Chennai

Chennai (früher Madras) ist die Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu und liegt an der nördlichen Spitze der Region. Alle Tipps für Chennai im Reiseführer.

Bundesstaat: Tamil Nadu | Region: Südindien

Chennai, bis 1996 als Madras bekannt, ist das Tor zu Südindien und die Hauptstadt des Bundesstaates Tamil Nadu. Die Metropole an der Koromandelküste blickt auf eine über zweitausendjährige Geschichte zurück – schon in der Antike legten phönizische, griechische und römische Kaufleute in ihrem Hafen an, später folgten Portugiesen, Niederländer, Franzosen und Briten. Mit dem Bau von Fort St. George im Jahr 1644 schufen die Briten hier ihren ersten befestigten Stützpunkt in Indien, aus dem sich die heutige Millionenstadt entwickelte.

Rund 4,68 Millionen Menschen leben in Chennai, das als „Detroit of India" gilt – über 40 Prozent der gesamten indischen Automobilproduktion stammen aus den Fabriken der Stadt und ihres Umlandes. Doch Chennai ist weit mehr als ein Industriestandort. Die Stadt gilt als Hauptstadt der klassischen Musik und des Tanzes – hier wurde Bharatanatyam, einer der ältesten Tanzstile der Welt, zur Bühnenkunst verfeinert, und jedes Jahr im Dezember strömen Künstler und Publikum aus aller Welt zum legendären Margazhi-Festival. Tamilische Kultur, dravidische Tempelarchitektur und ein 13 Kilometer langer Stadtstrand machen Chennai zu einem faszinierenden Reiseziel abseits der ausgetretenen Touristenpfade.


Sehenswürdigkeiten

Koloniales Erbe

Das Fort St. George, 1644 von der Britischen Ostindien-Kompanie errichtet, ist die erste englische Festung auf indischem Boden und heute Sitz der Regierung von Tamil Nadu. Innerhalb der Festungsmauern steht die St. Mary's Church (1680), die älteste anglikanische Kirche Indiens – ein schlichter, elegant gewölbter Bau, in dem Robert Clive und Elihu Yale (der Namensgeber der berühmten Universität) heirateten. Das Fort Museum im selben Komplex zeigt Münzen, Waffen und Dokumente aus der Kolonialzeit. Unweit davon beherbergt das Government Museum in Egmore, eines der ältesten Museen Indiens (gegründet 1851), eine herausragende Sammlung südindischer Bronzen aus der Chola-Periode sowie archäologische Funde aus der gesamten Region.

Tempel

Der Sri Kapaleeshwarar Temple in Mylapore ist Chennais bedeutendstes Heiligtum – ein prächtiger Shiva-Tempel in klassisch dravidischer Architektur mit einem 37 Meter hohen, farbenfroh verzierten Gopuram, der schon von Weitem sichtbar ist. Das ursprüngliche Bauwerk geht auf das 7. Jahrhundert zurück, die heutige Anlage stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der Parthasarathy Temple, ebenfalls in Triplicane gelegen, ist einer der ältesten Tempel der Stadt – er wurde im 6. Jahrhundert den fünf Formen Vishnus geweiht und von den Pallava-Königen erbaut. Im Westen der Stadt zieht der Vadapalani Murugan Temple Tausende Gläubige an, die dem Kriegsgott Murugan, dem Schutzpatron Tamil Nadus, ihre Gebete darbringen.

Kirchen

Die Santhome Cathedral Basilica erhebt sich über dem Grab des Apostels Thomas, der laut Überlieferung im Jahr 72 n. Chr. in der Nähe von Chennai den Märtyrertod starb. Die neogotische Basilika mit ihren weißen Türmen wurde 1896 über einer älteren portugiesischen Kirche errichtet und ist eine von nur drei Kirchen weltweit, die über dem Grab eines Apostels stehen – neben dem Petersdom in Rom und der Kathedrale von Santiago de Compostela.

Strände und Parks

Der Marina Beach erstreckt sich über 13 Kilometer entlang der Koromandelküste und gehört damit zu den längsten Stadtständen der Welt. Abends verwandelt sich die Promenade in einen lebhaften Jahrmarkt mit Straßenverkäufern, Karussells und Familien, die den Sonnenuntergang genießen. Der Guindy National Park, mitten im Stadtgebiet gelegen, ist einer der wenigen Nationalparks innerhalb einer Großstadt – Schwarzböcke, Schakale und zahlreiche Vogelarten leben hier auf knapp 270 Hektar. Der benachbarte Arignar Anna Zoological Park in Vandalur zählt mit seinen 600 Hektar zu den größten Zoos Südostasiens.

Denkmäler

Das Valluvar Kottam ist ein monumentales Denkmal zu Ehren des tamilischen Dichters und Philosophen Thiruvalluvar, dessen Werk „Thirukkural" aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. zu den Meisterwerken der Weltliteratur zählt. Die Anlage mit ihrem tempelartigen Steinwagen und einer Auditorium-Halle erinnert an die tiefe literarische Tradition der tamilischen Kultur.


