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Kinostart: SADHU – Auf der Suche nach der Wahrheit

Regisseur Gaël Métroz lernte bei seinen Dokumentarfilmen in Indien und Nepal viele hinduistische Sadhus kennen und begleitete diese während ihrer Pilgerreisen. Auf der Suche nach dem perfekten Sadhu traf er auf Suraj Baba, der für den Filmemacher den Mythos oder vielmehr das Klischee des Sadhus – des wirklichkeitsfremden Asketen und nach indischer Auffassung heiligen Mannes – zunichte gemacht hat.

Der Sadhu Suraj Baba trennte sich von allen weltlichen Gütern, um sich in eine Grotte im Himalaya auf 3000 m Höhe zurückzuziehen. Nachdem er acht Jahre in völliger Isolation gelebt und diese Zeit der Meditation gewidmet hat, wendet er sich erneut der irdischen Welt zu. Während des hinduistischen Festes Kumbh Mela, das alle zwölf Jahre mehr als 70 Millionen Pilger anzieht, beschließt Suraj sich anderen Sadhus anzuschließen, bevor er sich auf eine lange Reise begibt und am Ende das Askesegelübde ablegt. Durch die Aufrichtigkeit und Offenherzigkeit des Weisen rückt der indische Mystizismus während seiner Initiationsreise in den Hintergrund, denn Suraj ist ein Weiser, der keiner mehr sein möchte.

Suraj ist mit seiner Brille und seinem großen Interesse für westliche Kunst (z. B. Rockmusik, die platonische Philosophie, Bücher von Hermann Hesse und Saint-Exupéry) auf den ersten Blick nicht der Inbegriff eines gewöhnlichen Sadhus. Darin liegt sowohl seine große Stärke als auch seine große Schwäche. Suraj muss seinen eigenen Weg zwischen der westlichen und östlichen Welt finden und er muss entscheiden, ob es ihm wichtiger ist, Erfolg im Leben zu haben oder ein erfolgreiches Leben zu führen. Während er sich bemüht, diese gegensätzlichen Lebensweisen zu verinnerlichen, widerlegt er gängige Klischees über den Orient oder die orientalische Spiritualität.

Gaël Métroz ist einer der wenigen Menschen, denen Suraj in den letzten acht Jahren begegnet ist. Während der ersten Tage sagte er so wenig, dass der Regisseur nicht sicher war, ob er tatsächlich Englisch spricht. Im Laufe der Wochen vertraute sich Suraj dem Filmemacher zunehmend an. Da der Regisseur allein und ohne Filmteam war, konnte er beliebig alle Aktivitäten des Sadhus aufzeichnen, ohne ihn dabei zu stören.

Auf der gemeinsamen Pilgerreise beginnen wir zu ahnen, dass es sich bei der indischen Spiritualität teilweise bloß um ein großes Business handelt. Nachdem wir Suraj Baba im Film mehr als ein Jahr begleiten, stellen wir jedoch auch fest, dass diese indische Spiritualität wirklich existiert. Diese jahrtausendealte Philosophie befasst sich mit dem Platz, den der Mensch in der Welt und in der Natur einnimmt, und mit der Beherrschung des Körpers und der Gedanken. Eine Spiritualität, die vor allem eine universelle Idee der Entwicklung anstrebt, die der persönlichen Entwicklung jedoch nur wenig Bedeutung zuschreibt. Entdecken Sie in „SADHU“ die Schönheit und die Gedankenwelt Indiens.

Weitere Informationen:

SADHU – Auf der Suche nach der Wahrheit
Ein Film von Gaël Métroz
Schweiz 2012, 87 Minuten
Sprachen: Englisch und Hindi mit Untertiteln
Kinostart: 22. August 2013

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