Gujarat

Ein Garba-Tanz im Ambaji Tempel in Gujarat. Foto: Anurag Agnihotri

Gujarat, Geburtsort Gandhis, beherbergt die einzigen Asiatischen Löwen der Welt, die höchste Statue der Erde und drei UNESCO-Welterbestätten.

Region: Westindien | Hauptstadt: Gandhinagar

Gujarat ist das Land Gandhis, der Löwen und der Händler. Mit 196.024 km² und über 60 Millionen Einwohnern liegt der Staat an der Westküste Indiens und besitzt mit 1.600 km den längsten Küstenstreifen aller indischen Bundesstaaten. Gujarat ist Geburtsort von Mahatma Gandhi, beherbergt die einzigen Asiatischen Löwen der Welt im Gir-Nationalpark und die höchste Statue der Erde – die 182 m hohe Statue of Unity.

Die Gujaratis gelten als eines der geschäftstüchtigsten Völker Indiens – von den Diamantenschleifern in Surat bis zu den Textilhändlern in Ahmedabad. Gleichzeitig ist Gujarat eines der spirituellsten Reiseziele des Landes: Char Dham, Jyotirlinga, Jain-Heiligtümer und Gandhis Ashram liegen hier dicht beieinander.


Tourismus

UNESCO-Welterbestätten

Die historische Altstadt von Ahmedabad (UNESCO seit 2017) war die erste Stadt Indiens, die Welterbe-Status erhielt. Gegründet im 15. Jahrhundert, fasziniert sie mit über 600 kunstvoll geschnitzten Havelis, den berühmten Pols (Wohnvierteln mit eigener Gemeinschaftsstruktur) und architektonischen Meisterwerken wie der Sidi Saiyyed Mosque, deren filigranes Steinornament das Logo des IIM Ahmedabad inspirierte.

Der Rani ki Vav (UNESCO seit 2014) in Patan ist der kunstvollste Stufenbrunnen Indiens – ein umgekehrter Tempel, der sieben Stockwerke tief in die Erde reicht und über 500 Skulpturen beherbergt. Sein Bild ziert die 100-Rupien-Note. Der archäologische Park von Champaner-Pavagadh (UNESCO seit 2004) verbindet hinduistische Festungsarchitektur mit islamischen Moscheen – ein seltenes Zeugnis des kulturellen Übergangs im 15. Jahrhundert.

Rann of Kutch – Die weiße Wüste

Der Great Rann of Kutch ist die größte Salzwüste der Welt – eine endlose weiße Fläche, die sich bei Vollmond in eine surreale Mondlandschaft verwandelt. Das Rann Utsav (November–Februar) ist Gujarats spektakulärstes Festival: Zeltlager in der Wüste, Volksmusik, Kunsthandwerk der Kutch-Stämme und unvergessliche Sonnenuntergänge über dem weißen Horizont. Im Little Rann leben die seltenen Indischen Wildesel (Khur) – die letzte Population dieser Art weltweit. Bei Dholavira finden sich die Überreste einer 5.000 Jahre alten Harappan-Stadt, einer der größten Siedlungen der Indus-Tal-Zivilisation.

Gir – Die letzten Löwen Asiens

Der Gir Nationalpark ist der einzige Ort auf der Erde, an dem Asiatische Löwen in freier Wildbahn leben. Die Population hat sich von nur 20 Tieren Anfang des 20. Jahrhunderts auf über 670 erholt – eine der größten Artenschutz-Erfolgsgeschichten Indiens. Jeep-Safaris bieten gute Chancen, die Löwen in der offenen Savanne zu beobachten.

Gandhi-Stätten

Porbandar ist Gandhis Geburtsort – das Haus, in dem er 1869 geboren wurde, ist heute ein Museum. Der Sabarmati Ashram in Ahmedabad, von dem aus Gandhi 1930 den berühmten Salzmarsch startete, ist die wichtigste Gedenkstätte des Vaters der Nation. In Rajkot verbrachte Gandhi seine Schulzeit, und die Erinnerungsstätten dort erzählen von den frühen Jahren, die den späteren Freiheitskämpfer formten.

