Samstag, 21. Oktober 2017
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Bollywood auf Kreuzfahrt: Indien als Wachstumsmarkt

Indien rückt immer mehr in den Fokus großer Kreuzfahrtunternehmen – und damit auch in den Fokus von Touristen. Und das betrifft sowohl europäische und amerikanische Touristen, die mit bekannten Kreuzfahrtunternehmen den Subkontinent entdecken möchten, als auch Inder selbst. Schon im September 2015 wurde in einer Umfrage festgestellt, dass 61 % der befragten Inder sich eine Kreuzfahrt vorstellen könnten: „India [is] not only [a] growth destination, [it is] also seeing dynamic demand“.

Beim Kreuzfahrtanbieter Royal Caribbean erkannte man schon 2013 das Potenzial. Indien gehöre zu den „high-potential source markets“ und man rechne dort mit einem „mid- to long-term growth“. Dementsprechend handelte man beim Kreuzfahrtriesen aus den USA. Am 27. Oktober 2015 legte mit der Explorer of the Seas erstmals ein Kreuzfahrtschiff der Flotte in Indien an – und zwar in Goa. Im derzeitigen Kreuzfahrtplan ist Indien ebenfalls wieder enthalten. Zehn Tage geht es vom Ausgangspunkt Neu Delhi über Jaipur, Ranthambhore, Agra bis zum Tadsch Mahal und wieder zurück nach Delhi. Der Konzern hat angekündigt, sein Indien-Angebot auszubauen.

Ein Monat Bollywood im Mittelmeer

Dieser Bedarf bzw. diese Attraktivität von Kreuzfahrtreisen für Inder, wird u. a. auch von Bollywoodproduktionen angefeuert. Das zeigen die im Folgenden aufgezeigten Bollywood-Filme und Musikclips, die zum Teil bzw. ganz auf Kreuzfahrtschiffen gedreht wurden. Hier als erstes zu nennen, ist sicherlich „Dil Dhadakne Do“, deutscher Titel „Ozean der Träume“. Die Dramödie mit den indischen Superstars Anil Kapoor und Priyanka Chopra (die u. a. auch im Baywatch-Kinofilm mitspielt) kam im Jahr 2015 in die Kinos. Im Mittelpunkt steht eine dysfunktionale Familie, die aus mehr Schein, als Sein besteht, kam im Jahr 2015 in die Kinos Gedreht wurde der gesamte Film innerhalb eines Monats auf einer Mittelmeerkreuzfahrt von Pulmantur Cruises und war äußerst erfolgreich.

Bereits im Jahr 2000 hatte das Multitalent Rakesh Roshan als Regisseur, Hauptdarsteller, Produzent und Musik-Verantwortlicher einen Teil des Films „Kaho Naa … Pyaar Hai – Liebe aus heiterem Himmel“ gedreht auf einem Kreuzfahrtsegler gedreht. Und er war nicht der erste, denn nur ein Jahr früher lief „Mann“, ein Remake der Hollywood-Schmonzette „Die große Liebe meines Lebens“ (1957) in den indischen Kinos an. Hier wie dort verliebt sich ein Paar an Bord eines Kreuzfahrtschiffes, wird tragisch getrennt und findet sich am Ende des Filmes wieder.

Liebesromanzen und Thriller auf See

Generell sind Drehs auf Kreuzfahrtschiffen in Bollywood über die Jahre zum Usus geworden. Ob die von einer Alzheimerkrankheit überschattete Liebesromanze „U, Me Aur Hum – Für immer wir“ oder der romantische Thriller „Humraaz“ (Mitwisser) – beide Filme waren Kassenschlager. Letztgenannter verknüpft die traditionelle Liebesgeschichte mit großem Drama und einer Extradosis Thrill. Eine auf einem Kreuzfahrtschiff gestartete Dreiecksbeziehung eskaliert hier. Mord und Totschlag sind die Folge. Im Mittelpunkt steht hierbei die auch schon im o. g. Film „Liebe aus heiterem Himmel“ mitspielende Ameesha Patel  als Femme Fatale.

Wer wird die Nummer 1?

Bollywood hat also den Kreuzfahrt-Boom „vorausgesagt“, wenn nicht sogar befeuert. Befuhren bisher pro Jahr geschätzt etwa 100.000 Inder und Inderinnen die Ozeane an Bord eines Kreuzfahrtschiffs, so sind sich die Experten sicher, dass sich diese Zahl innerhalb von nur fünf Jahren verdreifachen wird. Um auf diesem wachsenden Markt der Sieger zu sein, gibt es unterschiedliche Taktiken. Zum einen setzen viele Anbieter auf Mini-Kreuzfahrten mit nur wenigen Tagen Reisedauer. Zum anderen, so vermutet Gavin Smith, Regional Vice President Asia Pacific von Royal Caribbean, sind Angebote für Familien aus der oberen Mittelklasse so etwas wie „the nursery for future growth.“

Doch bis dahin sind auch noch einige meist infrastrukturelle Probleme zu lösen. Das größte davon: Obwohl Indien eine mehr als 7.000 Kilometer lange Küste hat, sind die meisten Hafenanlagen für moderne Kreuzfahrtriesen nicht geeignet. Zudem würden wesentlich mehr Inder wahrscheinlich mit einem Kreuzfahrtschiff verreisen, das „direkt“ vor der Tür abfährt, also fest in einem indischen Hafen stationiert wäre, so Smith. Bis es so weit ist, wird noch ein wenig Zeit ins Land gehen, und viele Inder und Inderinnen werden zusätzlich zu den Kreuzfahrttickets auch noch teure Flüge nach Europa oder in die USA bezahlen müssen.

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