Kolkata (bis 2001 Calcutta genannt) ist die Hauptstadt des Bundesstaates Westbengalen in Indien. Alle Tipps für Kolkata im Reiseführer.
Bundesstaat: Westbengalen | Region: Ostindien
Kolkata – bis 2001 als Calcutta bekannt – ist die „City of Joy", die intellektuelle Hauptstadt Indiens und die Seele Bengalens. Am Ostufer des Hooghly, eines Mündungsarms des Ganges, gelegen, war die Stadt von 1772 bis 1911 Hauptstadt von Britisch-Indien und formte das moderne Indien wie kaum ein anderer Ort. Hier wirkten Rabindranath Tagore, Asiens erster Nobelpreisträger, und Mutter Teresa, deren Missionarinnen der Nächstenliebe bis heute in der Stadt tätig sind. Die bengalische Renaissance des 19. Jahrhunderts – eine Blütezeit von Literatur, Philosophie und Reformbewegungen – hat Kolkata zu einer Stadt der Denker, Dichter und Filmemacher gemacht.
Mit rund 14,8 Millionen Einwohnern im Großraum ist Kolkata die drittgrößte Metropole Indiens. Über die ikonische Howrah Bridge drängen sich täglich drei Millionen Menschen – sie ist damit eine der meistbefahrenen Brücken der Welt. Kolkata besitzt Indiens älteste Metro, die letzte noch betriebene Straßenbahn des Landes und eine Kulturszene, die ihresgleichen sucht. Jedes Jahr im Herbst verwandelt die Durga Puja die gesamte Stadt in ein riesiges Freiluftkunstwerk und zieht Millionen Besucher an.
Sehenswürdigkeiten
Wahrzeichen und Brücken
Die Howrah Bridge (Rabindra Setu) ist das unverwechselbare Symbol Kolkatas – eine freitragende Stahlkonstruktion aus dem Jahr 1943, die ohne eine einzige Schraube oder Mutter zusammengenietet wurde. Täglich überqueren rund drei Millionen Menschen und Hunderttausende Fahrzeuge diese Brücke über den Hooghly. Die Vidyasagar Setu, die zweite große Hooghly-Brücke, wurde 1992 als Schrägseilbrücke eröffnet und bietet besonders bei Nacht einen eindrucksvollen Anblick. Das Victoria Memorial ist Kolkatas prachtvollstes Bauwerk – ein palastartiges Denkmal aus weißem Makrana-Marmor, das zwischen 1906 und 1921 zu Ehren Königin Victorias errichtet wurde. Die weitläufigen Gärten und das Museum mit Gemälden, Waffen und Erinnerungsstücken aus der britischen Ära machen es zum meistbesuchten Ort der Stadt.
Kolonialarchitektur
Kolkatas koloniale Vergangenheit ist in jedem Straßenzug des Stadtzentrums spürbar. Das Writers' Building an der B.B.D. Bagh (früher Dalhousie Square) diente über zwei Jahrhunderte als Sitz der Verwaltung – zunächst der East India Company, dann der britischen und schließlich der bengalischen Landesregierung. Das General Post Office mit seiner imposanten dorischen Säulenfassade und der mächtigen Kuppel steht an der Stelle des alten Fort William. Die St. Paul's Cathedral, 1847 geweiht, ist die größte anglikanische Kathedrale Asiens und besticht durch ihre gotische Architektur und Buntglasfenster. Die Town Hall (heute Kolkata Museum) ist ein neoklassizistisches Meisterwerk, und das Currency Building an der Strand Road erinnert mit seiner palladianischen Fassade an die Blütezeit des britischen Empire in Bengalen.
Tempel und religiöse Stätten
Der Kalighat-Tempel ist einer der 51 Shakti Pithas – jener heiligen Stätten, an denen der Legende nach Teile der Göttin Sati zur Erde fielen. Als einer der ältesten hinduistischen Pilgerstätten Kolkatas gab er der Stadt ihren Namen: Aus „Kalikata" (Ort der Göttin Kali) wurde Calcutta und schließlich Kolkata. Das Belur Math am Westufer des Hooghly ist das Hauptquartier der Ramakrishna Mission und ein architektonisches Juwel, das bewusst Elemente von Tempel, Moschee und Kirche vereint – ein steingewordenes Symbol der religiösen Harmonie. Der Dakshineswar Kali Temple am gegenüberliegenden Flussufer, wo der Mystiker Ramakrishna wirkte, zieht täglich Tausende Pilger an. Das Mother House in der A.J.C. Bose Road ist die Zentrale der Missionarinnen der Nächstenliebe und beherbergt das schlichte Grab von Mutter Teresa, das bis heute ein Ort der Stille und Einkehr ist.