Spirituelle Stätten

Dwarka an der Westspitze Gujarats ist einer der vier Char Dham – die heiligste Pilgerstätte des Hinduismus. Der Dwarkadhish Temple soll an der Stelle stehen, an der der Gott Krishna seine Hauptstadt errichtete. Somnath beherbergt eines der zwölf Jyotirlinga – den Tempel, der sechsmal zerstört und siebenmal wieder aufgebaut wurde, ein Symbol unerschütterlichen Glaubens. Palitana mit seinen 863 Jain-Tempeln auf dem Shatrunjaya Hill ist das heiligste Pilgerziel der Jains weltweit.

Statue of Unity

Die Statue of Unity (182 m) am Sardar Sarovar Damm ist die höchste Statue der Welt – doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue. Sie ehrt Sardar Vallabhbhai Patel, den „Eisernen Mann Indiens", der nach der Unabhängigkeit über 500 Fürstenstaaten zur Indischen Union vereinte.

Archäologische Schätze

Lothal war einer der wichtigsten Häfen der Indus-Tal-Zivilisation (2400 v. Chr.) und beherbergt das weltweit erste dokumentierte Trockendock – ein Zeugnis erstaunlicher maritimer Ingenieurskunst vor über 4.000 Jahren. Der Sonnentempel von Modhera (11. Jahrhundert) ist so präzise ausgerichtet, dass die Sonnenstrahlen zur Tagundnachtgleiche exakt auf das Allerheiligste fallen – obwohl hier seit Jahrhunderten keine Puja mehr stattfindet.


Geschichte

Gujarats Geschichte reicht bis in die Indus-Tal-Zivilisation zurück – die Überreste von Lothal und Dholavira zeugen von einer Hochkultur vor über 4.000 Jahren. Der Legende nach verließ der Gott Krishna Mathura und gründete seine Hauptstadt in Dwarka an der Westküste.

Unter den Chalukya-Solankis (10.–13. Jahrhundert) erlebte Gujarat eine Blütezeit, die Handel, Architektur und Kunst hervorbrachte. Die Region war Schauplatz unzähliger Konflikte zwischen hinduistischen, muslimischen und Maratha-Herrschern. Die Gujarati-Händler knüpften ein weitverzweigtes Netzwerk über den Indischen Ozean – ein Handelsgeist, der bis heute lebendig ist. Nach der Unabhängigkeit 1947 wurden Saurashtra, das Unionsterritorium Kutch und das britische Gujarat zum zweisprachigen Staat Bombay vereinigt. 1960 erfolgte die Trennung in Gujarat und Maharashtra.


Klima & Geographie

Gujarat gliedert sich in drei Landschaftszonen: die Saurashtra-Halbinsel mit verstreuten Hügeln, die Kutch-Region mit der berühmten Rann-Salzwüste und das fruchtbare Festland entlang der Flüsse Narmada, Tapi und Sabarmati.

Jahreszeit Monate Temperatur Hinweis
Winter Oktober–Februar 15–30 °C Beste Reisezeit, Rann Utsav
Sommer März–Mai 30–45 °C Sehr heiß, besonders in Kutch
Monsun Juni–September 25–35 °C Feucht im Süden, trocken im Norden

Wirtschaft

Gujarat gehört zu den wirtschaftsstärksten Bundesstaaten Indiens – das Pro-Kopf-BIP liegt beim 2,5-Fachen des indischen Durchschnitts. Der Staat ist Indiens Hauptproduzent von Baumwolle, Tabak und Erdnüssen. Die Industrie umfasst chemische und petrochemische Produkte, Düngemittel, Pharmazeutika und Textilien.

Surat ist das Epizentrum des weltweiten Diamantenhandels – 90 % aller Diamanten weltweit werden hier geschliffen und poliert. Ahmedabad war einst als „Manchester des Ostens" bekannt und bleibt ein Zentrum der Textilindustrie. Der Hafen von Mundra ist der größte Privathafen Indiens.


Feste & Veranstaltungen

Navratri (September/Oktober) wird in Gujarat wie nirgendwo sonst gefeiert – neun Nächte lang tanzen Hunderttausende den Garba und Dandiya Raas, einen Stocktanz, der seinen Ursprung in der Krishna-Legende hat. Es ist das größte Tanzfestival der Welt. Das Uttarayan (14. Januar), das internationale Drachenfest, verwandelt den Himmel über Ahmedabad in ein buntes Meer aus Drachen – die ganze Stadt steigt auf die Dächer. Das Rann Utsav in der weißen Wüste von Kutch und das Modhera Dance Festival vor der Kulisse des Sonnentempels sind weitere Höhepunkte.


