Der Nanda Devi National Park ist UNESCO-Weltnaturerbe in Uttarakhand. Tierwelt, Safari-Tipps und beste Besuchszeit im Überblick.
Typ: Nationalpark | Bundesstaat: Uttarakhand | Region: Nordindien
Der Nanda Devi National Park umgibt den gleichnamigen Berg Nanda Devi (7.816 m), den zweithöchsten Berg Indiens und höchsten Gipfel, der vollständig auf indischem Territorium liegt. Der Park erstreckt sich über 630 km² im Distrikt Chamoli in Uttarakhand und schützt eines der spektakulärsten Hochgebirgsökosysteme des westlichen Himalaya. Das nahezu unberührte Becken wird von einem Ring aus Gipfeln über 6.000 m umschlossen – ein geologisches Merkmal, das weltweit einmalig ist. 1988 wurde der Park als UNESCO-Weltnaturerbe anerkannt; 2005 wurde das Welterbegebiet gemeinsam mit dem benachbarten Valley of Flowers zu den „Nanda Devi and Valley of Flowers National Parks" erweitert.
Geschichte
Die Nanda Devi gilt in der hinduistischen Mythologie als Göttin und Schutzpatronin Uttarakhands. Bis 1934 galt das von steilen Bergwänden umschlossene Becken als unzugänglich – erst die britischen Bergsteiger Eric Shipton und Bill Tilman fanden einen Zugang durch die Rishi-Ganga-Schlucht. 1936 gelang die Erstbesteigung des Gipfels durch Tilman und Noel Odell. Der Park wurde 1982 eingerichtet, und seit 1983 ist das Besteigen der Nanda Devi verboten, um das empfindliche Ökosystem zu schützen. Erst 2003 wurde der Park nach 20 Jahren Schließung wieder für Trekking bis zum Basislager geöffnet.
Tierwelt
Trotz der extremen Höhenlage beherbergt der Park eine bemerkenswerte Fauna. Der Schneeleopard ist der ungekrönte König des Hochgebirges und zieht als schwer fassbare Gestalt über die Felsen. Himalaya-Schwarzbären und Himalaya-Moschushirsche bewohnen die tieferen Waldlagen, während Bharal (Blauschaf), Himalaya-Tahr, Serow und Goral die steilen Hänge hinaufklettern. In den Gebirgsflüssen lebt die seltene Schneeforelle.
Über 100 Vogelarten wurden im Park dokumentiert. Der Bartgeier (Lämmergeier) kreist mit seiner gewaltigen Flügelspanne über dem Bergkessel, der Himalaya-Monal leuchtet in seinen prachtvollen Farben, und das Chukarhuhn bevölkert die Geröllhalden. Verschiedene Adler- und Falkenarten nutzen die Aufwinde der Bergwände zum Gleiten.
Landschaft & Vegetation
Das Parkgebiet erstreckt sich von 2.100 m bis zum Gipfel der Nanda Devi auf 7.816 m und umfasst damit alle Vegetationszonen des Himalaya. In den unteren Lagen dominieren gemäßigte Wälder aus Birke, Rhododendron und Wacholder. Darüber folgen alpine Matten mit einer reichen Wildblumenflora, die an das benachbarte Valley of Flowers erinnert. Oberhalb der Baumgrenze (ca. 3.500 m) finden sich Gletschermoränen, Geröllfelder und permanente Schneefelder. Der Nanda-Devi-Gletscher und der Rishi-Ganga-Fluss prägen die Topografie.
Besucherinformationen
Der Park ist von Mai bis Oktober geöffnet – witterungsabhängig und nur mit eingeschränktem Zugang per Permit. Der Eintritt beträgt für Inder ₹150, für Ausländer ₹600, zuzüglich einer zusätzlichen Trekking-Gebühr. Vorab ist eine Genehmigung der Forest Division Joshimath einzuholen; pro Saison werden maximal 500 Besucher zugelassen, was den Wildnischarakter des Parks bewahrt. Die Haupttrekkingroute führt von Lata Village – 25 km von Joshimath entfernt – durch die spektakuläre Rishi-Ganga-Schlucht zum Basislager, eine Strecke von vier bis fünf Tagen einfach.
Die Anreise erfolgt über den Flughafen Jolly Grant in Dehradun (290 km) oder per Bahn bis Rishikesh (275 km), dem nächsten Bahnhof. Von Rishikesh führt die Straße über Joshimath in rund zehn Stunden Fahrzeit zum Parkeingang.
Beste Reisezeit
Die beste Besuchszeit ist von Mai bis Oktober, wobei die Monate Juni bis September für Trekking ideal sind. Im Mai und Oktober bieten die klaren Tage spektakuläre Bergpanoramen. Die Temperaturen schwanken je nach Höhe zwischen -5 °C und 20 °C. Von November bis April ist der Park wegen Schnee geschlossen.
Wissenswertes
Die Geschichte des Parks birgt eine bis heute ungelöste Episode des Kalten Krieges: 1965 platzierte die CIA eine Plutonium-betriebene Überwachungsstation am Berg, die im Schnee verloren ging und bis heute nicht geborgen wurde. Dieses Detail unterstreicht die Abgeschlossenheit und Unzugänglichkeit des Bergkessels, der selbst modernster Technik trotzte. Geologisch ist das Nanda-Devi-Becken einmalig: Der nahezu geschlossene Ring aus Gipfeln über 6.000 m formte über Jahrmillionen ein natürliches Amphitheater, das die Tierwelt im Innern vor menschlichem Einfluss bewahrt hat – und das Ökosystem zu einem der unberührtesten der Erde macht.
In der Nähe
- Badrinath – Char-Dham-Pilgerstätte (80 km von Joshimath)
- Chamoli – Ausgangspunkt für Treks (25 km)
- Gangotri National Park – weiterer Himalaya-Nationalpark (250 km)
- Valley of Flowers – UNESCO-Welterbe, alpine Blumenwiesen (Teil des erweiterten Schutzgebiets)
Kommentare
Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!