Mumbai

Mumbai (bis 1995 Bombay) ist die wichtigste Hafenstadt Indiens und Hauptstadt des Bundesstaates Maharashtra. Alle Tipps für Mumbai im Reiseführer.

Bundesstaat: Maharashtra | Region: Westindien

Mumbai, bis 1995 als Bombay bekannt, ist die Stadt der Träume – und der Widersprüche. Auf sieben ehemaligen Inseln erbaut, die im Laufe der Jahrhunderte zu einer Halbinsel verschmolzen, ist die Hauptstadt Maharashtras mit rund 12,5 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt Indiens. Als Finanzhauptstadt erwirtschaftet Mumbai etwa 38 Prozent des nationalen BIP, und über seinen Hafen wird rund die Hälfte des indischen Außenhandels abgewickelt.

Doch Mumbai ist weit mehr als Börse und Banken. Hier schlägt das Herz von Bollywood – die Stadt produziert jährlich mehr Filme als jeder andere Standort weltweit. Viktorianische Prachtbauten stehen neben Art-déco-Fassaden, glitzernde Wolkenkratzer überragen die Wellblechdächer der Slums, und auf dem berühmten Marine Drive flanieren Banker neben Straßenhändlern. Diese Stadt der Gegensätze zwischen unvorstellbarem Reichtum und bitterer Armut fasziniert jeden Besucher – und lässt niemanden gleichgültig.


Sehenswürdigkeiten

UNESCO-Welterbe

Mumbai besitzt gleich drei UNESCO-Welterbestätten. Die Elephanta Caves (UNESCO seit 1987) liegen auf einer Insel im Hafen, die per Fähre vom Gateway of India aus erreichbar ist – in den aus dem Fels gehauenen Höhlen thront die berühmte dreiköpfige Trimurti-Skulptur des Gottes Shiva, ein Meisterwerk der Gupta-Kunst aus dem 5. bis 8. Jahrhundert. Der Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus (UNESCO seit 2004), im Volksmund noch immer „VT" genannt, ist ein viktorianisch-gotischer Prachtbahnhof aus dem Jahr 1888 – Frederick William Stevens entwarf das Gebäude mit Buntglasfenstern, Türmchen und einer Kuppel, und bis heute strömen täglich über drei Millionen Pendler durch seine Hallen. Das Victorian Gothic and Art Deco Ensemble (UNESCO seit 2018) entlang der Uferpromenade Marine Drive und rund um das Oval Maidan vereint viktorianische Gerichtsgebäude und Universitäten auf der einen Seite mit den eleganten Art-déco-Wohnhäusern der 1930er Jahre auf der anderen – ein weltweit einzigartiges Nebeneinander zweier Architekturstile.

Wahrzeichen

Das Gateway of India, der 26 Meter hohe Triumphbogen am Apollo Bunder, wurde 1924 zum Gedenken an den Besuch von König George V. fertiggestellt und ist Mumbais meistfotografiertes Bauwerk. Die Ironie der Geschichte: Durch eben dieses Tor verließen 1948 die letzten britischen Truppen Indien. Marine Drive, die geschwungene Uferpromenade zwischen Nariman Point und Malabar Hill, trägt den Beinamen „Queen's Necklace" – bei Nacht verwandeln die Straßenlaternen die Küstenlinie in eine funkelnde Perlenkette. Der Rajabai Clock Tower auf dem Campus der Universität Mumbai ragt 85 Meter in die Höhe und wurde dem Big Ben nachempfunden – sein Glockenspiel erklingt noch heute über der Stadt.

Tempel und religiöse Stätten

Der Siddhivinayak Temple in Prabhadevi ist Mumbais meistbesuchter Tempel – Millionen Gläubige und zahllose Bollywood-Stars beten hier zu Ganesha, dem Beseitiger der Hindernisse. Der Mahalaxmi Temple, der Göttin des Reichtums geweiht, thront auf einem Hügel über dem Meer und zieht besonders an Freitagen riesige Menschenmengen an. Die Haji Ali Dargah, eine Moschee und ein Mausoleum auf einer kleinen Insel, ist nur bei Ebbe über einen schmalen Damm erreichbar – ein magischer Anblick, wenn das weiße Bauwerk scheinbar auf dem Meer zu schweben scheint. Die Mount Mary Church (Basilica of Our Lady of the Mount) in Bandra stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist eines der ältesten christlichen Gotteshäuser Mumbais – das jährliche Bandra Fair im September lockt Gläubige aller Religionen an.

