Freitag, 24. November 2017
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Film Lipstick under my Burkha
Szene aus "Lipstick under my Burkha" (Foto: IndoGerman Filmweek)

IndoGerman Filmweek – Kino-Highlights aus Indien

Wer indische Filme liebt und im Juli in Berlin ist, kann sich im Juli auf Kino-Highlights bei der IndoGerman Filmweek freuen. Vom 13. bis 20. Juli 2017 zeigt das Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte wieder eine hervorragende Auswahl aus der immens produktiven indischen Filmindustrie. Dort wird zwar auch viel – nun, sagen wir mal – Massenware produziert, aber auch immer wieder herausragende Filme von bollywoodunabhängigen Filmschaffenden, Filme, wie man sie sich von der europäischen Filmindustrie gerne wünschen würde.

30 Kino-Highlights aus Indien zeigt das Festival dieses Jahr, darunter 11 Deutschlandpremieren und eine Berlinpremiere. Die beherrschenden Themen sind das Leben, der Tod und die Erlösung. Festivalgast ist der Schauspieler Adil Hussain, der in „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ Santosh Patel, den Vater der Hauptfigur Pi Patel, gespielt hat und die Hauptrolle im Eröffnungsfilm „Hotel Salvation“ spielt.

Preisgekrönter Eröffnungsfilm

Kino-Highlights aus Indien: Szene aus "Hotel Salvation"
Szene aus “Hotel Salvation”. Foto: Red Carpet Pictures

Als Berlin-Premiere wird „Hotel Salvation“ (Originaltitel: Mukti Bhawan) die 5. IndoGerman Filmweek am 14. Juli 2017 um 19:30 Uhr in Anwesenheit der indischen Botschafterin Mukta Dutta Tomar eröffnen. Mit dabei: Hauptdarsteller Adil Hussain und das preisgekrönte, erst 25 Jahre junge Regietalent Shubashish Bhutiani. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig und erhielt nach Standing Ovations den Grand Prix „Enricho Fulchignoni“ und die UNESCO Gandhi Medaille. Bei den National Awards in Indien wurden der Film und Adil Hussain als bester Darsteller ausgezeichnet.

Beim Filmfestival in Venedig wurde "Hotel Salvation" gefeiert.
Beim Filmfestival in Venedig wurde “Hotel Salvation” gefeiert. Foto: Red Carpet Pictures

Nach einer Festivalreise quer über den Globus kehrt Shubashish Bhutiani nach Berlin zurück, der Stadt, in der er am Drehbuch für seinen nächsten Film arbeiten will und die er im Februar 2017 als Teilnehmer des Berlinale Talent Campus kennen und lieben gelernt hat. „Hotel Salvation“ wird Ende des Jahres in den deutschen Kinos zu sehen sein und könnte ein „würdiger Nachfolger“ für den  erfolgreichen, indischen Film „Lunchbox“ werden.

„Hotel Salvation“ erzählt die Geschichte von Vater und Sohn, als kongeniales Gespann Lalit Behl („Ein Junge namens Titli“) und Adil Hussain („Life of Pi“), die zusammen nach Varanasi reisen, weil der Vater glaubt, seine Zeit sei gekommen, um zu sterben. Der deutsche Verleiher zitiert für das sehr berührende, aber auch mit vielen komischen Momenten versehene Drama die indische Presse mit den Worten: „Wenn du in dieser Woche, diesem Monat, diesem Jahr – oder in diesem Leben – nur einen Film siehst, dann lass es diesen sein.“ Beim Filmfestival in Venedig sorgte der Film für Standing Ovations.

Kino-Highlights mit Adil Hussain

In einem Prolog sind am Donnerstag, 13. Juli drei Filme mit Adil Hussain zu sehen: In „Englisch für Anfänger“ (Originaltitel: English Vinglish) spielt Adil Hussain den besorgten Ehemann, der seiner Frau nicht zutraut, dass sie mit ihrem katastrophalen Englisch in New York eine neue Existenz aufbauen kann. In „Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger“ spielt Adil den indischen Zoodirektor, Vater von Pi und in „Sunrise“ (13.7. um 22 Uhr) gibt Adil Hussain Inspektor Joshi, der auf der Suche nach seiner kleinen Tochter ist, die vor zehn Jahren im Nachtclub-Moloch Mumbais verschwand.

Preisgekrönte Filme als Deutschlandpremieren

Kino-Highlights aus Indien - "Joker"
Szene aus “Joker”. (Foto: IndoGerman Filmweek)

Als Deutschlandpremieren sind weitere preisgekrönte Filme zu sehen, darunter die bitterböse tamilische Satire „Joker“, die die Korruption in Indien aufs Korn nimmt. Dessen Protagonist Manna, ein einfacher Dorfbewohner, erklärt sich kurzerhand zum Präsidenten Indiens, um gegen die Widersprüchlichkeiten der Regierung zu protestieren. „Joker“ wurde bei den 64. National Awards in Indien als bester Film in der tamilischen Sprache ausgezeichnet.

