Montag, 19. Februar 2018
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Foto: San Sharma

Diwali – das Fest der Lichter

Diwali ist eines der wichtigsten Feste im Hinduismus, vergleichbar mit unserem Weihnachten.

Das Wort „Diwali“ ist eine verkürzte Form von „Deepawali“ und bedeutet in etwa „Lichterschwarm“ oder „Anordnung von Lichtern“. Licht spielt eine große Rolle bei diesem Fest. Mit Lampen soll unter anderem den Seelen der Verstorbenen der Weg ins Nirwana geleuchtet werden. Hier gibt es Parallelen zu unseren christlichen Festen. Etwa zur gleichen Zeit wie Diwali feiern wir Halloween oder den Totensonntag, der sich auch mit den Seelen der Verstorbenen beschäftigt und bei dem Kerzen oder Lichter eine große Rolle spielen.

Trotz dieser Bezüge zum Jenseits ist Diwali eines der fröhlichsten Feste in Indien. Die Häuser und Wohnungen werden gründlich gereinigt und ausgiebig geschmückt. Es werden Einkäufe getätigt wie bei uns zu Weihnachten: neue Kleider für die Familie, Geschenke, Küchenutensilien, Schmuck und vieles mehr gekauft. Rangolis, diese schönen kreativen Muster aus buntem Pulver, werden vor die Türen gemalt, Feuerwerke vorbereitet und der Duft von Räucherstäbchen liegt in der Luft.

In vielen Regionen Indiens beginnt nach Diwali ein neues Geschäftsjahr, auf das man gut vorbereitet sein sollte. So huldigt man in diesen Gegenden an Diwali Lakshmi, der Göttin des Wohlstands, z. B. indem man auf seine Bankunterlagen ein Bild von Lakshmi legt und für gute Einnahmen im kommenden Jahr betet. Auch hier ist Licht wieder ein wichtiges Element der Zeremonie. Es heißt, nur gut beleuchtete Häuser werden von Lakshmi besucht.

Diwali – das indische „Weihnachten“

In jeder Hinsicht ist Diwali ein fröhliches Fest und ähnelt in vielen Aspekten unserem Weihnachten: Die Kinder erhalten Geschenke, man zieht seine besten Kleider an, schickt sich gegenseitig Diwali-Karten, besucht Freunde und Verwandte, genießt leckeres Essen und vor allem ganz viele Süßigkeiten.

Diwali weltweit

Im Übrigen wird Diwali nicht nur in Indien begangen. Diwali ist auch in Nepal, Sri Lanka, Myanmar, auf Mauritius, in Guyana, Trinidad und Tobago, Suriname, Malaysia, Singapur und auf den Fidschi-Inseln ein Feiertag. Dank vieler indischer Mitbürger in Deutschland finden Sie sicher auch in Ihrer Nähe eine schöne Diwali-Feier, an der Sie teilnehmen können.

Foto: shutterstock
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Regionale Varianten von Diwali

Das Fest hat nicht überall in Indien den gleichen Ursprung. Die mythologischen Bezüge von Diwali sind je nach Region verschieden.

In Nordindien feiert man die Rückkehr von Gott Rama, der nach 14 Jahren im Exil endlich wieder in die Hauptstadt Ayodhya zurückkehrte und den Dämonen Ravana besiegte. In der Legende heißt es, die Menschen stellten entlang des Weges für Rama Öllampen auf, damit er den Pfad in der Dunkelheit sehen konnte. So steht es jedenfalls im großen indischen Nationalepos Ramayana. Andere Quellen behaupten, die Lichter wurden aus Freude über den Sieg des Guten über das Böse angezündet.

In Südindien glauben die Menschen, dass Krishna an Diwali einen Dämonen besiegte, der Tausende von Frauen in Gefangenschaft gehalten hatte.

In Bengalen (Ostindien) verehrt man zu Diwali die schwarze Göttin Kali, die sowohl den Tod als auch die Überwindung des Todes versinnbildlicht. Hier lässt man Knallfrösche krachen und entzündet Feuerwerke ähnlich wie in Deutschland zu Silvester.

Riten und Gebräuche

So unterschiedlich die Sitten und Gebräuche in den verschiedenen Regionen Indiens sind, eines ist immer gleich: Es wird der Sieg des Guten über das Böse bzw. des Lichtes über die Dunkelheit gefeiert. Überall sind die Fenster der Häuser mit kleinen Öllampen, sogenannten Diyas, dekoriert – heute auch mit elektrischen Lichterketten. Man hängt Lampen in Bäume und stellt Kerzen auf die Dächer. In bewohnten Gegenden sieht man die vielen Lichter schon aus der Ferne leuchten.

Je nach Region dauert Diwali zwischen einem und fünf Tagen. Überall beginnt das Fest am 15. Tag des Hindumonats Kartik, der sich nach dem Lauf des Mondes richtet (zwischen Ende Oktober und Anfang November). Jeder Tag des fünftägigen Diwali-Festes hat seine eigene Funktion. In Nordindien wird z. B. folgendermaßen gefeiert:

Der erste Tag heißt Dhanvantari Triodasi or Dhanwantari Triodasi (Dhan bedeutet Reichtum). Man räumt sein Haus auf und schmückt es, kauft neue Kleidung und Kochutensilien, aber auch Wertgegenstände und Schmuck. Man huldigt Dhanvantri, dem Gott des Wohlstands, und Lakshmi, der Glücksgöttin, und bittet um Erfolg, Gesundheit und Wohlstand.

Der zweite Tag des Festes ist Naraka Chaturdashi oder Kali Chaudas. An diesem Tag soll Krishna den Dämonen Narakasur besiegt haben. Zum Ritual des Festes gehört, dass die Menschen vor Sonnenaufgang aufstehen und ein Bad nehmen, möglichst mit wohlriechendem Öl. Man zündet Öllämpchen an und schmückt den Eingang vor dem Haus mit Kolams. Das sind Bilder aus weißem oder gefärbtem Reismehl.

Der dritte Tag ist der Göttin Lakshmi geweiht und wird Lakshmi Puja genannt. Er gilt in Nordindien als wichtigster Tag der Festlichkeiten. Die Lichter sollen Lakshmi begrüßen, denn es heißt, dass sie nicht in Wohnungen einkehre, vor denen keine Lichter stehen, die nicht aufgeräumt und gesäubert wurden. Die Familien kommen an diesem Tag zusammen, beschenken sich mit Süßigkeiten oder anderen Geschenken, man isst gut und besucht eventuell Verwandte, Nachbarn oder Freunde. Auch für Ladenbesitzer hat dieser Tag eine besondere Bedeutung. Sie reinigen und streichen ihre Geschäfte und legen neue Geschäftsbücher an. Für das kommende Jahr bitten sie Lakshmi um Erfolg.

Der vierte Tag wird Govardhan Puja genannt. Er gilt als der Neujahrstag, an dem Krishna und Vishnu verehrt werden. Krishna soll einst eine Govardhan Puja mit den Menschen von Vraja gefeiert haben, um sie vor schweren Regenfällen zu schützen. Es gibt auch den Brauch, dass Ehefrauen ihre Ehemänner segnen, indem sie ein Tablett mit Lichtern um deren Kopf kreisen lassen und ihnen dann einen Segenspunkt auf die Stirn tupfen.

Zum fünften Tag von Diwali, zu Bhaiyadooj, beschenken Frauen ihre Brüder. Sie laden sie und deren Familien zum Essen ein und versprechen einander, sich gegenseitig zu beschützen.

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