Srinagar

Srinagar ist die Sommerhauptstadt des Bundesstaates Jammu und Kashmir und liegt an den Ufern des Flusses Jhelum, einem Nebenfluss des Indus.

Bundesstaat: Jammu und Kashmir | Region: Nordindien

Srinagar gilt seit Jahrhunderten als „Paradies auf Erden" – und wer die Sommerhauptstadt von Jammu und Kashmir zum ersten Mal erblickt, versteht sofort warum. Auf 1.730 Metern Höhe breitet sich die Stadt am Ufer des Jhelum aus, umrahmt von den schneebedeckten Gipfeln des Himalaya und dem sattgrünen Kaschmirtal. Rund 1,2 Millionen Menschen leben hier, wo der Rhythmus des Alltags vom Wasser bestimmt wird: Shikaras gleiten über den Dal Lake, Hausboote schaukeln zwischen schwimmenden Gärten und auf den Kanälen der Altstadt herrscht geschäftiges Treiben. Im 6. Jahrhundert gründete der Hindu-Herrscher Pravarsen die Stadt rund um die Zitadelle Sher Garh. Islamische Eroberer fügten im 14. und 15. Jahrhundert prachtvolle Moscheen und Paläste hinzu, die Moguln schufen ihre legendären Gartenanlagen. Heute ist Srinagar ein Zentrum für Teppichknüpferei, Seidenweberei und Kupferkunsthandwerk – und zugleich eines der faszinierendsten Reiseziele des gesamten Subkontinents mit vier ausgeprägten Jahreszeiten.


Sehenswürdigkeiten

Der Dal Lake ist das Herzstück Srinagars und einer der berühmtesten Seen Indiens. Auf seinen ruhigen Wassern gleiten die hölzernen Shikaras – schmale, bunt verzierte Boote, die als schwimmende Taxis, Gemüsestände oder Blumenläden dienen. Entlang der Ufer reihen sich die legendären Hausboote aneinander, schwimmende Hotels mit geschnitzten Zedernholzdecken und bestickten Vorhängen, die seit der britischen Kolonialzeit zum festen Bild des Sees gehören. Besonders magisch wirkt der See am frühen Morgen, wenn auf den schwimmenden Gärten und dem schwimmenden Gemüsemarkt das geschäftige Handeln beginnt und Nebelschwaden über dem Wasser liegen.

Der Nagin Lake, oft als „Juwel im Ring" bezeichnet, grenzt westlich an den Dal Lake und bietet eine ruhigere Alternative. Sein klares, tiefblaues Wasser eignet sich hervorragend zum Schwimmen und Kajakfahren. Der Wular Lake liegt etwa 60 Kilometer nördlich und zählt zu den größten Süßwasserseen Asiens – ein Paradies für Zugvögel und Fischer gleichermaßen.

Die Mughal-Gärten gehören zu den schönsten Gartenanlagen der Welt und erzählen von der Liebe der Mogulkaiser zu Kaschmir. Shalimar Bagh, der „Garten der Liebe", wurde 1619 von Kaiser Jehangir für seine Gemahlin Nur Jahan angelegt. Auf vier Terrassen ergießen sich Wasserkaskaden über Stufen aus poliertem Stein, gesäumt von Platanen und Zypressen. Nishat Bagh, der „Garten der Freude", erstreckt sich über zwölf Terrassen am Ostufer des Dal Lake und bietet einen atemberaubenden Blick auf den See und die Zabarwan-Berge. Etwas kleiner, aber nicht weniger reizvoll präsentiert sich Chashme Shahi, die „Königliche Quelle", deren natürliche Quelle dem Wasser heilende Kräfte nachsagt. Pari Mahal, der „Palast der Feen", thront auf sieben Terrassen oberhalb des Chashme Shahi und belohnt Besucher mit einem Panoramablick über das gesamte Tal.

Die religiöse Architektur Srinagars spiegelt Jahrhunderte kultureller Vielfalt wider. Der Hazratbal-Schrein erhebt sich mit seiner strahlend weißen Marmorkuppel am Westufer des Dal Lake und bewahrt eine heilige Reliquie – ein Haar des Propheten Mohammed, das zu besonderen Anlässen den Gläubigen gezeigt wird. Die Jama Masjid aus dem Jahr 1672 beeindruckt mit 378 Säulen aus Deodar-Zedernholz und einem weiten Innenhof, in dem Tausende zum Freitagsgebet zusammenkommen. Die Shah-i-Hamadan-Moschee ist ein Meisterwerk kaschmirischer Holzarchitektur – kein einziger Nagel hält das Gebäude zusammen, und die Wände sind mit filigraner Papiermaschee-Kunst verziert.

Auf einem Hügel über der Stadt thront der Shankaracharya-Tempel aus dem 5. Jahrhundert, einer der ältesten Tempel Kaschmirs. Der steile Aufstieg wird mit einem weiten Blick über das Tal belohnt. Das Sri Pratap Singh Museum im Lal Mandi-Viertel beherbergt eine umfangreiche Sammlung kaschmirischer Kunst, Textilien und archäologischer Funde.

Naturliebhaber finden am Stadtrand den Dachigam-Nationalpark, Heimat des seltenen Hangul – des Kaschmir-Hirschs, der nur hier in freier Wildbahn vorkommt. Der kleine Salim-Ali-Nationalpark liegt auf einer Insel im Jhelum mitten in der Stadt und ist ein hervorragendes Revier für Vogelbeobachtung.


