Varanasi

Varanasi (früher Benares) liegt in Uttar Pradesh im Gangesbecken. Alle Tipps für Varanasi im Reiseführer.

Bundesstaat: Uttar Pradesh | Region: Nordindien

Varanasi ist die Stadt, in der Indien am intensivsten zu sich selbst findet. Zwischen den steinernen Ghats und dem träge fließenden Ganges spielt sich seit über dreitausend Jahren ein Schauspiel ab, das nirgendwo sonst auf der Welt seinesgleichen hat – Leben und Tod, Gebet und Verbrennungsrauch, Morgenröte über dem Fluss und das flackernde Licht tausender Öllampen liegen hier so nah beieinander, dass die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits zu verschwimmen scheint. Mark Twain schrieb über die Stadt, sie sei „älter als die Geschichte, älter als die Überlieferung, älter sogar als die Legende – und doppelt so alt wie alle drei zusammen."

Varanasi – auch Kashi („Stadt des Lichts") oder Benares genannt – verdankt ihren Namen den Flüssen Varuna und Assi, die den Ganges hier im Norden und Süden einrahmen. Als heiligste Stadt des Hinduismus und Wohnsitz Lord Shivas glauben Millionen Gläubige, dass ein Bad im Ganges von Sünden reinigt und wer hier stirbt, aus dem Kreislauf der Wiedergeburt erlöst wird. Doch Varanasi ist weit mehr als ein Pilgerort: Die Stadt ist seit Jahrhunderten ein Zentrum der Gelehrsamkeit, der klassischen Musik, der Seidenweberei und der Sanskrit-Tradition. Auch der Buddhismus hat hier tiefe Wurzeln – im nahen Sarnath hielt Buddha nach seiner Erleuchtung seine erste Predigt.


Sehenswürdigkeiten

Ghats am Ganges

Das Herz von Varanasi schlägt an den über 80 Ghats, den breiten Steintreppen, die zum Ganges hinabführen. Der Dashashwamedh Ghat ist der berühmteste – jeden Abend versammeln sich hier Tausende zur Ganga Aarti, wenn Priester in safrangelben Gewändern mit meterhohen Flammenleuchtern synchrone Feuerrituale vollführen, begleitet von Glockenklang und Mantras. Der Ghat verdankt seinen Namen einer Legende, nach der Lord Brahma hier zehn Pferdeopfer (Dashashwamedha) durchführte.

Der Assi Ghat am südlichen Ende markiert die Mündung des Flusses Assi in den Ganges – morgens versammeln sich hier Yogis zur Meditation, und unter dem großen Pipalbaum finden regelmäßig klassische Musikdarbietungen statt. Am Manikarnika Ghat, dem heiligsten der Verbrennungsghats, lodern die Scheiterhaufen ununterbrochen, Tag und Nacht, seit Menschengedenken – hier, so glaubt man, verleiht Shiva persönlich den Verstorbenen die Erlösung. Es heißt, das ewige Feuer brenne seit über fünftausend Jahren. Der Rajghat im Norden, wo heute eine archäologische Ausgrabungsstätte liegt, bewahrt die Überreste einer Besiedlung, die bis ins 8. Jahrhundert vor Christus zurückreicht.

Tempel

Der Kashi Vishwanath Temple ist der bedeutendste Shiva-Tempel Indiens und einer der zwölf Jyotirlinga – der heiligsten Shiva-Heiligtümer. Die goldene Turmspitze, die dem Tempel seinen Beinamen „Goldener Tempel" gab, wurde 1839 vom Sikh-Maharaja Ranjit Singh mit 820 Kilogramm Gold verkleidet. Der 2021 eröffnete Kashi Vishwanath Corridor hat das Umfeld des Tempels mit einer weitläufigen Anlage aus Ghats, Gärten und Gebetshallen grundlegend verwandelt.

