Dienstag, 25. September 2018
Home - Magazin - Kultur - Ganesh Chaturthi – Das Fest des indischen Elefantengottes

Ganesh Chaturthi – Das Fest des indischen Elefantengottes

Ganesh Chaturthi gehört zu den bedeutendsten hinduistischen Festen in Indien. Hindus in aller Welt feiern jedes Jahr im Hindu-Monat Bhadra (Mitte August bis Mitte September) mit diesem Fest den Geburtstag des Elefantengottes Ganesha. 2018 findet das Fest am 13. September statt.

Ganesha gilt als die Verkörperung von Weisheit, Glück und Erfolg und als ein Zerstörer von Bösem und Hindernissen, sodass gläubige Hindus fast nichts ohne Ganeshas Beistand beginnen. Im Bundesstaat Maharashtra und in Mumbai wird der Elefantengott besonders ausschweifend gefeiert. Dort dauert das Fest zehn Tage lang. Aber auch Hyderabad, Chennai oder Bangalore gehören zu den Hochburgen der Ganesha-Feiern.

Mythologischer Hintergrund

Ganesha war der Sohn von Lord Shiva und seiner Gattin Parvati und ursprünglich ein ganz normaler Säugling. Allerdings hatte ihn Parvati selbst erschaffen, als Shiva gerade nicht zuhause war. Sie formte ihn aus Lehm, übergoss ihn mit Wasser aus dem Ganges und erweckte ihn so zum Leben. Dann setzte sie Ganesha als Wache vor ihr Haus. Als Shiva nach Hause zurückkehrte, versperrte ihm Ganesha den Zutritt. Wütend schlug Shiva dem für ihn Fremden den Kopf ab. Vor Kummer über den Tod ihres Sohnes brach Parvati zusammen. Um sie zu trösten, schickte Shiva seine Gefolgsleute aus, die ihm den Kopf des erstbesten Lebewesens bringen sollten, das sie schlafend antreffen würden. Die Truppen fanden einen jungen schlafenden Elefanten und brachten Shiva dessen Kopf, den Shiva am Körper des Jungen befestigte. Shiva gab Ganesha das Leben zurück und machte ihn zum Führer seines Heeres. Seitdem trug er den Namen „Ganapati“ (Gebieter der Scharen). Shiva segnete Ganesha, damit die Menschen im huldigen würden und vor jeder Unternehmung um seinen Beistand ersuchten.

Es gibt noch eine andere Version der Geschichte, die allerdings weniger populär ist. In dieser Version bat Shiva seine Frau Parvati, ein Jahr lang zu fasten (das sogenannte punyaka vrata), um Vishnu zu gefallen, damit sie einen Sohn gebäre. Als tatsächlich ein Sohn geboren wurde, kamen alle Götter und Göttinnen, um dessen Geburt zu feiern. Lord Shani, der Sohn des Sonnengottes Surya, war ebenfalls anwesend, weigerte sich aber das Kind anzusehen. Irritiert von diesem Verhalten, fragte ihn Parvati, warum er wegsah. Shani erklärte, das sein Blick dem Kind schaden könne. Doch Parvati bestand darauf, dass er ihren Sohn betrachtete. In dem Augenblick, in dem Shani dies schließlich tat, wurde der Kopf des Kindes abgetrennt. Die Götter wehklagten, doch Vishnu eilte zum Ufer des Flusses Pushpabhadra und brachte von dort den Kopf eines jungen Elefanten mit. Diesen setzte er auf den Körper des Jungen und erweckte ihn so wieder zum Leben.

Das Fest

Schon Monate vor dem eigentlichen Fest werden in allen möglichen Größen, von wenigen Zentimetern hoch bis zu über sieben Metern, Tonfiguren von Ganesha hergestellt, sogenannte Murtis (Abbilder von Göttern). Diese werden am ersten Festtag reich geschmückt und von Priestern geweiht. Dann wird ihnen tagelang gehuldigt und es werden Opfer dargebracht. Am letzten Tag werden die Ganesha-Figuren in einer fröhlich-bunten Prozession mit Musik und Tanz zum Fluss oder ans Meer getragen und dort versenkt, um Ganesha symbolisch zu seiner Reise zu seinem Domizil am Kailash zu verabschieden. Mit ihm soll dann auch alles Unglück verschwinden.

Traditionell sind die Figuren im Übrigen aus Ton gefertigt. Sie lösen sich relativ schnell im Wasser auf und sind so kein größeres Problem für die Umwelt. Seitdem die Figuren auf einer eher kommerziellen Basis hergestellt werden, hat sich aber auch die Fertigung von Gipsfiguren verbreitet, weil dessen Verarbeitung einfacher ist und er auch billiger als Ton ist. Leider sind Gips und die chemischen Farben, mit denen er bemalt ist, nicht so umweltverträglich. Doch ist schon wieder eine Rückkehr zur traditionellen Herstellung der Figuren in Sicht. Der indische Bundesstaat Goa hat die Gipsfiguren bereits verboten. Andere Bundesstaaten, da sind wir sicher, werden diesem Beispiel folgen.

In Südindien isst man gern die süßen Modaks zu diesem Fest. Foto: Anupama (flickr)
In Südindien isst man gern die süßen Modaks zu diesem Fest. Foto: Anupama (flickr)

Leckereien zum Fest

Süßigkeiten gehören natürlich auch zu diesem indischen Fest. Eine der beliebtesten Süßspeisen ist Modak, ein Klößchen aus Reis- oder Weizenmehl mit einer Füllung aus Kokosnuss, Palmzucker und Trockenobst. Die Klößchen werden entweder gekocht oder gebacken. Eine weitere beliebte Süßspeise ist Karanji. Im Grunde wird Karanji genauso wie Modak zubereitet und schmeckt natürlich auch so ähnlich, nur die Form der Karanjis ist nicht kugel-, sondern sichelförmig.

In Andhra Pradesh trinkt man zu Ganesh Chathurthi Panakam, ein Getränk aus Wasser, Palmzucker, getrocknetem Ingwer oder schwarzem Pfeffer und Kardamom. Man opfert dem Gott u. a. Vadapappu (eingeweichte Linsen oder Mungbohnen) oder Chalividi (eine Art Reispudding) oder Palathalikalu (Reisnudeln in süßer Milch), die natürlich auch gerne gegessen werden.

Ein fröhliches Fest

Zu diesen Festtagen kommen in Indien ganze Gemeinden zusammen, um Ganesha zu feiern. Es ist ein fröhliches Fest – und manchmal ist es mit angenehmen Nebenwirkungen verbunden, denn oft erhält man während des Festes auch einen kostenlosen medizinischen Check-up in den Festzelten, es gibt Stellen zum Blut spenden, Wohltätigkeitsveranstaltungen für die Armen, Theater- und Filmvorführungen und vieles mehr.

Ganesha, der elefantenköpfige Gott, der eine Maus reitet, gehört zu den gängigsten Bildern, die wir im Westen vom Hinduismus im Kopf haben. Das zeigt nicht nur, wie wichtig er ist, sondern auch wie beliebt und allgegenwärtig die Elefantengottheit bei der Mehrheit der Inder ist.

Auch Interessant:

Foto: (c) Sabri Dridi / Sandeep Kumar Films

Weltreligion im Keller: Die Welt der Hindus in Österreich

Obwohl jeder siebte Erdenbürger Hindu ist, wurde die drittgrößte Religion der Welt in Österreich bisher …

Schreibe einen Kommentar