Der Dibru-Saikhowa Nationalpark liegt im äußersten Osten Assams zwischen den Distrikten Tinsukia und Dibrugarh, eingebettet zwischen dem Brahmaputra.
Typ: Nationalpark | Bundesstaat: Assam | Region: Nordostindien | Fläche: 340 km²
Der Dibru-Saikhowa Nationalpark liegt im äußersten Osten Assams zwischen den Distrikten Tinsukia und Dibrugarh, eingebettet zwischen dem Brahmaputra im Norden und dem Lohit im Süden. Als einer von nur 19 Biodiversitäts-Hotspots der Erde ist der Park von herausragender globaler Bedeutung. Die einzigartige Kombination aus ausgedehnten Feuchtgrasländern, halbimmergrünen Wäldern und saisonalen Überschwemmungsgebieten macht Dibru-Saikhowa zum Lebensraum für einige der seltensten Tierarten Indiens, darunter eine weltweit einzigartige Wildpferde-Population.
Geschichte
Das Gebiet wurde 1986 als Wildschutzgebiet eingerichtet, 1997 als Biosphärenreservat anerkannt und 1999 schließlich zum Nationalpark erklärt. Die Schutzbemühungen begannen, als Biologen die einzigartige Feral-Pferdepopulation und die außergewöhnliche Vogelvielfalt in den Feuchtgebieten entdeckten. Die regelmäßigen Monsunüberschwemmungen durch den Brahmaputra, die das Ökosystem formen und ständig erneuern, stellen zugleich die größte Herausforderung für den Naturschutz dar – sie verändern Parkgrenzen und Lebensräume von Jahr zu Jahr.
Tierwelt
Die bekanntesten Bewohner des Parks sind die verwilderten Pferde, die in den Graslandschaften der Flussinsel Maguri Beel leben. Diese Feral-Horse-Population gilt als weltweit einzigartig: Aus entlaufenen Arbeitspferden entstanden über Generationen echte Wildtiere, die die saisonalen Überschwemmungen der Brahmaputra-Auen als freie Herde überleben. Neben ihnen leben hier der Hoolock-Gibbon – Indiens einziger Menschenaffe –, der seltene Weißflügel-Breitschnabel, Gangesdelfine, Wasserrehe, Tiger, Lippenbären und der Kappenlangur.
Die Avifauna ist mit über 380 Arten eine der reichsten Südasiens. Tausende Zugvögel aus Sibirien und Zentralasien überwintern in den Feuchtgebieten, darunter der Bengalische Florikan und der Sumpffrankolin. In den Gewässern des Parks leben zudem vom Aussterben bedrohte Gangesdelfine sowie verschiedene Schildkrötenarten. 2020 rückte der Park in die Schlagzeilen, als ein Öl-Leck einer nahegelegenen Pipeline zu einem schwerwiegenden Umweltskandal führte, dessen Folgen monatelange Reinigungsarbeiten erforderten.
Landschaft & Vegetation
Die Landschaft wird maßgeblich durch die dynamischen Flusssysteme des Brahmaputra und seiner Nebenflüsse geformt. Ausgedehnte Schwemmgrasländer, saisonale Seen (Beels) und Feuchtgebiete wechseln sich mit halbimmergrünen Wäldern und Bambusdickichten ab. Der Maguri-Motapung Beel, ein großer Feuchtgebietskomplex am Südrand des Parks, ist ein Paradies für Wasservögel. Cane- und Schilfrohr-Dickichte bieten Deckung für die scheuen Wildtiere, während die jährlichen Monsunüberschwemmungen die Nährstoffe im Boden erneuern und das dynamische Ökosystem in ständiger Veränderung halten.
Besucherinformationen
Der Park ist von November bis April geöffnet; ab Mai machen großflächige Überschwemmungen durch den Brahmaputra den Zugang unmöglich. Der Eintritt beträgt rund 50 INR für indische Besucher und 500 INR für Ausländer; Bootstouren werden gesondert berechnet. Die schönste Art, den Park zu erleben, sind Bootsafaris auf dem Brahmaputra und dem Maguri Beel, die Einblicke in die Feuchtgebiete ermöglichen, die zu Fuß nicht erreichbar wären. Ergänzend bieten sich Vogelbeobachtung und Naturwanderungen an.
Die Anreise erfolgt am besten über den Bahnhof Tinsukia (30 km) oder den Flughafen Dibrugarh (40 km). Der Park ist per Boot vom Guijan Ghat aus erreichbar. Übernachtungsmöglichkeiten bestehen im Forest Rest House am Guijan Ghat sowie in Eco-Camps und Hotels in Tinsukia.
Beste Reisezeit
Die ideale Reisezeit ist von November bis April. Der Winter von November bis Februar bietet kühle, klare Tage mit Temperaturen zwischen 10 °C und 24 °C und ist die beste Zeit für Vogelbeobachtung, da tausende Zugvögel aus dem Norden eintreffen. Im Frühling sind die verwilderten Pferde in den niedrigen Graslandschaften am besten zu sichten. Ab Mai beginnt der Monsun mit großflächigen Überschwemmungen, die den Zugang zum Park vollständig unterbrechen.
Wissenswertes
Dibru-Saikhowa gehört zu den 19 Biodiversitäts-Hotspots der Erde – einer exklusiven Gruppe von Gebieten, die eine außergewöhnliche Konzentration endemischer Arten mit gleichzeitig starkem Habitatverlust verbinden. Die verwilderten Pferde auf der Flussinsel Maguri sind das bekannteste Alleinstellungsmerkmal des Parks und ziehen Naturfilmer und Forscher aus der ganzen Welt an. Besonders bemerkenswert ist das Vorkommen des Hoolock-Gibbons: Als einzige Menschenaffenart Indiens ist er eine enge biologische Verwandtschaft des Menschen, die in Dibru-Saikhowa eines ihrer letzten Rückzugsgebiete hat. Die kristallklaren Gewässer des Parks beherbergen den Gangesdelfin, dessen seltene Sichtungen in den Kanälen des Biosphärenreservats zu den unvergesslichen Naturerlebnissen Nordostindiens zählen.
In der Nähe
- Dibrugarh – 40 km westlich, Teestadt am Brahmaputra
- Tezpur – 350 km westlich, historische Stadt mit Tempelruinen
- Kaziranga Nationalpark – 350 km westlich, UNESCO-Welterbe mit Nashörnern
- Nameri Nationalpark – 300 km westlich, Rafting und Vogelbeobachtung
- Margherita – 40 km östlich, britische Kohlebergbau-Geschichte
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