20 °C Char Dham geschlossen, Skifahren in Auli

Wirtschaft

Etwa 90 % der Bevölkerung Uttarakands leben von der Landwirtschaft – Reis, Weizen und Hirse in den Tälern, Äpfel und Walnüsse in den Bergen. Der Staat ist reich an Mineralien wie Kalkstein, Marmor, Kupfer und Magnesit. Wasserkraft ist ein bedeutender Sektor – der Tehri-Damm (260 m) ist Indiens höchster Staudamm. Über 54.000 Kunsthandwerksbetriebe produzieren Wollwaren, Holzschnitzereien und Metallarbeiten. Der Tourismus – spirituell, abenteuerlich und ökologisch – ist der am schnellsten wachsende Wirtschaftszweig.


Feste & Veranstaltungen

Die Kumbh Mela in Haridwar (alle 12 Jahre, zuletzt 2021) ist das größte religiöse Fest der Menschheit – über 120 Millionen Pilger kommen, um im Ganges zu baden. Die Ardh Kumbh (alle 6 Jahre) ist eine kleinere, aber immer noch gewaltige Variante. Die Nanda Devi Raj Jat (alle 12 Jahre) ist eine einzigartige Götterprozession durch das Garhwal-Gebirge, bei der eine vierhörnige Ziege die Göttin zum Gletscher geleitet. Ganga Dussehra feiert den mythischen Abstieg des Ganges zur Erde, und Phool Dei (Mitte März) begrüßt den Frühling, wenn Kinder Blütenblätter auf die Türschwellen legen.


Küche

Die Pahadi-Küche ist einfach, nahrhaft und geprägt von den Bioprodukten der Bergbauern. Kafuli, ein cremiges Spinatgericht, und Phaanu, langsam gekochte Linsen aus dem Bhatt-Dal, sind die Seelengerichte der Region. Aloo Ke Gutke – gewürzte Kartoffeln mit Jakhiya (Wildkümmel) – findet sich auf jedem Teller. Bhang Ki Chutney aus gerösteten Hanfsamen ist eine lokale Spezialität, die nicht berauschend, aber intensiv nussig schmeckt.

Die Süßspeisen sind besonders: Bal Mithai aus Kumaon – kleine Bällchen aus karamellisiertem Khoya, überzogen mit weißen Zuckerkugeln – und Singori, eine Sahnesüßigkeit, die in Malusblätter gewickelt wird und deren blattiges Aroma annimmt.


Anreise

Der Jolly Grant Airport (DED) bei Dehradun ist der Hauptflughafen mit Verbindungen nach Delhi, Mumbai und Bengaluru. Per Bahn sind Dehradun, Haridwar und Rishikesh direkt mit Delhi verbunden; für Nainital fährt man bis Kathgodam. Über die Straße ist Dehradun von Delhi in etwa 5–6 Stunden erreichbar (250 km). Die Char Dham Highway, ein laufendes Großprojekt, wird die Pilgerstätten künftig ganzjährig besser erreichbar machen.


Städte


Sehenswürdigkeiten


Wissenswertes

Uttarakhand ist ein Land der Extreme und der Superlative: Der Ganges, Indiens heiligster Fluss, entspringt am Gaumukh-Gletscher bei Gangotri – ein Ort, den Hindus als göttlich verehren. Rishikesh wurde weltberühmt, als die Beatles 1968 im Ashram des Maharishi Mahesh Yogi meditierten und dort einige ihrer besten Songs schrieben, darunter Teile des „White Album". Der Tehri-Damm (260 m) ist Indiens höchster Staudamm. Der Jim Corbett National Park, 1936 gegründet, war Indiens erster Nationalpark und Pionier des Projekt Tiger. Tungnath auf 3.680 m ist der höchste Shiva-Tempel der Welt. Und die Kumbh Mela in Haridwar – mit über 120 Millionen Pilgern die größte Versammlung der Menschheit – ist so groß, dass sie aus dem Weltraum sichtbar ist.