Küche

Gujarat ist berühmt für seine vegetarische Küche – der Staat hat einen der höchsten Anteile an Vegetariern in Indien. Das Gujarati Thali ist ein Erlebnis: eine Komplettmahlzeit aus bis zu 20 verschiedenen süßen, sauren, salzigen und scharfen Gerichten, serviert in kleinen Schälchen auf einem Metallteller. Dhokla (gedämpfter Kichererbsenkuchen) und Fafda (knuspriges Gebäck) sind das typische Sonntagsfrühstück. Khandvi, hauchdünne gerollte Grammmehl-Röllchen, gelten als eine der anspruchsvollsten Zubereitungen der indischen Küche. Undhiyu, ein winterlicher Gemüseeintopf mit über 15 Zutaten, wird traditionell in einem Tontopf kopfüber in der Erde gegart. Thepla, gewürzte Fladenbrote, sind das universelle Reiseproviant der Gujaratis.


Kunsthandwerk

Gujarats Textilkunst gehört zu den reichsten Indiens. Die Patola-Seide aus Patan ist ein legendäres Doppelgewebe-Ikat, bei dem beide Seiten des Stoffes identische Muster zeigen – ein Sari kann bis zu sechs Monate Arbeit erfordern. Bandhani (Knotenbatik) aus Kutch und Jamnagar leuchtet in Tausenden kleiner Punkte. Die Kutch-Stickerei mit ihrer charakteristischen Spiegelarbeit wird von verschiedenen Stammesgemeinschaften in jeweils eigenem Stil gefertigt. Die Bhujodi-Weberei und die seltene Tangaliya-Weberei aus Surendranagar runden ein Textilerbe ab, das seinesgleichen sucht.


Anreise

Gujarat ist hervorragend angebunden. Der Sardar Vallabhbhai Patel International Airport in Ahmedabad (AMD) bietet internationale Verbindungen. Weitere Flughäfen gibt es in Vadodara (BDQ), Rajkot (RAJ), Surat (STV) und Bhuj (BHJ). Per Bahn sind Ahmedabad und Vadodara wichtige Knotenpunkte an der Mumbai-Delhi-Strecke. Über die Straße ist Gujarat bestens mit Mumbai (ca. 6 Stunden ab Ahmedabad) und Rajasthan verbunden.


Städte

  • Ahmedabad – UNESCO-Stadt, Gandhis Ashram
  • Gandhinagar – Hauptstadt, Akshardham
  • Vadodara – Laxmi Vilas Palace, Kulturstadt
  • Surat – Diamantenhandel, Streetfood
  • Rajkot – Gandhis Schulzeit
  • Dwarka – Char Dham, Krishna-Stadt
  • Bhuj – Kutch-Hauptstadt, Textilkunst
  • Kutch – Rann Utsav, weiße Wüste
  • Champaner – UNESCO, archäologischer Park
  • Porbandar – Gandhis Geburtsort
  • Vadnagar – Historische Tore, Torana

Sehenswürdigkeiten

  • Rani ki Vav – UNESCO, Stufenbrunnen in Patan
  • Gir Nationalpark – Einzige Asiatische Löwen weltweit
  • Blackbuck National Park – Hirschantilopen in Velavadar
  • Marine Nationalpark – Korallenriffe im Golf von Kutch
  • Nal Sarovar Bird Sanctuary – Größtes Feuchtgebiet Gujarats
  • Vansda Nationalpark – Tropischer Regenwald

Wissenswertes

Gujarat überrascht mit Superlativen: Die Statue of Unity (182 m) ist die höchste Statue der Welt und doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue. Der Gir-Nationalpark ist der einzige Ort der Erde, an dem Asiatische Löwen frei leben – ihre Rettung von weniger als 20 Tieren auf über 670 ist eine der größten Artenschutz-Erfolgsgeschichten. In Surat werden 90 % aller Diamanten der Welt geschliffen. Ahmedabad war die erste indische Stadt, die UNESCO-Welterbe wurde. Und Lothal, vor über 4.000 Jahren erbaut, besaß das weltweit erste dokumentierte Trockendock – ein Beweis dafür, dass Gujarat schon immer eine Seefahrer- und Händlernation war.