Parks und Natur

Der Sanjay Gandhi National Park ist ein 104 Quadratkilometer großes Waldgebiet mitten in der Millionenstadt – weltweit einzigartig. In seinen Wäldern leben Leoparden, Hirsche und Makaken, und die Kanheri Caves, über 100 buddhistische Höhlen aus dem 1. bis 10. Jahrhundert, liegen tief im Park verborgen. Die Hanging Gardens (Pherozeshah Mehta Gardens) auf Malabar Hill bieten mit ihren kunstvoll beschnittenen Hecken in Tierform einen ruhigen Rückzugsort mit Blick auf das Arabische Meer.

Strände und Entertainment

Juhu Beach im Norden der Stadt ist Mumbais beliebtester Strand – hier flanieren am Abend Familien zwischen Bhel-Puri-Ständen und Riesenrädern, und mit etwas Glück erhascht man einen Blick auf Bollywood-Stars in ihren Bungalows entlang der Küste. Chowpatty Beach am Ende von Marine Drive ist weniger zum Schwimmen als zum Erleben da – besonders während des Ganesh-Chaturthi-Fests, wenn hier die riesigen Ganesh-Statuen ins Meer getragen werden.

Film City in Goregaon ist das Herzstück der Bollywood-Industrie – auf dem weitläufigen Gelände entstehen Filme, Serien und Werbespots, und geführte Touren bieten einen Blick hinter die Kulissen. Das Kala Ghoda-Viertel zwischen dem Fort-Bezirk und Colaba ist Mumbais Kunstviertel mit Galerien, dem renommierten Chhatrapati Shivaji Maharaj Vastu Sangrahalaya (dem ehemaligen Prince of Wales Museum), Cafés und Buchhandlungen.

Historische Märkte

Der Crawford Market (heute Mahatma Jyotiba Phule Mandai) aus dem Jahr 1871 ist ein normannisch-gotischer Bau mit Reliefs von Rudyard Kiplings Vater – unter seinen Gewölben handeln Händler mit frischem Obst, Gewürzen und Haushaltswaren. Der Chor Bazaar in Mutton Street ist einer der größten Flohmärkte Asiens – zwischen Grammophonen, Kronleuchtern und alten Bollywood-Postern lassen sich hier Antiquitäten und kuriose Schätze entdecken.


Küche

Mumbais kulinarische Seele lebt auf der Straße. Vada Pav, ein würziger, frittierter Kartoffelpuffer in weichem Brot mit grünem und rotem Chutney, gilt als der „Burger Mumbais" und ist an buchstäblich jeder Straßenecke erhältlich – für wenige Rupien satt werden, das ist das Versprechen dieses ikonischen Snacks. Pav Bhaji, ein Gemüsecurry aus gestampftem Gemüse mit reichlich Butter auf gerösteten Brötchen, stammt von den Textilarbeitern, die ein schnelles, nahrhaftes Essen brauchten. An den Stränden von Juhu und Chowpatty gehören Bhel Puri und Sev Puri – knusprige Puffreis-Snacks mit Tamarinden- und Minzchutney – zum abendlichen Ritual. Misal Pav, ein würziges Frühstücksgericht aus Sprossen in scharfer Soße, stammt ursprünglich aus dem Konkan und hat sich in Mumbai zur morgendlichen Institution entwickelt. Wer es süß mag, sollte eine Kulfi probieren – dieses cremige, traditionelle Eis aus eingekochter Milch mit Pistazien oder Safran ist der perfekte Abschluss eines Abends in der Stadt. Die besten Adressen für authentisches Straßenessen sind der Crawford Market und die Mohammed Ali Road, die während des Ramadan mit ihren Kebab- und Biryani-Ständen zu einem nächtlichen Schlemmerparadies wird.


