Sarah-Jane Dias (Freida), Pavleen Gujrai (Pam), Rajshri Deshpande (Laxmi) und Anushka Manchanda (Mad) bei der Filmpremiere in Berlin. Foto: Traudl Kupfer

Sehenswerter indischer Frauenfilm: „7 Göttinnen“

Am 1. Juni 2016 hatte der bemerkenswerte indische Frauenfilm in Berlin kurz vor dem Kinostart am 16. Juni 2016 Premiere. „7 Göttinnen“ (Orginaltitel: „Angry Indian Goddesses“) ist witzig, emotional, tragisch und spannend. Er ist ein typisches weibliches Buddy Movie (Frauenfilm), aber auch ein gesellschaftspolitischer Film und ein Krimi. Und er ist vor allem eins: Absolut sehenswert! Nicht nur für Indien-Interessierte.

Darstellerinnen bei der Deutschlandpremiere

Vier der sieben „Göttinnen“ sowie der Produzent Gaurav Dhingra und die deutschen Koproduzenten Sol Bondy und Jamila Wenske waren bei der Premiere in Berlin anwesend. Die vier Darstellerinnen Sarah Jane Dias, Anushka Manchanda, Pavleen Gujral und Rajshri Deshpande brachten wahrhaften Bollywood-Glamour auf den roten Teppich im Kino in der Kulturbrauerei in Berlin. Auch Gäste aus der Filmszene Deutschland waren vertreten, darunter auch zwei der deutschen Synchronsprecherinnen, Jördis Triebel und Pegah Ferydoni.

(links) Pegah Ferydoni, die Synchronstimme von Sarah-Jane Dias alias Freida. (Mitte) Filmplakat. (rechts) Jördis Treibel, die Synchronstimme von Sandhya Mridul, und Anushka Manchanda. Fotos li. und re.: Traudl Kupfer
(links) Pegah Ferydoni, die Synchronstimme von Sarah-Jane Dias alias Freida. (Mitte) Filmplakat. (rechts) Jördis Treibel, die Synchronstimme von Sandhya Mridul, und Anushka Manchanda. Fotos li. und re.: Traudl Kupfer

Inhalt des Films – ein Frauenfilm

Freida (Sarah-Jane Dias) bei einem Ausflug der Freundinnen. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane
Freida (Sarah-Jane Dias) bei einem Ausflug der Freundinnen. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane

Freida (Sarah Jane Dias), eine gefragte Werbefotografin, lädt ihre fünf besten Freundinnen zu sich in ihr Elternhaus nach Goa ein. Die Freundinnen kennen den Grund nicht und sind überrascht, dass sie zu Freidas Hochzeit geladen sind. Die Freundinnen könnten kaum unterschiedlicher sein: die toughe Geschäftfrau und Mutter Suranjana (Sandhya Mridul), die Jungschauspielerin Joanna (Amrit Maghera), die frustrierte Musikerin Mad (Anushka Manchanda), die engagierte Umweltaktivistin Nargis (Tannishtha Chatterjee) und die ehemalige Topstudentin und jetzige Hausfrau Pam (Pavleen Gujral). Und dann ist da noch Freidas Hausmädchen Laxmi (Rajshri Deshpande), die alle umsorgt, aber auch überall mit dabei – sozusagen integriert – ist. Freida verrät den Freundinnen, dass sie heiraten wird, aber nicht wen. Und so rätseln die Frauen über den Bräutigam, feiern ausgelassen, philosophieren über Gott und Welt, über Männer, Sex und Karriere, kleine Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Einst stand ihnen allen die Welt offen, doch eine von Männern dominierte Gesellschaft hat so manchen Traum zerplatzen lassen. Sieben Frauen – angry goddesses, und göttlich sind sie allesamt – die wütend sind und gemeinsam Pläne schmieden, wie sie ihr bisheriges Leben verändern könnten. Doch dann geschieht ein dramatisches Ereignis …

Entstehung des Films

Mutig und kämpferisch wie Nargis (Tannishtha Chatterjee), so sehen sich viele junge Frauen in Indien heute. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane
Mutig und kämpferisch wie Nargis (Tannishtha Chatterjee), so sehen sich viele junge Frauen in Indien heute. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane

Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte des Films. Der Regisseur Pan Nalin hatte die Idee einen Frauenfilm, ein Frauen-Buddy-Movie, zu machen und konnte den Produzenten Gaurav Dhingra gleich dafür begeistern. Dhingra wollte das Skript für den Film lesen, doch ein Skript gab es nicht. Wie auch? Ein Film über Frauen, den zwei Männer produzieren – das braucht es kompetenten Input. Es gab zwar eine Ko-Autorin, Subhadra Mahajan, doch folgerichtig gingen die beiden Herren, sobald die Besetzung der Rollen feststand, mit den sieben Darstellerinnen in Goa, am Drehort, drei Wochen lang in Klausur und entwickelten dort gemeinsam mit den Frauen das Skript. Denn wer könnte einen Frauenfilm besser kreieren als Frauen? Diese Arbeits- und Vorgehensweise macht den Film so authentisch.

