Imphal ist die Hauptstadt des Bundesstaates Manipur und liegt in einem von bewaldeten Hügeln umgebenen Tal. Alle Tipps für Imphal im Reiseführer.
Bundesstaat: Manipur | Region: Nordostindien
Imphal, die Hauptstadt von Manipur, liegt in einem weiten, fruchtbaren Tal auf rund 786 Metern Höhe, umgeben von dicht bewaldeten Hügeln – eine Landschaft, die an ein riesiges grünes Amphitheater erinnert. Die Stadt mit rund 265.000 Einwohnern ist weit mehr als ein abgelegener Verwaltungssitz: Sie ist die Geburtsstätte des modernen Polosports, Heimat des einzigen von Frauen betriebenen Marktes der Welt und Schauplatz einer der entscheidenden Schlachten des Zweiten Weltkriegs in Asien.
Die Meitei, das Hauptvolk Manipurs, blicken auf eine über 2.000 Jahre alte Königreichstradition zurück. Ihre Kultur verbindet hinduistische Einflüsse mit der eigenständigen Sanamahi-Religion, die den Vorfahrengott Sanamahi und die Waldgöttin Leimarel Sidabi verehrt. Diese Mischung aus altem Königtum, lebendiger Stammeskultur und der dramatischen Geschichte des 20. Jahrhunderts verleiht Imphal eine Tiefe, die Besucher überrascht.
Sehenswürdigkeiten
Kangla Fort und historische Stätten
Das Kangla Fort am Ufer des Imphal-Flusses war über Jahrhunderte der Sitz der Meitei-Könige – der Name bedeutet „trockenes Land" und verweist auf die erhöhte Lage inmitten der überschwemmungsgefährdeten Ebene. Nach der Übernahme durch die Briten 1891 und anschließender militärischer Nutzung bis 2004 wurde das Fort der Öffentlichkeit zurückgegeben und ist heute ein nationales Denkmal. Die beiden Kangla-Sha (geflügelte Drachen-Löwen), Wächterfiguren am Eingangstor, sind das Wahrzeichen Manipurs. Im Inneren befinden sich der alte Govindajee-Tempel, das Kangla Museum mit königlichen Artefakten und die Überreste des Palastes.
Der Imphal War Cemetery, gepflegt von der Commonwealth War Graves Commission, erinnert an über 1.600 alliierte Soldaten, die 1944 in der Schlacht von Imphal und Kohima fielen – einer Wende des Zweiten Weltkriegs in Asien, bei der japanische und Truppen der Indischen Nationalarmee unter Netaji Subhas Chandra Bose zurückgeschlagen wurden. Der Khongjom War Memorial Complex (etwa 35 km südlich) gedenkt der Schlacht von Khongjom 1891, in der Manipur seine Unabhängigkeit gegen die Briten verlor.
Tempel und Spiritualität
Der Shree Shree Govindajee Temple, direkt neben dem Kangla Fort, ist der wichtigste Vaishnaviten-Tempel Manipurs – seine beiden vergoldeten Kuppeln glänzen im Morgenlicht, und die tägliche Raas-Leela-Aufführung (ein ritueller Tanz zu Ehren Krishnas) zieht Gläubige und Zuschauer gleichermaßen an. Der Sanamahi Kiyong Temple ist dem traditionellen Meitei-Glauben gewidmet – in einem schlichten Bau verehren Priester den Vorfahrengott Sanamahi, der in fast jedem Meitei-Haushalt einen Platz im Südwesten des Wohnraums hat.
Ima Keithel – der Frauenmarkt
Der Ima Keithel (Khwairamband Bazaar), wörtlich „Mutters Markt", ist der einzige Markt der Welt, der ausschließlich von Frauen betrieben wird – rund 5.000 Händlerinnen verkaufen auf über 500 Jahre Tradition zurückblickend Gemüse, Fisch, Textilien, Blumen, Schmuck und Haushaltswaren. Der Markt ist nicht nur Handelsplatz, sondern auch politisches Forum: Immer wieder organisieren die „Imas" (Mütter) hier Proteste und Streiks gegen soziale Missstände. Feilschen ist an diesem Ort nicht üblich – die Preise gelten als fair und feststehend.
Natur und Wildtiere
Der Keibul Lamjao National Park (etwa 53 km südlich), am Ufer des Loktak Lake gelegen, ist der einzige schwimmende Nationalpark der Welt – auf Phumdis (schwimmenden Grasmatten) lebt der Sangai-Hirsch (Cervus eldi eldi), eine vom Aussterben bedrohte Hirschart, die nur hier vorkommt und als Staatstier Manipurs gilt. Der Loktak Lake selbst, der größte Süßwassersee Nordostindiens, beeindruckt mit seinen kreisrunden schwimmenden Inseln, auf denen Fischer in Hütten leben. Das Khonghampat Orchidarium am Stadtrand präsentiert etwa 120 Orchideenarten, darunter die seltene Siroi-Lilie, die nur auf einem einzigen Berggipfel Manipurs wächst.
