Der Eravikulam Nationalpark liegt in den südlichen Westghats nahe der Teestadt Munnar und ist vor allem als Schutzgebiet für den Nilgiri Tahr.
Typ: Nationalpark | Bundesstaat: Kerala | Region: Südindien
Der Eravikulam Nationalpark liegt in den südlichen Westghats nahe der Teestadt Munnar und ist vor allem als Schutzgebiet für den Nilgiri Tahr bekannt, eine endemische Wildziegenart, die ausschließlich in den Bergregionen Südindiens vorkommt. Auf 97 km² erstrecken sich sanfte Grashügel und Shola-Wälder in Höhen zwischen 1.200 und 2.695 m – der höchste Punkt ist der Anamudi, Südindiens höchster Gipfel. Alle zwölf Jahre verwandelt sich die Landschaft in ein blau-violettes Blütenmeer, wenn die Neelakurinji-Pflanze blüht – zuletzt 2018, das nächste Mal voraussichtlich 2030.
Geschichte
Das Gebiet gehörte bis in die 1970er-Jahre zur Kannan Devan Hills Tea Plantation Company und wurde als privates Schutzgebiet für den Nilgiri Tahr verwaltet. 1975 erklärte die Regierung Keralas das Gebiet zum Wildlife Sanctuary, 1978 erfolgte die Aufwertung zum Nationalpark. In den 1960er-Jahren war die Population des Nilgiri Tahr auf unter 100 Tiere geschrumpft. Dank konsequenter Schutzmaßnahmen erholte sich der Bestand auf heute über 800 Tiere allein in Eravikulam – etwa die Hälfte der gesamten Weltpopulation. Der Park ist Teil des Nilgiri-Biosphärenreservats und des Anamalai-Elefantenkorridors.
Tierwelt
Der Nilgiri Tahr (Nilgiritragus hylocrius) ist das Wappentier des Parks – die stämmigen Bergziegen mit ihrem dunklen Fell und den geschwungenen Hörnern sind hier bemerkenswert zutraulich und lassen sich oft aus nächster Nähe beobachten. Mit über 800 Tieren in Eravikulam lebt hier etwa die Hälfte der gesamten Weltpopulation dieser endemischen Art, was den Park zu einer der bedeutendsten Schutzstätten für Großsäuger in ganz Indien macht. Neben den Tahren leben hier Sambar- und Muntjakhirsche, Nilgiri-Languren, Malabar-Riesenhörnchen, seltene Nilgiri-Marder sowie gelegentlich durchziehende Leoparden und Tiger.
Die Vogelwelt umfasst über 130 Arten, darunter den Nilgiri-Pipit, die Schwarzkinn-Drossel und verschiedene Greifvögel. Schmetterlingsbeobachter finden hier über 100 Arten, darunter seltene endemische Bläulinge. Die Shola-Grasslands der Hochlagen beherbergen eine spezialisierte Fauna, die an die kühlen, nebelreichen Bedingungen der Nilgiris angepasst ist und nirgendwo sonst in dieser Zusammensetzung vorkommt.
Landschaft & Vegetation
Die Landschaft wird von den typischen Shola-Grasslands geprägt – weite Grasmatten, die von kleinen Inseln immergrüner Shola-Wälder in den geschützten Tälern durchsetzt sind. Der Anamudi (2.695 m) erhebt sich als höchster Berg Südindiens über dem Park und bietet bei klarem Wetter atemberaubende Panoramablicke. Die Vegetation variiert von tropischem Bergregenwald in den Tälern über Rhododendron-Bestände bis zu den subalpinen Grasslands auf den Gipfeln. Die berühmte Neelakurinji (Strobilanthes kunthiana) blüht nur alle 12 Jahre und überzieht dann ganze Berghänge mit einem blau-violetten Teppich. Zahlreiche Bäche und kleine Wasserfälle durchziehen das hügelige Terrain.
Besucherinformationen
Der Eravikulam Nationalpark ist ganzjährig geöffnet, täglich von 7:00 bis 16:00 Uhr; während der Kalbungszeit des Nilgiri Tahr im Januar und Februar kann der Zugang teilweise eingeschränkt sein. Der Eintritt beträgt für Inder ₹125, für Ausländer ₹420 (Stand 2024). Privatfahrzeuge sind nicht erlaubt – vom Eingangstor verkehren Shuttlebusse in den Park.
Der Hauptbesucherpfad ist rund 2 km lang und für geführte Wanderungen ausgelegt, auf denen Nilgiri Tahre gut zu beobachten sind. Im Neelakurinji-Jahr – das nächste ist 2030 – verwandelt sich der September-Oktober-Zeitraum in ein außergewöhnliches Naturspektakel, das Besucher aus aller Welt anzieht. Munnar liegt 15 km entfernt und bietet zahlreiche Hotels und Resorts; der nächste Flughafen ist Cochin International (130 km), der nächste Bahnhof Aluva (125 km).
Beste Reisezeit
September bis November bietet die schönste Landschaft: nach dem Monsun ist alles sattgrün, die Nebelwolken lichten sich, und die Tahre sind gut sichtbar. Januar bis April ist trocken mit klarer Sicht auf den Anamudi. Während des Monsuns (Juni–August) ist der Park zwar geöffnet, aber oft nebelverhangen. Im Neelakurinji-Jahr (nächstes: 2030) ist September–Oktober der absolute Höhepunkt.
Wissenswertes
Eravikulam beherbergt die weltweit größte Population des Nilgiri Tahr – über 800 der insgesamt etwa 2.500 noch existierenden Tiere leben hier, was den Park zu einem der wichtigsten Rückzugsorte dieser vom Aussterben bedrohten Art macht. Bemerkenswert ist die Vertrautheit der Tahre gegenüber Menschen: Anders als bei den meisten Wildtieren nähern sie sich Besuchern oft bis auf wenige Meter, was Tierbeobachtungen von außergewöhnlicher Qualität ermöglicht. Der Anamudi (2.695 m) ist der höchste Berg Südindiens und kann vom Park aus mit Genehmigung bestiegen werden. Das Naturschauspiel der Neelakurinji-Blüte alle zwölf Jahre, wenn ganze Bergflanken in Blau-Violett erscheinen, hat Eravikulam international bekannt gemacht und gehört zu den seltenen periodischen Naturereignissen, die man gezielt einplanen muss.
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