Meinung unserer Redakteurin zum Film

Mad (Anushka Manchanda) entspricht so gar nicht der Klischeevorstellung einer indischen Frau. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane
Auch Mad (Anushka Manchanda) entspricht so gar nicht der Klischeevorstellung einer indischen Frau. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane

Obwohl der Film einen hohen Unterhaltungswert hat – glauben Sie mir, Sie werden lachen, weinen, sich an der schönen Landschaft Goas erfreuen, die Musik genießen, in spannenden Szenen mitfiebern –, dennoch ist der Film auch ein hochgradig gesellschaftspolitischer Film. Thema sind verschiedenen Rollen der Frau in der indischen Gesellschaft – doch nicht nur in Indien! Auch wenn sich mancher Aspekt direkt auf indische Verhältnisse bezieht, lässt sich der größte Teil der angesprochenen Themen auch auf die Verhältnisse, mit denen sich Frauen weltweit täglich auseinandersetzen müssen, übertragen: das Verhältnis zwischen Mann und Frau in Beziehungen oder der Ehe; die Rolle der Frau im Beruf; die fehlende Gleichberechtigung; die Schwierigkeiten für Frauen, Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen; die Darstellung der Frau in den Medien bzw. der Werbung; die Dominanz von Männern im Film (weltweit!); sexuelle Belästigungen und Übergriffe, die es weiß Gott nicht nur in Indien gibt und vieles mehr.

Doch es geht nicht nur um „gleiches Recht für alle“. Der Film zeigt auch, wie kraftvoll Freundschaft, Zusammenhalt und das Festhalten an eigenen Überzeugungen sein kann. Und außerdem repräsentiert er ein modernes Indien jenseits aller Klischees und Vorurteile, ein Indien im Aufbruch, in dem junge Frauen althergebrachte Gesellschaftsstrukturen angreifen.

Diese Themen sind ansprechend verpackt, filmisch gut umgesetzt und der Film wartet an vielen Stellen mit Überraschungen auf. Männer sollten sich von der Kategorie „Frauenfilm“ keinesfalls abschrecken lassen ins Kino zu gehen. Sie werden Dinge über Frauen erfahren, die sehr erleuchtend sein können.

Rezensionen weltweit

Doch die Realität holt sie oft auf den Boden zurück, wie im Fall von Joanna (Amrit Maghera), die versucht in Bollywood vernünftige Rollen zu bekommen. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane
Doch die Realität holt sie oft auf den Boden zurück, wie im Fall von Joanna (Amrit Maghera), die versucht in Bollywood vernünftige Rollen zu bekommen. © Jungle Book Entertainment / Swapnil Sonawane

Völlig verdient wurde und wird „7 Göttinnen“ bei zahlreichen Filmfestivals gezeigt. Auch dies ist ein Zeichen für die Güte des Films. Unter anderem erzielte der Streifen beim Toronto Filmfestival 2015 den 2. Platz des Publikumspreises und beim Internationalen Filmfestival in Rom 2015 den Publikumspreis. Weiterhin war bzw. wird „7 Göttinnen“ in folgenden Festivals gezeigt:

  • Toronto Filmfestival 2015 (2. Platz Publikumspreis)
  • Zürich Film Festival 2015
  • Atlantic Film Festival 2015
  • Cinefest Sudbury 2015
  • Internationales Filmfestival Rom 2015 (Publikumspreis)
  • Hofer Filmtage 2015
  • Singapur Film Festival 2015
  • Stockholm Film Festival 2015
  • Vilnius Film Festival 2015
  • Mumbai Film Festival 2015
  • Tromso Film Festival 2016
  • Trondheim Kosmorama Film Festival 2016
  • IFFLA Los Angeles 2016
  • Helsinki Film Festival 2016
  • Bejing Film Festival 2016

Lassen Sie sich diesen Film nicht entgehen!

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

https://www.indienaktuell.de/shop/indien-aktuell-magazin/indien-aktuell-magazin-abo

Kommentar verfassen

Scroll to Top