Museen und Kulturstätten
Das Indian Museum, 1814 gegründet, ist das älteste und größte Museum Indiens und beherbergt Sammlungen von ägyptischen Mumien über Gandhara-Skulpturen bis hin zu seltenen Meteoriten. Das Jorasanko Thakur Bari im Norden der Stadt ist das Geburtshaus von Rabindranath Tagore und heute ein Museum, das dem Leben und Werk des Dichters gewidmet ist – hier komponierte er die Nationalhymnen sowohl Indiens als auch Bangladeschs. Das Netaji Bhawan dokumentiert das Leben von Subhas Chandra Bose, einem der bedeutendsten Freiheitskämpfer Indiens, in seinem ehemaligen Wohnhaus. Die National Library im Belvedere Estate ist mit über zwei Millionen Bänden die größte Bibliothek Indiens, und das Asutosh Museum der University of Calcutta zeigt eine herausragende Sammlung bengalischer Kunst und Terrakotten.
Kirchen
Die St. Andrew's Church (1818) in der B.B.D. Bagh ist eine der schönsten schottischen Kirchen außerhalb Großbritanniens, mit einer eleganten Kuppel und ionischen Säulen. Die Armenian Church of the Holy Nazareth (1724) im alten armenischen Viertel ist die älteste Kirche Kolkatas und erinnert an die einst blühende armenische Handelsgemeinde der Stadt.
Parks und Gärten
Der Acharya Jagadish Chandra Bose Indian Botanic Garden in Howrah beherbergt den legendären Great Banyan Tree – einen über 250 Jahre alten Banyanbaum, dessen Luftwurzeln eine Fläche von fast zwei Hektar bedecken und der aus der Ferne wie ein ganzer Wald wirkt. Der Maidan, Kolkatas grüne Lunge, ist mit 400 Hektar eine der größten städtischen Parkflächen der Welt – hier finden Cricket-Spiele, politische Kundgebungen und die abendliche Promenade der Kolkataner statt.
Stadtviertel und besondere Orte
Die College Street ist der größte Buchmarkt der Welt – auf beiden Seiten der Straße reihen sich Hunderte von Buchständen und Verlagshäusern aneinander, und das legendäre Indian Coffee House ist seit Generationen Treffpunkt von Intellektuellen, Studenten und Revolutionären. Die Park Street (offiziell Mother Teresa Sarani) ist Kolkatas Flanier- und Ausgehmeile mit Restaurants, Bars, Buchhandlungen und dem berühmten Park Street Cemetery aus der britischen Ära. Das Chinatown im Stadtteil Tiretta Bazaar ist das einzige Chinatown Indiens – eine faszinierende Enklave mit chinesischen Tempeln, Gerbereivierteln und dem besten Frühstücksmarkt der Stadt. Der Prinsep Ghat am Hooghly-Ufer, benannt nach dem Orientalisten James Prinsep, ist eine beliebte Flanierpromenade mit einem neoklassizistischen Pavillon und Blick auf die Vidyasagar Setu. Für Familien bieten die Science City, einer der größten Wissenschaftsparks Asiens, und der Nicco Park, ein beliebter Vergnügungspark, willkommene Abwechslung.
Küche
Kolkata ist ein kulinarisches Universum, in dem bengalische Raffinesse auf Mogul-Einflüsse und die Straßenküche einer Weltstadt trifft. Die Kolkata Biryani unterscheidet sich von allen anderen indischen Biryanis durch eine überraschende Zutat: eine große, weich gekochte Kartoffel, die zusammen mit zartem Fleisch in aromatischem Reis gart – ein Relikt aus Zeiten, als der verbannte Nawab von Lucknow das Fleisch strecken musste. Rosogolla, die berühmteste Süßigkeit Bengalens, sind schwammige Bällchen aus Chenna (frischem Quark) in leichtem Zuckersirup – Kolkata und Odisha streiten seit Jahrzehnten darum, wer sie erfunden hat. Sandesh, ebenfalls aus Chenna, gibt es in unzähligen Varianten von schlicht bis kunstvoll geformt, und Mishti Doi, der dickrahmige süße Joghurt in Tongefäßen, ist das perfekte Dessert nach jedem bengalischen Mahl.
Auf der Straße regiert Puchka (Kolkatas Version von Pani Puri) – knusprige Hohlkugeln, gefüllt mit würzigem Tamarindenwasser, Kartoffeln und Kichererbsen. Der Kathi Roll, eine Kolkata-Erfindung aus dem legendären Nizam's Restaurant, wickelt würziges Kebab-Fleisch oder Paneer in ein buttrig geröstetes Paratha. Jhalmuri, eine scharfe Mischung aus Puffreis, Erdnüssen und Gewürzen, wird in Zeitungstüten an jeder Straßenecke verkauft und ist der perfekte Begleiter für einen Spaziergang durch die Stadt.