Der Durga Kund Tempel, im 18. Jahrhundert im nordindischen Nagara-Stil erbaut, ist der Göttin Durga geweiht und wegen der vielen Affen in seinem Gelände auch als „Affentempel" bekannt. Der Sankat Mochan Hanuman Temple, 1900 von dem Gelehrten Pandit Madan Mohan Malviya gegründet, zieht täglich Scharen von Gläubigen an, die den Affengott Hanuman um Befreiung von Sorgen bitten. Der Kal Bhairava Temple ehrt die furchterregende Erscheinungsform Shivas, die als Schutzgottheit über Varanasi wacht – nach alter Tradition muss jeder Bewohner der Stadt ihm mindestens einmal huldigen. Im Tulsi Manas Mandir, einem modernen Marmortempel, verfasste der Dichter Tulsidas im 16. Jahrhundert das Ramcharitmanas, die einflussreichste Hindi-Nacherzählung des Ramayana. Der Bharat Mata Temple ist weltweit einzigartig: Statt einer Gottheit befindet sich hier ein riesiges Reliefmodell Indiens aus Marmor, das Mahatma Gandhi 1936 einweihte.

Buddhistische Stätten

Nur zehn Kilometer nördlich von Varanasi liegt Sarnath, wo Buddha vor rund 2.500 Jahren seine erste Predigt hielt und das „Rad der Lehre" in Bewegung setzte. Der Dhamek Stupa, ein massiver zylindrischer Bau aus dem 5. Jahrhundert, markiert den genauen Ort dieser Predigt und beeindruckt mit fein gemeißelten geometrischen und floralen Ornamenten. Das archäologische Museum von Sarnath bewahrt das berühmte Löwenkapitell des Kaisers Ashoka, das heute als Nationalemblem Indiens dient.

Historische Bauwerke und Bildung

Das Ramnagar Fort am gegenüberliegenden Gangesufer ist die Residenz der ehemaligen Maharajas von Benares und beherbergt ein faszinierendes Museum mit Oldtimern, Waffen, astronomischen Uhren und einer Sammlung aus der Mogulzeit. Das Chunar Fort, etwa 40 Kilometer flussaufwärts auf einem Felsvorsprung über dem Ganges gelegen, wechselte über die Jahrhunderte zwischen hinduistischen, mogulischen und britischen Herrschern und bietet einen weiten Blick über die Flussebene.

Die Banaras Hindu University (BHU), 1916 von Pandit Madan Mohan Malviya gegründet, ist eine der größten Universitäten Asiens mit einem weitläufigen Campus, der eigene Tempel, Museen und den Bharat Kala Bhavan – eines der besten Kunstmuseen Indiens – umfasst. Südlich von Varanasi erstrecken sich das Kaimoor Wildlife Sanctuary und das Chandra Prabha Wildlife Sanctuary, die mit ihren Wäldern, Schluchten und Wasserfällen einen ruhigen Kontrast zum Trubel der Stadt bieten.


Küche

Varanasis Küche ist vorwiegend vegetarisch und untrennbar mit der spirituellen Identität der Stadt verbunden. Kachori Sabzi – knusprige, mit Gewürzen und Linsen gefüllte Teigtaschen, serviert mit würzigem Kartoffel-Curry – ist das beliebteste Frühstück der Stadt, das an unzähligen Straßenständen dampfend gereicht wird. Choora Matar, gepresster Reis mit Erbsen, Ghee und Gewürzen, wärmt an nebligen Wintermorgen, während Malaiyyo – eine luftige Safrancreme mit Pistazien und Kardamom – das legendärste Winterdessert ist, das nur in den kalten Monaten frühmorgens in Tonschalen verkauft wird und bis Mittag ausverkauft ist. Chena Dahi Vada, frittierte Linsenklöße in gewürztem Joghurt, und Tamatar Chaat, ein würziger Tomatensalat mit Kräutern, sind erfrischende Snacks für zwischendurch. Kein Besuch ist vollständig ohne Banarasi Paan – die berühmte Betelblattzubereitung mit Arecanuss, Rosenblättern, Gewürzen und süßer Paste, die nach dem Essen genossen wird – und eine Tasse der legendär cremigen Lassi, die hier dicker und reichhaltiger serviert wird als irgendwo sonst in Indien.


