Khajuraho

Khajuraho, eines der sieben Weltwunder Indiens, beherbergt die berühmte UNESCO-Welterbe Tempelgruppe aus dem 9.-12. Jahrhundert.

Bundesstaat: Madhya Pradesh | Region: Westindien

Khajuraho gehört zu den außergewöhnlichsten Tempelstätten der Welt. In einem kleinen Ort mit kaum 25.000 Einwohnern, fernab jeder Großstadt, stehen 20 erhaltene Tempel der Chandela-Dynastie, die zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert errichtet wurden und seit 1986 zum UNESCO-Welterbe zählen. Ursprünglich umfasste der Komplex 85 Tempel – was von den verbliebenen 20 erhalten ist, reicht aus, um Besucher in staunende Stille zu versetzen.

Die Tempel sind weltberühmt für ihre meisterhaften Skulpturen, die alle Aspekte des menschlichen Lebens darstellen: Götter und Dämonen, Krieger und Tänzerinnen, Tiere und Fabelwesen – und die berühmt-berüchtigten erotischen Darstellungen, die etwa zehn Prozent der Skulpturen ausmachen. Ob tantrische Philosophie, Feier des Lebens oder Erinnerung an die Vergänglichkeit weltlicher Freuden vor dem Eintritt ins Göttliche – über ihre Bedeutung wird seit Jahrhunderten diskutiert. Eines steht fest: In der Kunstfertigkeit ihrer Ausführung sind diese Steinskulpturen in ganz Indien unerreicht.


Sehenswürdigkeiten

Westliche Tempelgruppe (UNESCO-Kernzone)

Die westliche Gruppe ist das Herzstück Khajurahos und versammelt die grandiosesten Bauwerke auf einem gepflegten, parkähnlichen Gelände. Der Kandariya Mahadeva Temple ist der größte und kunstreichste aller Tempel – 31 Meter hoch und mit über 870 Skulpturen bedeckt, verkörpert er den Höhepunkt der Chandela-Architektur. Sein geschwungener Turm erhebt sich wie ein Gebirge aus Stein und symbolisiert den heiligen Berg Meru. Der Lakshmana Temple, Vishnu geweiht, beeindruckt mit detaillierten Friesen, die Szenen des Alltagslebens, Jagden, Feste und ja, auch die berühmten Liebesszenen zeigen. Der Chitragupta Temple ist dem Sonnengott Surya gewidmet und birgt eine seltene Darstellung des Gottes auf seinem Wagen mit sieben Pferden. Der Devi Jagadambi Temple war ursprünglich Vishnu geweiht, wird heute aber als Parvati-Tempel verehrt. Der Vishvanatha Temple, ein Shiva-Heiligtum mit separatem Nandi-Pavillon, steht dem Kandariya Mahadeva in der Qualität seiner Skulpturen kaum nach.

Östliche Tempelgruppe

Die östliche Gruppe liegt im Dorf selbst und umfasst sowohl hinduistische als auch die einzigen Jain-Tempel Khajurahos. Der Parsvanatha Temple ist der größte und am reichsten verzierte Jain-Tempel der Anlage – seine Skulpturen zeigen eine bemerkenswerte Feinheit und stehen den hinduistischen Tempeln in nichts nach. Der Ghantai Temple verdankt seinen Namen den kunstvollen Glockenketten-Reliefs an seinen Säulen. Der kleine Brahma Temple aus Granit liegt malerisch am Khajur Sagar See, während der Vamana Temple und der fein gearbeitete Javari Temple beide Vishnu gewidmet sind.

Südliche Tempelgruppe

Die südliche Gruppe liegt etwas abseits und wird von weniger Besuchern angesteuert, was ihren Reiz ausmacht. Der Duladeo Temple ist der jüngste der großen Tempel und zeigt bereits eine gewisse Erstarrung des Stils, bleibt aber beeindruckend. Der Chaturbhuj Temple ist der einzige große Tempel Khajurahos ganz ohne erotische Skulpturen – sein Inneres beherbergt eine 2,7 Meter hohe Vishnu-Statue von außergewöhnlicher Schönheit.

Museen und Umgebung

Das Archaeological Museum gegenüber der westlichen Tempelgruppe zeigt Skulpturen und Fragmente, die bei Ausgrabungen gefunden wurden, darunter Stücke von nicht mehr existierenden Tempeln. Das Adivart Tribal Folk Art Museum bietet einen Einblick in die Stammeskunst Madhya Pradeshs. In der Umgebung locken der Panna National Park (25 km), ein Tigerreservat am Ken-Fluss, die Raneh Falls (20 km), die durch eine Granitschlucht in vielfarbigen Gesteinsschichten stürzen, und die malerischen Pandav Falls (30 km). Das Ajaigarh Fort (80 km), eine Chandela-Festung auf einem einsamen Hügel, bietet einen lohnenden Tagesausflug.


