Sundarbans Nationalpark

Der Sundarbans Nationalpark ist UNESCO-Weltnaturerbe in Westbengalen. Tierwelt, Safari-Tipps und beste Besuchszeit im Überblick.

Typ: Nationalpark | Bundesstaat: Westbengalen | Region: Ostindien

Die Sundarbans sind das größte zusammenhängende Mangrovenwaldgebiet der Erde und erstrecken sich über das Delta von Ganges, Brahmaputra und Meghna an der Grenze zwischen Indien und Bangladesch. Der indische Teil umfasst 4.264 km² Sundarbans-Biosphärenreservat, davon 1.330 km² als Nationalpark (Kernzone). Seit 1987 gehört der Sundarbans-Nationalpark zum UNESCO-Weltnaturerbe. Diese einzigartige Wasserlandschaft aus Gezeitenkanälen, Schlammflächen und bewaldeten Inseln beherbergt die größte Population schwimmender Bengalischer Tiger – Tiere, die sich an das Leben im Wasser angepasst haben und regelmäßig zwischen den Inseln schwimmen.

Geschichte

Der Name „Sundarban" leitet sich vom Sundari-Baum (Heritiera fomes) ab, der die vorherrschende Mangrovenart ist. Bereits 1878 wurde ein Teil des Gebiets als Reservatwald unter Schutz gestellt. 1973 wurden die Sundarbans zum Tigerreservat unter Project Tiger erklärt, 1984 zum Nationalpark und 1987 zum UNESCO-Weltnaturerbe. Das Gebiet ist seit der Kolonialzeit ein Brennpunkt des Mensch-Tiger-Konflikts: Honigsammler, Fischer und Holzfäller dringen regelmäßig in Tigergebiete ein, was zu tödlichen Begegnungen führt. Verschiedene Schutzmaßnahmen, darunter das Tragen von Masken am Hinterkopf (um Angriffe von hinten zu verhindern), haben die Zahl der Opfer reduziert.

Tierwelt

Die Sundarbans-Tiger sind weltweit einzigartig – sie haben sich vollständig an das amphibische Leben angepasst. Etwa 100 Bengalische Tiger bewohnen das Reservat, schwimmen regelmäßig durch Salzwasser und jagen auf den Mangroveninseln. Diese Anpassung an ein Leben zwischen Land und Wasser ist unter Tigern einmalig und macht die Sundarbans zu einem der faszinierendsten Tigergebiete der Erde.

Die aquatische Fauna ist ebenso bemerkenswert: Gangesdelfine (Platanista gangetica), Indische Glattotter und Brackwasserkrokodile – Exemplare von über 5 Metern Länge wurden dokumentiert – teilen sich die Gewässer mit der vom Aussterben bedrohten Batagur-Schildkröte und dem Hufeisenkrabbe. In den Kanälen leben außerdem die seltenen Irrawaddy-Delfine sowie verschiedene Hai- und Rochenarten. Unter den Säugetieren sind Axishirsche, Wildschweine, Rhesusaffen, Fischkatzen, Leopardkatzen und Indische Pangoline vertreten. Die Vogelwelt umfasst über 260 Arten, darunter den Weißbauch-Seeadler, die Mangrovenpitta, Eisvögel, Pelikane und zahlreiche Reiherarten sowie Zugvögel im Winter.

Landschaft & Vegetation

Die Sundarbans bestehen aus 102 Inseln, von denen 54 bewohnt und 48 dem Dschungel überlassen sind. Die Mangroven mit ihren charakteristischen Stelzwurzeln bilden ein dichtes Netzwerk aus Gezeitenkanälen (Creeks), die nur mit Booten befahrbar sind. Der Sundari-Baum, Gewa, Goran und Keora sind die dominierenden Baumarten. Bei Ebbe werden ausgedehnte Schlammflächen sichtbar, die Lebensraum für Krabben, Muscheln und watende Vögel bieten. Die Mangroven dienen als natürlicher Schutzschild gegen Zyklone und Sturmfluten – ihre Bedeutung wurde beim verheerenden Zyklon Aila (2009) eindrucksvoll bestätigt.

Besucherinformationen

Der Park ist ganzjährig zugänglich, die beste Erreichbarkeit besteht jedoch von November bis März. Der Eintritt beträgt ₹60 für Inder und ₹400 für Ausländer; eine Tagesbootsfahrt kostet ab ₹1.500.

Da das Gebiet keine Straßen besitzt, ist die Motorbootsafari durch die Gezeitenkanäle die einzige Möglichkeit, den Park zu erkunden. Beobachtungstürme (Watchtowers) in Sajnakhali, Sudhanyakhali und Dobanki bieten gute Aussichten auf die Tierwelt; Sudhanyakhali gilt als der beste Punkt für Tigersichtungen. Das Informationszentrum in Sajnakhali mit seinem Mangroven-Interpretationszentrum ist ein sinnvoller erster Anlaufpunkt. Im Dschungel verborgen liegen die Ruinen eines Shiva-Tempels in Netidhopani. Besonders lohnend ist ein Besuch des Krokodilprojekts in Bhagabatpur. Mehrtägige Bootstouren (2–3 Tage) bieten das intensivste Erlebnis der Wasserwildnis.

Die Anreise führt von Kolkata nach Sonakhali oder Godkhali (ca. 100 km, 3–4 Stunden Fahrt), von wo Boote in den Park fahren. Organisierte Touren ab Kolkata werden dringend empfohlen.

Beste Reisezeit

Die ideale Besuchszeit ist November bis Februar, wenn das Wetter kühl und trocken ist und Zugvögel die Region bevölkern. Die Sichtbarkeit der Tierwelt ist in dieser Zeit am besten. Von März bis Mai steigt die Hitze, und die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Während des Monsuns (Juni–September) sind weite Teile überschwemmt, und die Bootsfahrten können gefährlich sein. Die Zyklonsaison (Oktober–November) kann einzelne Touren beeinträchtigen.

Wissenswertes

Die Mangroven der Sundarbans binden enorme Mengen CO₂ und schützen das Hinterland vor Sturmfluten – sie gelten als einer der wichtigsten natürlichen Klimaschutz-Wälder der Welt. Der Sundari-Baum (Heritiera fomes), der dem Gebiet seinen Namen gab, ist durch den steigenden Salzgehalt des Wassers zunehmend bedroht – ein direktes Zeichen des Klimawandels. Die Honigsammler (Mowalis) tragen traditionell Masken am Hinterkopf, die ein menschliches Gesicht darstellen: Tiger greifen bevorzugt von hinten an und werden durch das „zweite Gesicht" irritiert – eine jahrhundertealte Schutzstrategie, die bis heute praktiziert wird. Das Salzwasserkrokodil (Crocodylus porosus) ist an den Sundarbans einer von wenigen Standorten in ganz Indien – Exemplare von über 5 Metern Länge wurden dokumentiert.

In der Nähe

  • Kolkata – Kulturhauptstadt Ostindiens (100 km)
  • Howrah – Industriestadt am Hooghly-Fluss (100 km)
  • Siliguri – Tor zum Nordosten (600 km)
  • Digha – Badeort an der Bucht von Bengalen (230 km)