Einkaufen & Märkte
- New Market (Sir Stuart Hogg Market) – Kolkatas berühmtester Einkaufsmarkt unter einem riesigen Uhrturmgebäude mit einem überwältigenden Angebot an Textilien, Gewürzen, Lederwaren und Souvenirs
- College Street – Der weltgrößte Buchmarkt mit Hunderten von Ständen, ideal für englische und bengalische Literatur, seltene Erstausgaben und Lehrbücher
- Park Street – Belebte Einkaufsstraße mit Boutiquen, Cafés und dem nostalgischen Flair vergangener Jahrzehnte
- Kumartuli – Das Künstlerviertel am Fluss, in dem Hunderte von Handwerkern das ganze Jahr über Tonfiguren der Göttin Durga und anderer Gottheiten für die großen Festivals modellieren – ein faszinierender Blick hinter die Kulissen der Durga Puja
Feste & Veranstaltungen
Die Durga Puja (September/Oktober) ist weit mehr als ein religiöses Fest – sie ist Kolkatas Seele, sein Karneval und seine größte Kunstausstellung zugleich. Fünf Tage lang verwandeln Tausende kunstvoll gestalteter Pandals (temporäre Tempelpavillons) die Straßen in ein riesiges Freiluftmuseum. Ganze Stadtviertel wetteifern um die kreativsten Installationen, von Nachbauten berühmter Bauwerke bis zu gesellschaftskritischer Kunst. Millionen Menschen ziehen von Pandal zu Pandal, begleitet von Dhak-Trommeln, und am letzten Tag werden die Durga-Statuen in feierlichen Prozessionen zum Hooghly getragen und dem Wasser übergeben. Seit 2021 ist die Durga Puja von Kolkata als immaterielles UNESCO-Kulturerbe anerkannt. Die Kali Puja, die oft zeitgleich mit Diwali gefeiert wird, ehrt die Schutzgöttin der Stadt mit nächtlichen Ritualen, Feuerwerk und beleuchteten Pandals im ganzen Stadtgebiet.
Praktische Informationen
Anreise
Der Netaji Subhas Chandra Bose International Airport (CCU) liegt etwa 17 Kilometer nordöstlich des Stadtzentrums und bietet internationale Verbindungen nach Bangkok, Singapur, Dubai und Dhaka sowie zahlreiche Inlandsflüge. Kolkata Railway Station (Chitpur) und Howrah Junction – einer der geschäftigsten Bahnhöfe Indiens – verbinden die Stadt mit Delhi (Rajdhani Express: ca. 17 Stunden), Mumbai, Chennai und allen wichtigen Destinationen. Kolkata ist außerdem über die National Highways gut an das Straßennetz angebunden.
Beste Reisezeit
Die angenehmste Reisezeit für Kolkata ist von Oktober bis Februar, wenn die Temperaturen zwischen 11 und 33 °C liegen und die Luftfeuchtigkeit erträglicher wird. Wer die Durga Puja erleben möchte, sollte im September oder Oktober kommen. Die Monate April und Mai sind mit Temperaturen um 39 °C und drückender Schwüle wenig einladend. Der Monsun von Juni bis September bringt heftige Regenfälle und gelegentliche Überschwemmungen, verleiht der Stadt aber auch ein üppig grünes Kleid.
Klima-Übersicht
| Monat | Min °C | Max °C | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Jan | 10,9 | 29,8 | Beste Zeit |
| Feb | 12,4 | 33,9 | Beste Zeit |
| Mär | 18,2 | 37,5 | Gut |
| Apr | 21,1 | 38,8 | Heiß |
| Mai | 21,8 | 39,0 | Meiden |
| Jun | 23,9 | 37,8 | Monsun |
| Jul | 24,3 | 36,0 | Monsun |
| Aug | 24,6 | 35,3 | Monsun |
| Sep | 23,9 | 35,5 | Monsun |
| Okt | 20,9 | 35,2 | Beste Zeit |
| Nov | 16,0 | 33,1 | Beste Zeit |
| Dez | 11,9 | 30,0 | Beste Zeit |
In der Nähe
- Howrah – Schwesterstadt mit der ikonischen Howrah Bridge (5 km)
- Durgapur – Industriestadt (170 km)
- Darjeeling – Bergstation mit Teeplantagen (615 km)
- Jamshedpur – Stahlstadt in Jharkhand (280 km)
- Deoghar – Pilgerstadt mit Baba Baidyanath Tempel (350 km)
- Ranchi – Hauptstadt von Jharkhand (400 km)
- Puri – Heilige Stadt am Golf von Bengalen (500 km)
- Bhubaneshwar – Tempelstadt in Odisha (440 km)
- Cuttack – Silberstadt in Odisha (480 km)
- Nalanda – Antike Universität in Bihar (470 km)
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