Küche

Die Küche Khajurahos ist einfach und nordindisch geprägt. Ein klassisches Thali – eine vollständige Mahlzeit mit Roti, Dal, Gemüsecurrys und Reis – bildet die Grundlage. Die regionale Bundelkhandi Dal, kräftig gewürzt und mit Ghee verfeinert, ist die lokale Spezialität. Bedai Sabzi, frittiertes Brot mit würzigem Kartoffelcurry, wird zum Frühstück serviert. Zum Nachtisch gibt es Malpua, süße Pfannkuchen in Sirup, und eine kühle Lassi rundet jede Mahlzeit ab. Einige der Restaurants rund um die westliche Tempelgruppe bieten auch internationale Küche für die zahlreichen ausländischen Besucher.


Einkaufen

  • Steinstatuen und Repliken – kleine Nachbildungen der Tempelskulpturen als Souvenirs
  • Chanderi-Seide – handgewebte Saris und Stoffe aus der Region
  • Tribal Art – Gond-Malerei und Stammeskunst aus Madhya Pradesh
  • Gewürze und Trockenfrüchte – auf dem lokalen Markt

Feste & Veranstaltungen

Das Khajuraho Dance Festival (Februar/März) ist das kulturelle Highlight des Jahres – eine Woche lang führen die besten klassischen Tänzer Indiens Bharatanatyam, Kathak, Odissi und Kuchipudi vor der erleuchteten Kulisse der westlichen Tempelgruppe auf. Die Kombination aus jahrtausendealter Steinkunst und lebendiger Tanzkunst schafft ein Erlebnis, das es in dieser Form nirgendwo sonst gibt. Maha Shivaratri (Februar/März) wird an den Shiva-Tempeln mit nächtlichen Gebeten und Prozessionen begangen. Jeden Abend findet zudem eine Sound & Light Show statt, die die Geschichte der Chandela-Dynastie und ihrer Tempel in Licht und Ton erzählt.


Praktische Informationen

Anreise

Der Khajuraho Airport (HJR) liegt nur fünf Kilometer vom Zentrum entfernt und bietet Verbindungen nach Delhi und Varanasi – die schnellste Art, diesen abgelegenen Ort zu erreichen. Der Bahnhof Khajuraho (KURJ) liegt sechs Kilometer außerhalb und ist über einen Nachtzug mit Delhi verbunden. Über die Straße erreicht man Jhansi in etwa vier Stunden (175 km), Satna in rund drei Stunden (117 km) und Varanasi in gut acht Stunden (405 km).

Beste Reisezeit

Oktober bis März bietet ideales Erkundungswetter mit angenehmen Temperaturen. Die Sommermonate werden mit bis zu 46 °C extrem heiß und sollten gemieden werden. Die Monsunzeit (Juli–September) bringt Erfrischung, kann aber den Zugang zu einigen Attraktionen in der Umgebung erschweren.

Fortbewegung

Die westliche Tempelgruppe ist kompakt und lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Für die östliche und südliche Gruppe empfiehlt sich ein Fahrrad – die Strecken sind flach und die Entfernungen überschaubar. Auto- und Elektro-Rikschas stehen für Ausflüge zu den Wasserfällen und dem Nationalpark bereit.


Klima-Übersicht

Monat Min °C Max °C Empfehlung
Jan 3,7 30,2 Beste Zeit
Feb 5,8 34,4 Beste Zeit
Mär 10,4 39,9 Warm
Apr 16,3 44,4 Heiß
Mai 21,8 46,6 Meiden
Jun 23,9 46,1 Meiden
Jul 23,6 39,8 Monsun
Aug 23,5 36,7 Monsun
Sep 21,3 36,8 Monsun
Okt 14,1 37,2 Beste Zeit
Nov 9,6 34,3 Beste Zeit
Dez 4,9 30,8 Beste Zeit

In der Nähe

  • Panna National Park – Tigerreservat am Ken-Fluss (25 km)
  • Raneh Falls – Granitschlucht mit Wasserfällen (20 km)
  • Pandav Falls – malerischer Wasserfall (30 km)
  • Ajaigarh Fort – Chandela-Festung auf einem Hügel (80 km)
  • Orchha – Bundela-Paläste am Betwa (175 km)
  • Jhansi – historische Festung (175 km)
  • Sanchi – buddhistische UNESCO-Stupas (300 km)
  • Varanasi – heilige Stadt am Ganges (405 km)