Einkaufen & Märkte

  • Colaba Causeway – Mode, Accessoires und Wohndekor in lebhafter Atmosphäre, ideal zum Feilschen
  • Linking Road & Hill Road (Bandra) – lokaler Charme mit Markenmode und Straßenständen
  • Crawford Market – frische Lebensmittel, Gewürze und Haushaltswaren in einem historischen Gebäude
  • Chor Bazaar – Vintage- und Antiquitätenfunde in Mumbais berühmtem Flohmarkt
  • Phoenix Marketcity – modernes Einkaufszentrum mit über 600 Geschäften und 100 Restaurants

Feste & Veranstaltungen

Ganesh Chaturthi (August/September) ist Mumbais größtes und emotionalstes Fest – zehn Tage lang werden in der ganzen Stadt prachtvolle Ganesh-Statuen aufgestellt, verehrt und am letzten Tag in feierlichen Prozessionen zum Meer getragen, wo sie unter dem Jubel Hunderttausender im Wasser versenkt werden. Das Kala Ghoda Arts Festival (Februar) verwandelt das gleichnamige Kunstviertel eine Woche lang in eine Freiluftbühne für Musik, Tanz, Theater, Literatur und bildende Kunst – die Veranstaltungen sind größtenteils kostenlos. Navratri (September/Oktober) wird in Mumbai mit besonderer Hingabe gefeiert – neun Nächte lang tanzen Tausende zu Garba- und Dandiya-Rhythmen in riesigen, eigens aufgebauten Zelten, und die Energie dieser Nächte ist ansteckend.


Praktische Informationen

Anreise

Der Chhatrapati Shivaji Maharaj International Airport (BOM) ist einer der verkehrsreichsten Flughäfen Indiens mit zahlreichen internationalen Direktverbindungen nach Europa, in den Nahen Osten und nach Südostasien sowie einem dichten Inlandsnetz. Die Stadt verfügt über zwei große Kopfbahnhöfe: Mumbai Central (MMCT) bedient Züge nach Gujarat, Rajasthan und Delhi, während der UNESCO-geschützte Chhatrapati Shivaji Maharaj Terminus (CSMT) Fernzüge in Richtung Süden und Osten abfertigt – darunter Schnellverbindungen nach Pune (3 Stunden), Chennai und Kolkata. Über die Straße ist Pune in etwa 3 Stunden erreichbar (150 km via Mumbai-Pune Expressway).

Beste Reisezeit

Oktober bis Februar ist die ideale Reisezeit für Mumbai – die Temperaturen sind angenehm, die Luftfeuchtigkeit erträglich, und die Abendbrisen am Marine Drive laden zum Flanieren ein. Die Sommermonate März bis Mai sind heiß und schwül. Der Monsun von Juni bis September verwandelt die Stadt in ein tropisches Chaos – heftige Regenfälle mit über 2.000 mm Niederschlag führen regelmäßig zu Überschwemmungen, doch gerade dann entfaltet Mumbai seinen ganz eigenen Charme.


Klima-Übersicht

Monat Min °C Max °C Empfehlung
Jan 12,6 35,2 Beste Zeit
Feb 13,9 36,8 Beste Zeit
Mär 17,1 38,6 Gut
Apr 21,0 37,2 Warm
Mai 24,5 35,7 Heiß
Jun 23,2 35,4 Monsun
Jul 23,4 32,6 Monsun
Aug 23,4 31,8 Monsun
Sep 23,0 33,5 Monsun
Okt 20,3 36,4 Beste Zeit
Nov 17,8 36,0 Beste Zeit
Dez 14,3 35,2 Beste Zeit

In der Nähe

  • Lonavala – beliebte Bergstation (85 km)
  • Igatpuri – Meditationszentrum und Bergstation (120 km)
  • Pune – Kulturstadt und IT-Hub (150 km)
  • Silvassa – ehemalige portugiesische Kolonie (170 km)
  • Nashik – Weinanbau und Hindu-Pilgerort (180 km)
  • Daman – Küsten-Unionsterritorium (180 km)
  • Mahabaleshwar – Bergstation mit Erdbeeren (250 km)
  • Chhatrapati Sambhaji Nagar – Ajanta & Ellora Höhlen (350 km)
  • Kolhapur – Tempelstadt und Handwerk (380 km)
  • Diu – Insel mit portugiesischem Erbe (380 km)