Einkaufen & Märkte

  • Banarasi-Seide – Die handgewebten Seidensaris mit aufwendiger Gold- und Silber-Zari-Arbeit gehören zu den kostbarsten Textilien Indiens und sind als Hochzeitssaris im ganzen Land begehrt
  • Vishwanath Gali – Labyrinthische Gassen rund um den Vishwanath-Tempel mit Geschäften für religiöse Artikel, Seidenstoffe und Souvenirs
  • Thatheri Bazaar – UNESCO-anerkannter Markt für traditionelle Kupfer- und Messingwaren, einer der ältesten seiner Art
  • Chowk – Der älteste Markt der Stadt mit Süßwaren, Paan-Ständen und alltäglichen Waren
  • Handgewebte Textilien und Holzspielzeug – Typische Miniatur-Tempel, Metallarbeiten und Seidenschals als Mitbringsel

Feste & Veranstaltungen

Varanasi feiert wie keine andere Stadt Indiens – hier wird das Göttliche nicht nur verehrt, sondern in rauschenden Festen erlebt. Dev Deepavali (November) ist das „Lichterfest der Götter": Am Vollmond des Kartik-Monats, fünfzehn Tage nach Diwali, erstrahlen sämtliche Ghats im Schein von über einer Million Öllampen, begleitet von Feuerwerk, Rangoli-Kunstwerken und Gesängen – ein Anblick, der selbst erfahrene Indienreisende sprachlos macht. Die Ganga Aarti findet zwar jeden Abend am Dashashwamedh Ghat statt, doch zu Festzeiten schwillt die Zeremonie zu einem Erlebnis von überwältigender Intensität an. Maha Shivaratri (Februar/März) verwandelt die gesamte Stadt in ein Shiva-Fest: Prozessionen ziehen durch die Gassen, Asketen versammeln sich an den Ghats, und der Kashi Vishwanath Temple wird die ganze Nacht hindurch von Gläubigen belagert. Holi (März) wird in Varanasi über mehrere Tage mit besonderer Ausgelassenheit gefeiert, und beim Nag Nathaiya (November) inszenieren Darsteller auf dem Ganges die theatralische Darstellung von Krishnas Sieg über die Schlange Kaliya – ein Schauspiel, das es nur hier gibt.


Praktische Informationen

Anreise

Der Lal Bahadur Shastri International Airport (VNS) liegt etwa 25 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und wird von Inlandsflügen aus Delhi, Mumbai, Kolkata und anderen Großstädten sowie einigen internationalen Verbindungen angeflogen. Varanasi Junction (BSB) ist einer der wichtigsten Bahnhöfe Nordindiens mit Direktverbindungen nach Delhi (etwa 12 Stunden), Mumbai, Kolkata, Chennai und vielen weiteren Städten. Über die National Highways ist Varanasi gut erreichbar – von Lucknow sind es etwa 300 Kilometer, von Prayagraj rund 125 Kilometer und von Patna circa 250 Kilometer.

Beste Reisezeit

Oktober bis März ist die ideale Reisezeit mit angenehmen Temperaturen zwischen 5 und 33 °C. Die Wintermonate November bis Februar bieten das schönste Wetter, auch wenn morgens dichter Nebel über dem Ganges liegen kann – ein stimmungsvoller Anblick. Die Sommermonate Mai und Juni sollten gemieden werden, wenn die Temperaturen über 43 °C klettern. Der Monsun (Juli–September) bringt ergiebige Niederschläge und lässt den Wasserstand des Ganges stark ansteigen, sodass die unteren Ghatstufen oft überflutet sind.


Klima-Übersicht

Monat Min °C Max °C Empfehlung
Jan 4,5 27,9 Beste Zeit
Feb 7,7 31,9 Beste Zeit
Mär 11,3 39,0 Gut
Apr 17,3 43,2 Heiß
Mai 20,8 45,2 Meiden
Jun 23,9 44,4 Meiden
Jul 24,0 39,1 Monsun
Aug 23,9 36,5 Monsun
Sep 22,6 36,1 Monsun
Okt 16,4 35,9 Beste Zeit
Nov 10,8 32,9 Beste Zeit
Dez 6,0 29,1 Beste Zeit

In der Nähe

  • Sarnath – Buddhas erste Predigt, Ashoka-Pfeiler (10 km)
  • Ramnagar Fort – Festung am gegenüberliegenden Ufer (15 km)
  • Chunar Fort – Historische Festung mit Ganges-Blick (40 km)
  • Prayagraj – Sangam (Zusammenfluss dreier Flüsse) (125 km)
  • Ayodhya – Geburtsort Lord Ramas (200 km)
  • Patna – Hauptstadt von Bihar (250 km)
  • Lucknow – Hauptstadt von UP, Nawabi-Architektur (300 km)
  • Gaya / Bodh Gaya – Buddhistische Pilgerstätte (250 km)
  • Khajuraho – UNESCO-Tempel in Madhya Pradesh (400 km)