Küche

Chennais Küche ist ein Fest für Liebhaber südindischer Aromen. Der Tag beginnt für die meisten Bewohner mit einem knusprigen Dosa – einem hauchdünnen, goldbraun gebratenen Crêpe aus fermentiertem Reis- und Linsenteig – oder fluffigen Idlis, gedämpften Reisküchlein, die zusammen mit dampfendem Sambar (einer würzigen Linsensuppe mit Gemüse) und verschiedenen Chutneys serviert werden. In den Restaurants rund um Mylapore und Triplicane bekommt man diese Klassiker in ihrer ursprünglichsten Form.

Wer es schärfer mag, sollte die Chettinad-Küche probieren, die aus der gleichnamigen Region im Süden Tamil Nadus stammt und für ihre intensiven Gewürzmischungen mit Sternanis, Kalpasi (Steinblume) und schwarzem Pfeffer berühmt ist – Chettinad Chicken gilt als eines der schärfsten Gerichte Indiens. Am Kasimedu-Fischmarkt an der Küste wird jeden Morgen fangfrischer Fisch angeliefert, der in den umliegenden Garküchen nach traditionellen Rezepten zubereitet wird – gegrillter Seer Fish mit Tamarinden-Chutney oder Garnelen in Kokos-Curry gehören zu den Highlights.


Einkaufen & Märkte

  • Sowcarpet – Eines der ältesten Handelsquartiere der Stadt mit traditionellen Textilien, Gewürzen und lokalem Kunsthandwerk in engen, geschäftigen Gassen
  • T. Nagar – Das beliebteste Einkaufsviertel Chennais für Kanjivaram-Seidensaris, Goldschmuck und Baumwollstoffe, mit legendären Kaufhäusern wie Saravana Stores
  • George Town – Großhandelsmärkte für Textilien, Haushaltswaren und Blumen rund um die historischen Straßen nahe dem Hafen

Feste & Veranstaltungen

Pongal, das tamilische Erntedankfest im Januar, ist Chennais wichtigstes Fest – vier Tage lang wird der Sonnengott geehrt, frisch geernteter Reis in Milch gekocht, bis der Topf überschäumt (das namensgebende „Pongal" – Überkochen als Zeichen des Überflusses), und am letzten Tag werden Kühe und Bullen festlich geschmückt. Das Margazhi-Festival (Dezember bis Januar) verwandelt Chennai für sechs Wochen in die Welthauptstadt der klassischen indischen Musik und des Tanzes – über 3.000 Konzerte und Aufführungen finden in Sabhas (Konzerthallen) in der ganzen Stadt statt, von Carnatic Music über Bharatanatyam bis zu Harikatha-Erzählungen. Das Chennai International Film Festival im Dezember zeigt Filme aus aller Welt und ist ein wichtiger Treffpunkt für das südasiatische Kino.


Praktische Informationen

Anreise

Der Chennai International Airport (MAA) ist nach Delhi und Mumbai der drittgrößte Flughafen Indiens und empfängt internationale Direktflüge aus Singapur, Kuala Lumpur, Dubai, London und Frankfurt sowie zahlreiche Inlandsverbindungen. Die Chennai Central Railway Station (MAS), ein imposanter viktorianischer Bau, verbindet die Stadt mit allen wichtigen Zielen des Subkontinents – Schnellzüge nach Bengaluru (5 Stunden), Hyderabad (7 Stunden), Mumbai (24 Stunden) und New Delhi (28 Stunden) verkehren täglich. Über gut ausgebaute Nationalstraßen ist Bengaluru in etwa 6 Stunden erreichbar (350 km via NH 48), Puducherry in rund 3 Stunden (150 km).

Beste Reisezeit

Oktober bis Februar ist die ideale Reisezeit – die Temperaturen liegen zwischen 19 und 33 °C und die Luft ist vergleichsweise trocken. Der Nordost-Monsun bringt von Oktober bis Dezember den Großteil der jährlichen Niederschläge, wobei die heftigsten Regenfälle meist im November fallen. Die Sommermonate April bis Juni sollten gemieden werden – Temperaturen von über 40 °C und hohe Luftfeuchtigkeit machen das Sightseeing zur Geduldsprobe.


Klima-Übersicht

Monat Min °C Max °C Empfehlung
Jan 18,9 31,6 Beste Zeit
Feb 19,8 33,5 Beste Zeit
Mär 21,8 35,8 Gut
Apr 24,1 37,7 Heiß
Mai 24,7 41,7 Meiden
Jun 23,9 40,3 Heiß
Jul 23,4 38,7 Heiß
Aug 23,1 37,6 Heiß
Sep 22,8 37,0 Heiß
Okt 22,6 35,9 Monsun
Nov 20,8 33,0 Monsun
Dez 19,6 31,2 Beste Zeit

In der Nähe

  • Mamallapuram – UNESCO-Felsentempel der Pallava-Dynastie (58 km)
  • Kanchipuram – Tempelstadt und Seidenweberei (72 km)
  • Vedanthangal Bird Sanctuary – Vogelschutzgebiet (85 km)
  • Tirupati – Berühmtester Hindu-Pilgerort Indiens (135 km)
  • Puducherry – Französische Kolonialstadt mit Auroville (150 km)
  • Thanjavur – UNESCO Chola-Tempel (350 km)
  • Bengaluru – IT-Hub und Gartenstadt (350 km)