Campbell Bay National Park

Der Campbell Bay National Park liegt auf Great Nicobar, der südlichsten und größten Insel der Nikobaren, und schützt mit einer Fläche von 426 km².

Typ: Nationalpark & Biosphärenreservat | Bundesstaat: Andamanen und Nikobaren | Region: Ostindien | Nächste Stadt: Port Blair

Der Campbell Bay National Park liegt auf Great Nicobar, der südlichsten und größten Insel der Nikobaren, und schützt mit einer Fläche von 426 km² einen der letzten unberührten tropischen Regenwälder Südasiens. Gemeinsam mit dem benachbarten Galathea National Park bildet er das Great Nicobar Biosphärenreservat (885 km²), das 1989 von der UNESCO anerkannt wurde. Der Park liegt näher am Äquator als jedes andere Schutzgebiet Indiens – nur 150 Kilometer trennen ihn vom Äquator, und Sumatra ist keine 190 Kilometer entfernt – und beherbergt zahlreiche endemische Arten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen.

Geschichte

Die Nikobar-Inseln wurden über Jahrtausende von den Shompen und Nikobaresen bewohnt, indigenen Völkern, die isoliert vom Festland lebten. Europäische Seefahrer erreichten die Inseln im 17. Jahrhundert, doch die dichte Vegetation und tropische Krankheiten verhinderten eine dauerhafte Besiedlung. Erst die Briten errichteten kleine Siedlungen an der Küste. 1992 wurde der Campbell Bay National Park gegründet, um das einzigartige Ökosystem der Insel zu schützen. Der verheerende Tsunami von 2004 traf Great Nicobar mit voller Wucht – die Küstenlinie verschob sich teilweise um hunderte Meter, Teile der Insel sanken um bis zu drei Meter ab, und das Ökosystem erlitt schwere Schäden, von denen es sich bis heute erholt.

Tierwelt

Die isolierte Lage auf einer ozeanischen Insel hat zur Entwicklung zahlreicher endemischer Arten geführt, die nirgendwo sonst auf der Welt zu finden sind. Besonders auffällig ist die Nikobar-Taube, ein farbenprächtiger Vogel mit metallisch schimmerndem Gefieder, der als nächster lebender Verwandter des ausgestorbenen Dodo gilt. Gemeinsam mit ihr bevölkern über 150 weitere Vogelarten den Park, darunter viele Inselendemiten wie der Great Nicobar Krabbenreiher. In den Baumkronen lebt der Crab-eating Macaque, eine von zwei Primatenarten der Insel, während die äußerst seltene Nikobar-Riesenspitzmaus als endemisches Säugetier gilt.

An den Stränden und in den Mangrovenbuchten lauern Salzwasserkrokodile – die größten Reptilien der Welt – auf Beute. Die Sandstrände dienen Lederschildkröten als Brutplätze, die zur Eiablage aus dem offenen Ozean hierherkommen. Besonders beeindruckend ist der Riesige Palmendieb (Kokosnusskrabbe), das größte an Land lebende Krebstier der Welt, das hier Beinspannweiten von bis zu einem Meter erreichen kann. Vor der Küste erstrecken sich Korallenriffe mit reicher mariner Biodiversität.

Landschaft & Vegetation

Der Park umfasst verschiedene Ökosysteme von der Küste bis zu den Hügelkämmen. Der tropische immergrüne Regenwald ist die dominierende Vegetationsform mit Bäumen bis 50 Meter Höhe; an den Flussmündungen gehen die Wälder in ausgedehnte Mangroven-Ökosysteme über. Die Küste ist von Strandwäldern mit Kokospalmen und Kasuarinen gesäumt, während in den höheren Lagen – bis auf 642 Meter Höhe – Montanwald vorherrscht. Im Küstenbereich schließen sich Korallenriffe und Seegraswiesen an. Der Alexandra-Fluss ist das bedeutendste Fließgewässer des Parks und durchzieht das Schutzgebiet auf seinem Weg zum Meer.

Besucherinformationen

Der Campbell Bay National Park liegt in einer Restricted Area. Besucher benötigen eine Sondergenehmigung des Andamanen-Verwaltungsamtes – die Infrastruktur ist minimal, und eine gründliche Vorbereitung ist unverzichtbar. Die Anreise von Port Blair erfolgt per Schiff nach Campbell Bay (rund 18 Stunden); regelmäßige Flüge gibt es nicht. Im Park selbst sind Trekking, Vogelbeobachtung und Strandwanderungen möglich, allerdings ausschließlich mit gültiger Genehmigung. Grundlegende Unterkünfte sind in Campbell Bay Town zu finden.

Information Details
Fläche 426 km²
Zugang Sondergenehmigung (Restricted Area Permit) erforderlich
Anreise Schiff von Port Blair nach Campbell Bay (ca. 18 Stunden); keine regelmäßigen Flüge
Aktivitäten Trekking, Vogelbeobachtung, Strandwanderungen (nur mit Genehmigung)
Unterkunft Grundlegende Unterkünfte in Campbell Bay Town

Beste Reisezeit

Die beste Besuchszeit ist Oktober bis Mai. Das tropische Klima sorgt ganzjährig für hohe Temperaturen (24–32 °C) und Luftfeuchtigkeit. Der Südwest-Monsun (Mai–September) bringt sehr starke Regenfälle und macht Wanderungen und Bootsfahrten schwierig bis unmöglich. Die ruhigsten Wetterbedingungen herrschen von Dezember bis März – diese Monate bieten auch die besten Chancen, Lederschildkröten bei der Eiablage am Strand zu beobachten.

Wissenswertes

Campbell Bay ist der südlichste Punkt Indiens, an dem noch eine Siedlung existiert – der ehemalige Indira Point, noch etwas weiter südlich, wurde beim Tsunami 2004 überflutet und verschwand großteils unter dem Meeresspiegel. Nur etwa 12 Kilometer Wald trennen den Campbell Bay National Park vom benachbarten Galathea National Park, mit dem er gemeinsam das Great Nicobar Biosphärenreservat bildet. Dieses Reservat ist nicht nur ökologisch bedeutsam, sondern auch ein lebendiges Labor der Evolution: Die jahrtausendlange Isolation der Insel hat Tierarten hervorgebracht, die sich so deutlich von ihren Verwandten auf dem Festland unterscheiden, dass sie eigene Unterarten oder Arten bilden.

In der Nähe

  • Galathea National Park – benachbartes Schutzgebiet auf Great Nicobar, 12 km
  • Indira Point – südlichster Punkt Indiens (beim Tsunami 2004 überflutet)
  • Campbell Bay Town – kleine Siedlung mit Grundversorgung
  • Port Blair – Verwaltungshauptstadt der Andamanen, per Schiff erreichbar (330 km)