Küche

Die kaschmirische Küche zählt zu den reichhaltigsten und raffiniertesten des gesamten Subkontinents. Ihr Höhepunkt ist das Wazwan, ein zeremonielles Festmahl mit bis zu 36 Gängen, das bei Hochzeiten und besonderen Anlässen von spezialisierten Köchen – den Wazas – zubereitet wird. Zu den Hauptgerichten gehören Rogan Josh, ein aromatisches Lammcurry in einer tiefroten Gewürzsoße, Gushtaba – zarte Fleischbällchen in cremiger Joghurtsoße, die traditionell den Abschluss des Mahls bilden – und Tabak Maaz, knusprig gebratene Lammrippen, die ihren Namen von der flachen Pfanne haben, in der sie zubereitet werden.

Vegetarische Genüsse bietet Dum Aloo, bei dem Kartoffeln langsam in einer würzigen Joghurtsoße gegart werden, bis sie die Aromen vollständig aufgenommen haben. Kein Besuch in Srinagar ist vollständig ohne Kahwa, den traditionellen kaschmirischen Tee mit Safran, gerösteten Mandeln und Zimt, der in kupfernen Samowars serviert wird. Alltäglicher, aber nicht weniger charakteristisch ist Noon Chai – ein salziger, rosafarbener Tee, der mit Milch und einer Prise Natron zubereitet wird und zu jeder Tageszeit getrunken wird. Die Märkte bieten außerdem hochwertige Gewürze, Safran aus dem nahen Pampore und aromatische Trockenfrüchte.


Einkaufen

  • Altstadt-Basare – Lebhafte Gassen mit dem vollen Angebot kaschmirischen Kunsthandwerks
  • Pashmina-Schals – Weltberühmte handgewebte Schals aus feinstem Kaschmirwollhaar
  • Papiermaschee-Arbeiten – Bunt bemalte Dosen, Vasen und Dekorationsgegenstände
  • Kupferwaren – Handgehämmerte Kannen, Schalen und Tabletts mit traditionellen Mustern
  • Geschnitzte Walnussholz-Möbel – Aufwendig verzierte Tische, Truhen und Dekorationsstücke
  • Government Arts Emporium – Zertifiziertes Kunsthandwerk mit Qualitätsgarantie

Feste und Veranstaltungen

Das Tulpenfestival im April verwandelt den Indira Gandhi Memorial Tulip Garden in ein Meer aus über 1,5 Millionen Blüten – es ist der größte Tulpengarten Asiens und zieht Besucher aus aller Welt an. Das Shikara Festival feiert die Bootskultur des Dal Lake mit Rennen, kulturellen Darbietungen und geschmückten Shikaras. Die islamischen Feste Eid ul-Fitr und Eid ul-Adha prägen das religiöse Leben der Stadt, wenn Tausende in der Hazratbal-Moschee und der Jama Masjid zum Gebet zusammenkommen. An den Urs-Festen wird an den zahlreichen Sufi-Schreinen mit Qawwali-Musik, Gebeten und gemeinsamen Mahlzeiten der großen Heiligen gedacht.


Praktische Informationen

Beste Reisezeit

Die ideale Reisezeit für Srinagar ist im Frühling (März bis Mai), wenn die Mandel- und Kirschbäume blühen und die Mughal-Gärten in voller Pracht stehen, sowie im Herbst (September bis Oktober), wenn sich die Chinarbäume golden und rot färben. Der Sommer von Juni bis August bietet angenehme Temperaturen um 30 bis 34 °C. Der Winter von Dezember bis Februar verwandelt die Stadt in eine Schneelandschaft bei Temperaturen von –5 bis 15 °C – ideal für Winterliebhaber und Skifahrer im nahen Gulmarg.

Anreise

Der Sheikh ul-Alam International Airport (SXR) liegt etwa 15 Kilometer südlich der Stadt und bietet tägliche Verbindungen nach Delhi, Mumbai und anderen indischen Großstädten. Die Srinagar Railway Station (SINA) in Nowgam ist an das wachsende Schienennetz Kaschmirs angebunden, das die Stadt mit Banihal und perspektivisch mit dem übrigen Indien verbindet. Über die Straße erreicht man Srinagar von Jammu aus in etwa acht Stunden über den Jawahar-Tunnel auf dem National Highway 44.


Klimatabelle

Monat Min °C Max °C Empfehlung
Jan −5,9 11,9 Winter
Feb −3,6 15,8 Winter
Mär 0,0 22,5 Frühling
Apr 3,5 27,1 Beste Zeit
Mai 6,9 30,5 Beste Zeit
Jun 10,7 33,6 Gut
Jul 14,4 34,2 Warm
Aug 13,8 33,5 Warm
Sep 8,5 31,6 Beste Zeit
Okt 1,9 28,2 Beste Zeit
Nov −2,6 21,6 Herbst
Dez −5,5 14,3 Winter

In der Nähe

  • Gulmarg – Skigebiet und Gondelbahn (50 km)
  • Pahalgam – Bergstadt am Lidder-Fluss (95 km)
  • Sonamarg – „Goldene Wiese", Tor zum Gletscher (80 km)
  • Yusmarg – Ruhige Almwiesen (45 km)
  • Anantnag – Historische Stadt mit Quellen (55 km)
  • Jammu – Winterhauptstadt (300 km)
  • Leh – Hochgebirgsstadt in Ladakh (420 km)
  • Kargil – Auf dem Weg nach Leh (205 km)
  • Patnitop – Bergstation (250 km)