Südasientag 2014

Trauer in der Feierstunde – Nach 100 Jahren droht das Aus für die Moderne Indologie an der Universität Hamburg

Anlässlich der aktuellen Finanznot der Universität Hamburg droht das Ende einer 100-jährigen Tradition in der Südasienforschung. Das renommierte Institut Indologie und Tibetologie sieht sich dem Verlust einer Schlüsselprofessur in der Modernen Indologie gegenüber. Die Stelle soll in zwei Jahren nicht mehr neu besetzt werden. Institutsleiter Prof. Dr. Michael Zimmermann sieht infolgedessen die Existenz der gesamten Südasienforschung an der Universität Hamburg gefährdet. Der Zweig der Modernen Indologie war der von Studenten meist angewählte. Die klassische Alt-Indologie und die Tibetologie mit der Buddhismusforschung könnten so in eine „Abwärtsspirale“ geraten und durch den Verlust der Professur für Moderne Indologie mittelfristig ebenfalls in ihrer Existenz bedroht sein.

Die Feierlaune der weit über hundert Gäste des 100. Jubiläums der Südasienforschung an der Hamburger Universität wurde durch die drohende Sparmaßnahme der Hochschule erheblich eingetrübt. Die Vertreter der Hansestadt und der Universitätsleitung würdigten zwar die Leistungen der Indologie, entzogen sich aber der Veranstaltung, noch bevor sich die lange der Reihe der Kritiker äußern konnte.

Internationale Beachtung erfuhr das Jubiläum durch den Besuch von nicht weniger als sechs amtierenden Botschaftern aus Südasien, die zur Feierstunde allesamt aus Berlin angereist waren. Der indische Botschafter Vijay Gokhale betonte der außerordentlichen Wert besonders der „contemporary Indian studies“ für die deutsch-indischen Beziehungen.

Prof Dr Boehm-Tettelbach
Prof Dr Boehm-Tettelbach

Die Festrednerin Prof. Dr. Monika Boehm-Tettelbach vom Heidelberger Südasieninstitut (SAI) führte in eindrucksvoller Weise aus, wie wenig Hamburg durch das Streichen der Professur für Moderne Südasienkunde gewinnen könne und welch ein Verlust durch diese Sparmaßnahme zu erwarten sein würde. Besonders schwerwiegend sei der Verlust der Fähigkeit zur eigenen Indienerkenntnis und die drohende Abhängigkeit von anderen.

Auch Vertreter der Hamburger Wirtschaft äußerten erhebliche Bedenken gegenüber der Streichung der Modernen Südasienkunde an der Universität Hamburg. Die global ausgerichtete Hamburger Wirtschaft habe aus Wettbewerbsgründen ein Interesse an Fachkenntnissen über Südasien in der Hansestadt. Dr. Doris Hillger vom Ostasiatischen Verein (OAV) war überzeugt, dass die Bedarfe an Indologen, ähnlich wie vor Jahren an Sinologen, noch entstehen würden. Corinna Nienstedt von der Handelskammer Hamburg bot spontan eine verstärkte Vernetzung der Südasienforschung mit der Kammer an, um Studenten der Indologie den Zugang zur Wirtschaft zu erleichtern. Hamburg sei laut Nienstedt nach seiner jahrelangen Ausrichtung auf China inzwischen auch auf Indien und Südasien aufmerksam geworden. Die seit 2007 zweijährlich stattfindende und vom Hamburger Senat organisierte „India Week Hamburg“, sei ein sichtbares Zeichen dafür.

Ob die Universitätsleitung die geplante Stellenkürzung rückgängig macht, scheint zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich. Unvorhersehbar war die heutige Situation allerdings nicht, da der Stellenabbau offenbar schon von einer Planung aus dem Jahre 2003 herrührte.

Sven Andreßen

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