Einer der Tempel im Chittorgarh Fort. Foto: Milo & Silvia

Indien hat sechs neue UNESCO Weltkulturerbestätten

Erst kürzlich hat die UNESCO ihrer Liste der Weltkulturerbestätten sechs Forts in Indiens Wüstenstaat Rajasthan hinzugefügt. Das wird vermutlich den Tourismus im ohnehin sehr beliebten Rajasthan weiter ankurbeln. Folgende sechs Befestigungsanlagen dürfen sich nun mit dem begehrten Titel UNESCO Weltkulturerbe schmücken.

Amber Fort, in der Nähe von Jaipur

1592 ließ der Rajputen-Herrscher Maharadscha Man Singh die Arbeit an der Errichtung dieses Forts beginnen. Die folgenden Herrscher vervollständigten den Bau, bis schließlich Jaipur erbaut wurde und der Herrschersitz dorthin wechselte. Die beeindruckende Anlage aus rotem Sandstein und weißem Marmor besteht aus mehreren Innenhöfen, Palästen, Hallen und Gärten. Der schönste Teil des Amber Forts ist das Sheesh Mahal (der Spiegelpalast) mit seinen kunstvoll geschnitzten Wänden und Decken, in die viele kleine Spiegel eingelassen sind, in denen sich am Abend das Licht von Kerzen tausendfach spiegelt. Eine weitere Attraktion des Amber Forts ist der Ritt auf dem Elefanten den steilen Weg hinauf zum Fort. Diese Ritte sind sehr beliebt und werden nicht oft am Tag angeboten (nur bis 11.30 Uhr). Man muss sehr früh da sein, wenn man einen Elefantenritt ergattern will (oder im Voraus im Reisebüro buchen).

Jaisalmer Fort

Nicht nur die sehr plastisch gestaltete Außenfassade des Forts in Jaisalmer ist etwas Besonderes, es ist auch das einzige Fort in Indien, in dem noch Menschen leben. Rund 4000 Menschen leben hier, es gibt etwa 200 Geschäfte, 40 Hotels und Restaurants, einen Palastkomplex, wunderschön verzierte Havelis (Herrenhäuser) von reichen Kaufleuten und einige Tempel im Innern der Festungsanlage. Erbaut wurde die Anlage 1156 vom Bhati-Rajputen-Herrscher Rawal Jaisal, nach dem auch die Stadt benannt ist. Das Fort war Stätte vieler Schlachten. Alle hat das Fort relativ unbeschadet überstanden. Erst die Moderne setzt dem Bau so zu, dass die indische Regierung erwägt, alle Hotels und Restaurants aus der Festungsanlage zu verbannen, da so viel zu viel Abwasser produziert wird. Verstopfte Leitungen haben teilweise bereits das Fundament der Anlage angegriffen.

Chittorgarh Fort, in der Nähe von Udaipur

Das Chittorgarh Fort ist die größte Festungsanlage Indiens. Es liegt im südlichen Teil Rajasthans, etwa auf halbem Weg zwischen Mumbai und Delhi und nur ca. 100 km von der schönen Stadt Udaipur entfernt. Das Fort gehörte einst den Herrschern des Mewar-Geschlechts. Hier lag deren Hauptstadt, bis der Mogul-Eroberer Akbar das Fort im Jahr 1568 einnahm. Daraufhin verlegte Maharana Udai Singh II die Hauptstadt nach Udaipur. Jehangir, der älteste Sohn von Akbar, gab den Mewars 1616 dieses Fort zurück, doch sie siedelten sich nie wieder hier an. Allein aufgrund seiner Größe ist es ratsam, das Fort mit dem Auto zu erkunden, und man sollte sich schon drei Stunden Zeit dafür nehmen. Auch wenn oft nur Ruinen übrig sind, kann man doch den Glanz vergangener Tage noch erkennen. Die Sehenswürdigkeiten beinhalten alte Paläste, Tempel, Türme und ein großes Wasserreservoir. Vom Vijay Stambha (Siegesturm) hat man eine schöne Sicht über das Fort und die Stadt.

Kumbhalgarh Fort, in der Nähe von Udaipur

Auf einem Bergrücken in über 900 m Höhe in den Aravalli-Bergen liegt die Festung Kumbhalgarh aus dem 16. Jahrhundert. Die Anlage wird von einer ca. 36 km langen, durchschnittlich 12 m hohen und 8 m dicken Mauer umgeben. Innerhalb dieser Mauern liegen – verteilt über mehrere Hügel – zahlreiche Gebäude, Tempelanlagen mit insgesamt 360 Tempeln, ehemalige Wohnhäuser und ein ehemaliger Fürstenpalast. Von höher gelegenen Tempeln und vor allem von den oberen Geschossen des Palastes bietet sich ein beeindruckender Ausblick auf das umliegende bewaldete Hügelland. Erbaut wurde die Festung von Rana Kumbha 1443 bis 1458.

Ranthambore Fort

Mitten im Ranthambore Nationalpark liegt ein eindrucksvolles Fort aus dem 10. Jahrhundert, das wegen seiner strategisch günstigen Lage zwischen Nord- und Zentralindien bei vielen Herrschern sehr begehrt war. Der Nationalpark selbst liegt an der Grenze zwischen Vindhya-Plateau und den Aravalli-Bergen. Felsige Ebenen und steile Klippen sind das charakteristische Landschaftsbild und er beherbergt eine vielfältige Flora und Fauna, darunter rund 30 Tiger.

Gagron Fort, in der Nähe von Jhalawar

12 km von Jhalawar entfernt liegt das Gagron Fort, dessen Grundstein bereits im 7. Jahrhundert n. Chr. gelegt wurde. Es ist von drei Seiten umgeben von den Wassern der beiden Flüsse Ahu und Kalishindh. Viele große Schlachten wurden hier geschlagen. Ganz in der Nähe des Forts befindet sich das Mausoleum von Sufi Saint Mittheshah. Hier wird jedes Jahr im Monat Moharram ein großer Jahrmarkt veranstaltet. Im Mittelalter Indiens war Gagron eine sehr belebte Stadt. In diesem Teil des Malwa-Reiches war es die wichtigste Stadt zu seiner Blütezeit. Seine Bewohner waren berühmt für ihren Heldenmut. Raja Achaldas Khinchi verteidigte sein Fort tapfer gegen den Mandu-Herrscher Hoshang Shah von Malwa. Doch als eine Niederlage nicht mehr abzuwenden schien, kleideten sich seine Männer in saffrangelbe Gewänder, öffneten die Tore und rannten mit Schwerten in der Hand hinaus, um als Märtyrer zu sterben. Die Frauen Gagrons begingen Jauhar (sie opferten sich selbst, meist durch Selbstverbrennung).

Das Weltkulturerbe-Komitee (WHC) war vor allem von der vielseitigen Architektur der Forts beeindruckt, die ein beeindruckendes Zeugnis der damaligen Macht der Rajputen war. Der Herrschaft in der Region florierte vom 8. bis 18. Jahrhundert. Das Komitee hob auch die natürlichen Verteidigungsmöglichkeiten der Forts hervor, die durch die kluge Nutzung der Landschaft beim Bau der Festungen entstanden waren. Den neu ausgezeichneten Kulturerbestätten wird die Verleihung dieses Status gut tun, denn sie ist nicht nur eine Auszeichnung, sondern beinhaltet immer auch eine Verpflichtung, dieses Kulturerbe auch pfleglich zu behandeln und instandzuhalten.

Kommentar verfassen

Scroll to Top