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Indien von innen - intensiv
Rainer Thielmann in Gujarat. Foto: Rainer Thielmann

„Indien von innen intensiv“: Ein Dichter reist in die Heimat Gandhis

Der indische Bundesstaat Gujarat hat nicht nur den längsten Küstenstreifen aller indischen Bundesstaaten zu bieten (ca. 1600 km), er ist auch die Heimat Mahatma Gandhis. Für den Dichter, Sänger und Fotografen Rainer Thielmann Grund genug, Gujarat länger zu bereisen und seine Eindrücke in dem neuen, hochwertigen Foto-Gedichtband „Indien von innen intensiv“ festzuhalten. Indien Aktuell unterhielt sich mit dem Künstler.

Indien Aktuell: Was hat Dich dazu gebracht, nach Gujarat zu reisen?

Rainer Thielmann: Ich habe das Wort Gujarat geträumt, wachte eines Morgens damit auf und dachte: Das muss ich mal googeln. Denn ich kannte es nicht. Es war für mich ein eindeutiges Zeichen, wieder nach Indien zu reisen. Ich habe es nicht bereut, Gujarat war eine tolle Erfahrung.

Wie lange warst Du dort und was hat Dir besonders gut gefallen?

Ich war zweimal dort, insgesamt knapp vier Monate. Als Dichter nehme ich mir immer viel Zeit, um ein Land oder eine Region zu erspüren und in Resonanz zu gehen. Erst dann kann ich meine Eindrücke und Erfahrungen künstlerisch abbilden. Ich empfinde diese Möglichkeit des Reisens nach wie vor als ein großes Privileg. Besonders schön fand ich die Insel Diu mit ihren unberührten Stränden und der relaxten Atmosphäre. Tief beeindruckt hat mich der Gandhi Ashram in Ahmedabad, ein spiritueller Ort der Stille. Außerdem waren die Besteigungen der heiligen Tempelberge auf der Kathiawar-Halbinsel ein Erlebnis.

Indien von innen
An einem der Strände von Diu. Foto: Rainer Thielmann

Und man hört, dass die Menschen Gujarats auch richtig gut feiern können …

Und wie! In Ahmedabad war ich zweimal auf dem jährlichen Kite-Festival, es dauert drei Tage. Der ganze Himmel ist dann voller bunter Drachen, die Kinder sind außer sich vor Aufregung und Glück, es war herrlich!

Gujarat ist „trocken“, d. h. es herrscht Alkoholverbot.

Man kann auch mal mit frischer Buttermilch anstoßen (lacht). Die Prohibition geht noch auf Gandhi zurück. Das heißt aber nicht, dass es keinen Alkohol gibt. Mitunter schien es mir, als ob der illegale Handel damit blüht. Für Touristen gibt es eine legale Ausnahmeregelung. Man erhält auf Wunsch einen „Trink-Pass“, der den Konsum reguliert, und kann damit an autorisierten Stellen, meist in Hotels, Alkohol kaufen.

In Gujarat wird Gujarati gesprochen. Wie bist Du sprachlich zurechtgekommen?

Ein paar Brocken Gujarati habe ich mir angeeignet, denn außerhalb der großen Städte sprechen die Menschen fast kein Englisch. Aber die Hilfsbereitschaft der Inder kennt ja bekanntlich keine Grenzen, sodass auch eine erst schwierig erscheinende Situation hinterher immer mit Fotos, Händeschütteln und viel Lachen endet. Das liebe ich an Indien, die Menschen sind einmalig.

Indien von innen - intensiv
Die Kinder sind besonders offen, freundlich und zugänglich. Foto: Rainer Thielmann

Wann entstand der Plan, ein Buch aus diesen zwei Gujarat-Reisen zu machen. Immerhin ist das Dein dritter Band über Indien.

Das ergab sich einfach so, es war nicht geplant. Im Laufe der ersten Reise zeichnete sich langsam ab, dass aus den Gedichten und Fotos vielleicht ein Buch werden könnte, in dem ich das unbekannte Gujarat mit dem weltbekannten Gandhi zusammenführen könnte. Gujarat steht, touristisch gesehen, im Schatten seines Nachbarstaates Rajasthan. Ich glaube, es hat mehr Aufmerksamkeit verdient, vielleicht kann das Buch ein wenig dazu beitragen.

Das klingt so, als hättest Du in „Gujarat Tourism“ einen Sponsor gehabt …

Schön wär´s gewesen (lacht). Ich habe alles selbst finanziert und organisiert. Aber das macht mich auch frei und unabhängig in meiner Arbeit. Ich lese gerade ein Buch von Swami Vivekananda über Karma-Yoga. Das Wichtigste, sagt er, sei das eigentliche Tun und nicht der Blick auf die möglichen Früchte der Arbeit. Es ist also gut, es fließen zu lassen und ganz im Moment zu sein, alles andere ergibt sich.

Deine Mischung aus Poesie und Fotografie ist nach wie vor einzigartig. Anders als in Reiseführern, wird Indien fühlbar. Sind die knapp 300 Fotos im Buch auch wieder alle von Dir?

Ja, bis auf einige wenige, die wir von der „Gandhi Serve Stiftung“ in Berlin lizenziert haben. Denn ich wollte einige offizielle Gandhi-Bilder im Buch haben. Das Fotografieren macht mir nach wie vor große Freude. Aber ich warte nicht stundenlang auf besseres Licht, fotografiere lieber spontan und aus dem Bauch. Neben den Fotos und Gedichten haben wir übrigens einen umfangreichen Info-Teil im Buch, der viel Wissenswertes über Gandhi und Gujarat bietet.

Indien von innen - intensiv
Gandhi allerorten. Foto: Rainer Thielmann

Du bist ja auch als Sänger aktiv und hast dem Buch erneut einen Song beigefügt …

Es sind diesmal sogar zwei Songs. Ich arbeite seit vielen Jahren mit dem Musikproduzenten Andy Horn zusammen. Natürlich eignet sich nicht jedes Gedicht zum Vertonen. Andy hat für zwei Gedichte, die ihm besonders gut gefielen, Musik geschrieben. Es sind sehr berührende Lieder geworden. Die Leser können diese Lieder nicht nur anhören, sondern auch kostenlos abspeichern.

Planst Du auch wieder Live-Auftritte mit dem neuen Buch?

Ich hoffe, dass ich im nächsten Jahr ein neues Programm über Gandhi und Gujarat zusammenstellen kann. Ich bin mit dem Gandhi-Thema ja unfreiwillig aktuell. In der heutigen Zeit voller Schreckensnachrichten und Gewalteruptionen brauchen wir eine Rückbesinnung auf die Wahrheit, die laut Gandhi nur über Gewaltlosigkeit erlangt werden kann. Solch einen Propheten der Liebe und Sanftmut benötigen wir heute mehr denn je. Insofern liegt mir die Live-Umsetzung des Buches am Herzen. Ich hoffe, dass sich 2017 viele Veranstalter dafür finden.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Weitere Infos auf www.indienvoninnen.de

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