Eine neue Leidenschaft für Indien – britische Künstler mit Bildern aus Varansi

In der Indar Pasricha Gallery in London stellen vom 14. Oktober bis 7. November 2015 vier britische Künstler, die ihre Eindrücke der heiligen indischen Stadt Varanasi in ihren Werken eingefangen haben, ihre Bilder aus.

Mark Twain hat einmal über Varansi geschrieben: „Es ist älter als die Geschichte, älter als Traditionen und sogar älter als Legenden.“ Vier britische Künstler – Ken Howard, Patrick Cullen, Peter Brown und Neale Worley – machten sich auf, um das Licht, die Hitze, die Menschen, Gebäude und Landschaften in und um Varanasi und ein wenig davon, wie indische Städte uns ihn ihren Bann ziehen, in ihren Werken wiederzugeben. Herausgekommen ist ein erstaunlich zeitgenössischer Blick auf diese vielleicht faszinierendste indische Stadt, der im Oktober in einer Ausstellung in London sowie einer TV-Dokumentation, die während ihrer Reise entstand, präsentiert werden wird.

Meist haben die Künstler im Freien gemalt und ihre Eindrücke von den Menschen, den Ghats, der Spiritualität etc. somit ganz frisch eingefangen. Sie haben für diese Ausstellung ausschließlich in Varanasi gearbeitet, obwohl sie alle vier schon seit Jahren Indien bereisen und dort Bilder malen.

Varanasi wurde im 19. Jahrhundert und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Europäern für abscheulich gehalten, die Kultur dort wurde völlig falsch verstanden und sogar als kulturell bedrohlich empfunden. Heute hat sich das gewandelt. Inzwischen verstehen – oder akzeptieren – wir diese spirituelle Seite Varanasis viel besser.

Indra Pasricha, der Galeriebesitzer, stammt selbst aus Indien, verließ seine Heimat aber mit seinen Eltern im Alter von sieben Jahren. Er sagt, die Arbeiten der vier Künstler hätten ihm sein Heimatland erneut nahegebracht. „Ihre Arbeiten sind sehr britisch, doch der Geist Indiens ist in der Farbe und jedem Pinselstrich so offensichtlich, z. B. Patrick Cullens Farben, die die außergewöhnliche kaleidoskopische Farbpalette Indiens einfängt, Ken Howards Darstellung von Licht und Reflektion, Peter Browns greifbares Gespür für Orte, den Staub, das Chaos – man kann fast die Straße riechen – und Neale Worleys Portraits, die die Anmut und gelassene Haltung, die so bezeichnend für viele Inder ist, einfangen.“

Zentral für diese Hommage an Indien ist das Bild der brennenden Ghats am Ufer des Ganges von Patrick Cullen, der 2015 beim Lynn Painter Strainers Wettbewerb einen Preis gewonnen hat. Das Bild strahlt so viel Leben aus, obwohl es doch eine Leichenverbrennung zeigt. Cullen kommentierte sein Bild folgendermaßen: „Für uns [vier Künstler] dreht sich in Indien alles um Licht und Farbe und die unglaubliche Vielfalt an Themen. Was man sich ansieht, ist die Energie und die Bewegung. Und über allem steht ein Sinn für Leben, das durch alles fließt, selbst durch die Toten. Ich habe versucht, diesen hinduistischen Glauben, bei dem der Tod nur ein Teil des großen kontinuierlichen Lebenszyklus ist, festzuhalten. […] Das Feuer ist das Feuer des Lebens. Es brennt die ganze Nacht, jede Nacht, bis der Morgen graut. Und dies geschieht nun schon seit Jahrtausenden.“

Patrick Cullen, Burning Ghats at Dusk
Patrick Cullen, Burning Ghats at Dusk

Es ist ein bisschen anachronistisch, was die vier Künstler unternommen haben: gemeinsam nach Indien zu fahren, um dort gemeinsam zu arbeiten. Aber diese Idee ist so alt wie die Kunst. Und sie geben gern zu, dass sie sich gegenseitig beeinflusst haben. Am Abend, nach der Arbeit, sind sie gemeinsam Essen gegangen und haben die Arbeit des Tages, ihre Versuche, die Mühen und die Triumphe diskutiert.

Ken Howard, der 1932 geboren wurde, ist unter ihnen vermutlich der bekannteste Maler. Er studierte an der Hornsey School of Art, leistete dann seinen Militärdienst bei den Royal Marines, bevor er am Royal College of Art weiterstudierte. Dann erhielt er ein Stipendium des British Council für Florenz. Seine erste Solo-Ausstellung hatte er im Plymouth Art Centre im Jahr 1955. Von 1973 bis 1982 war er mit der britischen Armee in Deutschland, Zypern, Oman, Hongkong, Nepal, Norwegen, Kanada, Belize und Brunei, wo er überall als Künstler Werke produzierte. Für seine Arbeiten hat er viele renommierte Preise gewonnen. Sein Enthusiasmus für Malerei und besondere Motive zeigt sich nicht nur darin, dass er im hohen Alter von über 80 Jahren noch nach Indien reist, um dort auf den vollen Straßen zu sitzen und zu malen.

Peter Brown lebt in Bath. Er malt Straßenszenen und -landschaften bei jedem Wetter, und zwar ausschließlich direkt vor Ort, also mittem im Geschehen. Für diese Arbeitsweise wird er oft liebevoll-scherzhaft „Pete the Street“ genannt. Auch er hat für seine Arbeiten Dutzende von Preisen erhalten.

Neale Worley schießlich ist der Autor der TV-Dokumentation, die während der Arbeiten in Varansi gedreht wurde, während die anderen drei Künstler ihre Gemälde produzierten. Der Film wird seine Premiere in der Ausstellung haben. Doch auch Worley ist Maler. Elf seiner Werke sind Teil der Prince of Wales Sammlung. Man darf auf den Film und seine künstlerische Qualität also durchaus gespannt sein.

Peter Brown, Street Scene
Peter Brown, Street Scene

Weitere Informationen:
Ausstellung vom 14. Oktober bis 7. November 2015
Indar Pasricha Gallery
22 Connaught St., London
Preise für die Werke zw. 700 und 20.000 £ (ca. 960 bis 27.300 €)

Ein Hinweis in eigener Sache: Im September 2015 erscheint das nächste Indien Aktuell Magazin, dieses Mal mit dem Schwerpunktthema „Kunst in Indien“. Sie können das Magazin hier unter www.indienaktuell.de bestellen (Einzelheft oder Abonnement).

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