„Incredible India! – mit diesem Slogan wirbt das indische Fremdenverkehrsamt seit Jahren weltweit für den Subkontinent als Reiseziel.
„Incredible India!" – mit diesem Slogan wirbt das indische Fremdenverkehrsamt seit Jahren weltweit für den Subkontinent als Reiseziel. „Incredible" ist Indien in jeder Hinsicht – auch die Küche des Landes, die wahre Geschmacksexplosionen auf dem Gaumen auslöst. Und dabei denke wir nicht nur an die Schärfe des Chilis, sondern an die unendlich vielen verschiedenen Gewürze, die das Markenzeichen der indischen Küche ausmachen. Indisches Essen ist nicht gleich indisches Essen. Die Unterschiede der regionalen Küchen des Landes sind so groß wie die Unterschiede, die man in Europa vorfindet. Doch was ist sie eigentlich, die indische Küche?
Vielfalt der indischen Küche
So vielfältig die Kultur, Topografie, Flora und Fauna, die Bevölkerung mit ihren unterschiedlichen Sitten und Gebräuchen in Indien sind, so vielfältig ist auch die indische Küche. Sicher, man könnte sagen: In ganz Indien gibt es indisches Essen, so wie es in Deutschland überall deutsche Küche gibt. Aber selbst in unserem, nur 10 Prozent der Fläche Indiens umfassenden Land, findet man regional erhebliche Unterschiede in den Gerichten. Warum sollte es also auf dem Subkontinent anders sein?
Regionale Unterschiede
Die Gerichte im nordindischen Kaschmir und im südindischen Tamil Nadu unterscheiden sich kulinarisch so sehr, wie die Küche Schwedens oder Norwegens von dem Griechenland oder Italiens. Die einzigen beiden Dinge, die allen Kochstilen Indiens gleich sind, ist zum einen die großzügige, vielseitige Verwendung von Gewürzen, zum anderen, dass Essen in der Kultur des Landes meist religiösen Vorschriften unterliegt, denn Essen gilt in Indien auch als Nahrung für die Seele.
Nordindische Küche
Die Küche Nordindiens ist geprägt von Tandoori-Gerichten (im Lehmofen gegart), cremigen Currys auf Joghurt- oder Sahne-Basis und Fladenbroten wie Naan, Roti und Paratha. Die Mogul-Küche mit ihren reichen Gewürzmischungen (Garam Masala) hat diese Region stark beeinflusst. Typische Gerichte sind Butter Chicken, Dal Makhani, Biryani und Kebabs. In Kaschmir findet man die besondere Wazwan-Festküche mit bis zu 36 Gängen.
Südindische Küche
Im Süden dominieren Reis, Kokosnuss und Linsen. Die Küche ist überwiegend vegetarisch und schärfer als im Norden. Dosa (knuspriger Reispfannkuchen), Idli (gedämpfte Reiskuchen), Sambar (würzige Linsensuppe) und Rasam (pfeffrige Brühe) sind Grundpfeiler der südindischen Mahlzeit. In Kerala spielen Kokosmilch, Fisch und Meeresfrüchte eine zentrale Rolle, etwa im berühmten Kerala Fish Curry.
Westindische Küche
Die Küche Westindiens ist so vielfältig wie die Region selbst. In Gujarat herrscht eine überwiegend vegetarische Küche mit der typischen Thali-Tradition – eine Platte mit vielen kleinen Schälchen verschiedener Gerichte. In Goa zeigt sich der portugiesische Einfluss in Gerichten wie Vindaloo und Xacuti. Maharashtras Küche bietet den scharfen Vada Pav (Mumbais Burger) und Misal Pav.
Ostindische Küche
Bengalen ist berühmt für seine Fischgerichte, insbesondere Hilsa (Tenualosa ilisha), und für kunstvolle Süßspeisen wie Rasgulla, Sandesh und Mishti Doi (süßer Joghurt). Senfkörner und Senföl sind charakteristische Zutaten. Odishas Küche verwendet viel Panch Phoron (Fünf-Gewürze-Mischung) und bietet einzigartige Tempelküche, etwa das Mahaprasad im Jagannath-Tempel in Puri.
Wichtige Gewürze
| Gewürz | Hindi-Name | Verwendung |
|---|---|---|
| Kurkuma | Haldi | Gibt Currys die gelbe Farbe, entzündungshemmend |
| Kreuzkümmel | Jeera | Basis-Gewürz für fast alle indischen Gerichte |
| Koriander | Dhania | Samen und frische Blätter, vielseitig einsetzbar |
| Kardamom | Elaichi | Für Tee (Chai), Süßspeisen und herzhafte Gerichte |
| Zimt | Dalchini | In Biryani und Garam Masala |
| Chili | Mirch | Schärfe, regional sehr unterschiedlich eingesetzt |
| Senfsamen | Rai | Typisch für Süd- und Ostindien |
| Bockshornklee | Methi | Blätter und Samen, leicht bitter |
| Asafoetida | Hing | Ersatz für Knoblauch und Zwiebeln in streng vegetarischer Küche |
Vegetarische Tradition
Indien hat den weltweit höchsten Anteil an Vegetariern – etwa 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung ernähren sich rein vegetarisch. In vielen Restaurants wird zwischen Veg (vegetarisch) und Non-Veg unterschieden. Jainistische Küche geht noch weiter und verzichtet zusätzlich auf Wurzelgemüse wie Zwiebeln und Knoblauch. Die vegetarische Küche Indiens gilt als eine der vielfältigsten und geschmackvollsten der Welt.
Chai – Indiens Nationalgetränk
Kein Besuch in Indien ist komplett ohne Masala Chai – schwarzer Tee, gekocht mit Milch, Zucker und einer Mischung aus Gewürzen wie Kardamom, Ingwer, Zimt und Nelken. An jeder Straßenecke findet man Chai Wallahs, die den Tee frisch in kleinen Tontassen oder Gläsern servieren. In Südindien bevorzugt man Filter Coffee, der auf besondere Weise durch einen Metallfilter zubereitet wird.
Tipps zu Street Food und regionalen Spezialitäten finden Sie unter Street Food in Indien.
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