Samstag, 21. Oktober 2017
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Aus dem Fenster sehen oder ein gutes Buch lesen sind gute Beschäftigungen auf langen Zugreisen. Foto: shortie

Zugreisen in Indien (6) – Tipps für lange Fahrten

Bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 60 km/h und den weiten Entfernungen kann eine Zugreise in Indien mitunter sehr, sehr lang dauern. Am besten fährt man über Nacht. Von Mumbai nach Goa (ca. 600 km) dauert die Reise z. B. rund 12 Stunden; von Delhi nach Mumbai (1.400 km) schafft man es in 16 Stunden. Von Delhi nach Chennai, eine Strecke von über 2.000 km, dauert die schnellste Verbindung bereits 28 Stunden. Bei solchen Reisezeiten ist man besser gut auf die Fahrt vorbereitet.

Auf die einfachsten Tipps kommen Sie sicher auch ohne uns: Bringen Sie sich ein (wirklich) gutes Buch zum Lesen mit. Schauen Sie ausgiebig, so lange es hell draußen ist, aus dem Fenster, um die vorbeiziehende Landschaft und das Leben der Menschen draußen zu betrachten. Beginnen Sie mit Ihren Mitreisenden ein Gespräch – das heißt, vermutlich werden Sie nicht lange darauf warten müssen und Ihre indischen Mitreisenden beginnen Ihnen Fragen über Ihr Heimatland, Ihren Beruf, Ihre Familie etc. zu stellen. Wundern Sie sich nicht, wenn die Fragen für unsere westlichen Begriffe teilweise Bereiche Ihres Lebens betreffen, über die man in Europa mit Fremden eher selten spricht. Sie dürfen gern die gleichen Gegenfragen stellen. Ihre indischen Reisebegleiter werden sich über Ihr Interesse sehr freuen.

Wenn Sie bestimmten Ernährungsrichtlinien folgen, bringen Sie sich unbedingt genügend zu essen mit. Es wird auf Langstreckenzügen von Indian Railways zwar auch Essen angeboten, aber die Gerichte, die Sie an Bord erhalten, sind selten wirklich gut. Meist gibt es Biriyani oder ein Thali, die den indischen Geschmacksvorlieben angepasst sind, aber trotzdem nicht sonderlich lecker sind. Es gibt aber auch Alternativen zu Indian Railways, die weitaus besser sein sollen. Bei TravelKhana (www.travelkhana.com) und MeraFoodChoice (www.merafoodchoice.com) kann man Essen vorbestellen, das dann in Restaurants zubereitet und von diesen an den gewünschten Bahnhof (innerhalb des angebotenen Netzes) geliefert wird. Getränkeverkäufer werden immer wieder mal durch den Zug ziehen und ihre Waren anbieten. Sorgen Sie vor der Abreise dafür, dass Sie genügend kleine Scheine bei sich haben. Besser ist es, sich ausreichend Wasser mitzunehmen. Ein kleiner Chai zwischendrin ist jedoch sehr belebend.

Wenn Sie über Nacht fahren, bereiten Sie sich darauf vor, dass Ihre Mitreisenden früh zu Bett gehen. Inder lieben es, ausgiebig zu schlafen, wenn sie ohnehin nichts besseres zu tun haben. Die meisten indischen Mitreisenden werden sich gegen 21.30 Uhr zur Ruhe begeben. Wenn Sie einen leichten Schlaf haben, bringen Sie sich entweder Kopfhörer oder noch besser Oropax mit. Wenigstens einer der Mitreisenden schnarcht garantiert immer.

Die Toiletten werden morgens am stärksten zwischen 8.00 und 9.00 Uhr frequentiert sein. Entweder stehen Sie noch früher auf oder Sie schlafen lange aus. Es gibt keinen großartigen Unterschied zwischen den Toiletten in der Sleeper Class oder den klimatisierten Abteilen, außer dass die Waschräume in den klimatisierten Wagen eventuell etwas sauberer sind. Meist sind beide Sorten Toiletten – westliche und indische – in den Zügen vorhanden. Wir empfehlen der Sauberkeit wegen die indischen. Vergessen Sie nicht, sich Desinfektionsmittel für die Hände (oder feuchte, desinfizierende Handwaschtücher) und Toilettenpapier selbst mitzubringen.

Zum Schluss noch ein Hinweis für Ihr Gepäck: Lassen Sie es möglichst nicht unbeaufsichtigt. Wertsachen sollten nicht offen herumliegen. Ihre Reisebegleiter sind zwar höchstwahrscheinlich ehrliche Menschen, aber manchmal steigen nachts Diebe in die Züge ein. Bringen Sie sich ein Schloss oder eine Kette mit, mit der Sie Ihr Gepäck irgendwo anschließen können. Dann werden Sie wohlbehalten mitsamt Ihrem Gepäck und Ihren Wertsachen am Ziel ankommen.

Die anderen Artikel zu unserer Serie „Zugreisen in Indien“ finden Sie unter:

Teil 1: Einleitung
Teil 2: Ein Ticket reservieren
Teil 3: Die verschiedenen Klassen
Teil 4: Die Warteliste
Teil 5: Den Bahnsteig und das richtige Abteil finden

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One comment

  1. Hallo,
    ein schöner Beitrag. Vielen Dank. Vor allem für jemanden wie mich, der auf langen Reisen unterwegs ist. Ich war vor ein paar Jahren in Indien. Und ich bin mit dem Zug gefahren und von dort auf unbefestigten Wegen weiter in die abgelegenen Dörfer zu Fuß. Und ja, es ist wunderschön und es gibt viele sehr freundliche Menschen dort. Es ist aber auch eine raue Landschaft. Also für jeden Tourristen ist es ein MUSS! Kann dazu noch diesen Artikel empfehlen: http://www.derneuemann.net/was-bei-zugreise-beachten/4099
    Nette Grüße

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