Neben den besten Filmen in den indischen Sprachen Konkani (Deutschlandpremiere „K Sera Sera“) und Marathi (Deutschlandpremiere „Dashakriya“) zeigt die IndoGerman Filmweek „Death in the Gunj“ als Deutschlandpremiere in der Originalfassung (Hindi) mit englischen Untertiteln in Anwesenheit der Filmemacherin Konkona Sen Sharma, die für ihren Film beim Mumbai Filmfestival die Auszeichnung als beste weibliche indische Filmemacherin erhielt.

Kino-Highlights aus Indien - Szene aus "Death in the Gunj"
Szene aus “Death in the Gunj” (Foto: IndoGerman Filmweek)

Daneben ist Konkona Sen Sharma als eine von vier Hauptdarstellerinnen im Film „Lipstick under my Burka“, der mit zehn internationalen Filmpreisen ausgezeichnet wurde, zu sehen. Der Film erzählt die Geschichten von vier Frauen in ihrem Kampf um mehr Selbstbestimmung: Ein Mädchen, das Burka trägt und an der Uni studiert, geht ihrem Traum nach und will ein internationaler Popstar werden. Das indische „Censor Board“ hatte die Freigabe für einen Kinostart verweigert. Die Geschichte sei frauenaffin mit einer Phantasie, die über das alltägliche Leben hinausgehe und der Film enthalte sexuelle Darstellungen und obszöne Schimpfwörter. Nachdem diese Entscheidung in Indiens Kreativszene einen Sturm der Entrüstung auslöste, legten die Filmemacher Einspruch ein und erhielten ein „A“ (Adults) Certificate – vergleichbar mit einer Freigabe ab 18 Jahren in Deutschland.

Weitere Film-Highlights

Kinohighlights aus Indien - Szene aus "Trapped"
Szene aus “Trapped” (Foto: IndoGerman Filmweek)

„Trapped“ in Anwesenheit von Vikramaditya Motwane, „Maroon“ von Pulkit und der wundervolle Dokumentarfilm Cinema Travellers in Anwesenheit von Shirley Abraham und Amit Madheshiya sind weitere Deutschlandpremieren auf der IndoGerman Filmweek. „Cinema Travellers“ erzählt von fahrenden Schaustellern, die mit Kino-Lkws übers Land ziehen, um einmal im Jahr Kinofilme in die entlegendsten Dörfer Indiens zu bringen. Nach nunmehr sieben Jahrzehnten brechen die Projektoren beinahe zusammen und bei immer knapper werdenden 35mm-Filmrollen lassen sich ihre Kunden von glatter, digitaler Technik locken. Doch ein wohlwollender Schausteller, ein schlauer Verleiher und ein eigenbrödlerischer Projektor-Mechaniker tragen diese schöne Last, um die letzten reisenden Kinos der Welt am Leben zu halten.

Arthouse-Filme auf dem Vormarsch

Festivalorganisator Stephan Ottenbruch: „Nach wie vor bestimmen einige Stars wie Shah Rukh, Aamir und Salman Khan, von denen wir die aktuellsten Werke zeigen, die Blockbuster-Szenerie des indischen Kinos. Angetrieben durch die Bedürfnisse der wohlhabenden Mittelschicht erobern immer mehr junge Talente mit kleinen Arthouse-Produktionen Leinwände in indischen Großstädten und reüssieren auf internationalen Festivals. Der indische Mischkonzern Tata hat gar ein eigenes Studio (Cinestaan) gegründet, das mit Filmen wie ‚Death in the Gunj’ und ‚Hotel Salvation’ ganz auf junge, aufstrebende Talente und den internationalen Arthouse-Markt setzt.“

Stephan Ottenbruch war TV-Produzent von 44 Folgen „Kookaburra – Der Comedy Club“ (Sat1-Comedy, Regie: Dietrich Brüggemann). Für ein deutsch-indisches Filmprojekt reiste er 2010 erstmals nach Mumbai und ist seitdem von dieser Filmstadt fasziniert. 2011 gründete er die IndoGerman Initiative und startete 2013 auf Anregung von Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossman das größte indische Filmfestival in Berlin, die IndoGerman Filmweek. Seit 2014 ist er Kurator der Reihe „IndoGerman Films“ im Babylon.

Umfangreiches Rahmenprogramm

Samstagvormittag treten drei Studenten-Teams gegen ein Team der indischen Botschaft beim ersten Street Cricket Cup an. Treffpunkt Samstag, 15.7.2017 um 10 Uhr auf dem Tempelhofer Feld. Das umfangreiche Rahmenprogramm wird von AMIKAL e.V. organisiert.

IndoGerman Filmweek

vom 13. bis 20. Juli 2017
in Berlin, Kino Babylon (am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte)
Weitere Infos: www.babylonberlin.de

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