Küche
Die manipurische Küche ist reisbasiert, biologisch und geprägt von fermentierten Zutaten – ein Geschmackserlebnis, das sich deutlich von der übrigen indischen Küche unterscheidet. Eromba, das Nationalgericht Manipurs, ist ein Eintopf aus gekochtem Gemüse, zerstoßenen Chilis und Ngari (fermentiertem Fisch), der jedem Gericht seinen charakteristischen intensiven Geschmack verleiht. Chak-hao Kheer, ein Pudding aus schwarzem Klebreis mit Kokosmilch und Kardamom, ist ebenso nahrhaft wie aromatisch – der violette Chak-hao-Reis gilt als Superfood und wird inzwischen auch international nachgefragt. Singju, ein Salat aus rohen Kräutern, Bananenblüten und fermentierten Fischprodukten, wird als Vorspeise oder Beilage gereicht. Bambussprossen, in zahlreichen Zubereitungsarten – getrocknet, fermentiert, sauer eingelegt –, sind ein Grundpfeiler der manipurischen Ernährung.
Einkaufen & Märkte
- Ima Keithel (Frauenmarkt) – Einziger von Frauen betriebener Markt der Welt mit frischem Gemüse, Fisch, Textilien und Handwerk
- Manipuri Handweberei – Berühmt für aufwendig gewebte Saris und Shawls mit traditionellen Meitei-Mustern (Mayek Naibi, Wangkhei Phee)
- Bambus- und Rohrhandwerk – Fein geflochtene Körbe, Matten, Laternen und Möbel
- Beliebte Mitbringsel: Schwarzer Chak-hao-Reis, handgewebte Textilien, Bambus- und Rohrarbeiten, Orchideen und lokaler Honig
Feste & Veranstaltungen
Das Sangai Festival (November) ist das größte Festival Manipurs und ein zehntägiges Schaufenster der gesamten Kultur des Bundesstaates – von Handweberei und Stammestänzen über indigene Sportarten bis hin zu Abenteuertourismus am Loktak Lake. Der Name ehrt den seltenen Sangai-Hirsch. Yaoshang (Februar/März), das manipurische Pendant zu Holi, wird fünf Tage lang gefeiert: Kinder gehen von Haus zu Haus und sammeln „Nakatheng" (kleine Geldgaben), abends finden Thabal Chongba statt – traditionelle Mondscheintänze, bei denen junge Meitei im Kreis tanzen und singen. Lai Haraoba, das älteste Festival der Meitei, feiert mit rituellen Tänzen die Schöpfung der Welt und die Vereinigung von Göttern und Göttinnen – Maibis (Priesterinnen) tanzen tagelang in Trance und erzählen die Kosmogonie des Meitei-Volkes. Imphal gilt außerdem als Geburtsstätte des modernen Polosports – am historischen Mapal Kangjeibung (Polo Ground), dem ältesten Polo-Platz der Welt, wird das Spiel noch heute in seiner ursprünglichen Form Sagol Kangjei gespielt.
Praktische Informationen
Anreise
Der Bir Tikendrajit International Airport (IMF) verbindet Imphal mit Kolkata, Guwahati, Delhi und Bengaluru. Der nächste Bahnhof befindet sich in Dimapur (Nagaland), rund 215 Kilometer entfernt – die Fahrt durch die Berge dauert etwa fünf Stunden per Taxi oder Bus und führt durch spektakuläre Landschaften. Über die Straße ist Kohima in etwa vier Stunden erreichbar (138 km), der Grenzort Moreh an der Grenze zu Myanmar in drei Stunden (110 km).
Beste Reisezeit
Oktober bis April bietet die angenehmsten Bedingungen mit Tagestemperaturen zwischen 25 und 33 °C. Der November ist ideal für das Sangai Festival. Die Monsunmonate Juni bis September bringen reichlich Niederschlag und erschweren Reisen in die umliegenden Hügelgebiete.
Klima-Übersicht
| Monat | Min °C | Max °C | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Jan | 1,6 | 25,7 | Beste Zeit |
| Feb | 3,8 | 28,4 | Beste Zeit |
| Mär | 7,6 | 31,9 | Beste Zeit |
| Apr | 12,1 | 33,0 | Beste Zeit |
| Mai | 15,4 | 33,4 | Warm |
| Jun | 19,3 | 33,0 | Monsun |
| Jul | 20,9 | 32,7 | Monsun |
| Aug | 20,6 | 33,0 | Monsun |
| Sep | 18,8 | 32,9 | Monsun |
| Okt | 13,3 | 32,2 | Beste Zeit |
| Nov | 6,4 | 29,5 | Beste Zeit |
| Dez | 2,8 | 25,9 | Beste Zeit |
In der Nähe
- Loktak Lake – Größter Süßwassersee Nordostindiens, schwimmende Inseln (48 km)
- Keibul Lamjao NP – Einziger schwimmender Nationalpark, Sangai-Hirsch (53 km)
- Moirang – INA-Museum und historischer Flaggenort (45 km)
- Andro – Traditionelles Handwerks- und Töpferdorf (27 km)
- Moreh – Grenzstadt zu Myanmar, Handelsposten (110 km)
- Kohima – Hauptstadt Nagalands, WWII-Friedhof (138 km)
- Aizawl – Hauptstadt Mizorams (480 km)
- Shillong – Hauptstadt Meghalayas, Scotland of the East (500 km)
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