Indische Künstler sind vielfach in allen möglichen Kunstgattungen gleichzeitig unterwegs, sei es Malerei, Bildhauerei, Video- und Fotokunst, Installationen oder Performances.
Indien verfügt weltweit über eine der größten Sammlungen an Liedern, Musik, Tanz- und Theaterstücken, darstellenden Kunstformen, Riten und Ritualen, Gemälden und Schriften. Frühe Kunst – die prähistorischen Höhlenmalereien reicht zurück bis 3000 v. Chr. Zeitgenössische indische Künstler genießen weltweit ein hohes Ansehen. Der Charakter der indischen Kunst lässt sich am ehesten als plastisch, organisch und skulptural bezeichnen. Am besten zeigt sich das in der indischen Architektur, die eher skulpturell gestaltet ist, als dass sie einfach nur einen Raum umschließt. Im alten Indien waren die Künste Malerei und Bildhauerei noch nicht getrennt. Indische Bildhauerkunst wurde häufig in Zusammenhang mit Gebäuden erschaffen. Selten sind die Skulpturen freistehend, meist sind sie vor allem in Tempelbauten integriert. Auch zeitgenössische Künstler in Indien produzieren oft beides, Skulpturen und Gemälde, Indische Künstler sind vielfach in allen möglichen Kunstgattungen gleichzeitig unterwegs, sei es Malerei, Bildhauerei, Video- und Fotokunst, Installationen oder Performances.
Indische Musik
Raga und Tala, Sitar und Sarod, Tabla und Mridangam – alles Begriffe aus der indischen Musik, doch diese Worte klingen in den Ohren von Westlern, die sich noch nie mit indischer Musik beschäftigt haben, tatsächlich ein wenig wie „spanische Dörfer". Für westliche Ohren klingt klassische indische Musik zunächst einmal fremd, denn sie unterscheidet sich von unserer klassischen Musik durch einen grundsätzlich anderen Aufbau der Musikstücke, vor allem aber durch die fremden Klänge der indischen Instrumente, die unterschiedliche Aufteilung des Tonumfangs innerhalb einer Oktave und die ungewohnten Rhythmen.
Indischer Tanz
Untrennbar verbunden mit der Musik ist der indische Tanz. Die traditionellen, klassischen indischen Tänze haben sich über Jahrhunderte entwickelt. Ihre Ausdrucksformen waren weitgehend von der Religion beeinflusst. In den Tanzstücken wurden Geschichten aus den Mythen und Legenden Indiens erzählt. Fast wären die klassischen indischen Tänze verschwunden, als Eroberer – Muslime, aber auch die Portugiesen, Franzosen oder Briten – die Herrschaft auf dem Subkontinent übernahmen. Durch die Unabhängigkeitsbewegung Indiens Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie jedoch wieder zum Leben erweckt.
Die acht klassischen Tanzformen
Indien erkennt acht klassische Tanzformen offiziell an, die jeweils in bestimmten Regionen des Landes verwurzelt sind:
| Tanzform | Region | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bharatanatyam | Tamil Nadu | Älteste klassische Tanzform, Tempeltanz |
| Kathak | Nordindien | Geschichtenerzählen durch Fußarbeit und Drehungen |
| Kathakali | Kerala | Opulente Kostüme und Gesichtsbemalung, Tanzdrama |
| Odissi | Odisha | Skulpturale Posen, Tribhanga-Haltung |
| Kuchipudi | Andhra Pradesh | Kombination aus Tanz und Schauspiel |
| Manipuri | Manipur | Fließende, anmutige Bewegungen, Ras Lila |
| Mohiniyattam | Kerala | „Tanz der Zauberin", feminine Bewegungen |
| Sattriya | Assam | Ursprung in Vaishnava-Klöstern (Sattras) |
Instrumente der indischen Musik
Die klassische indische Musik kennt zwei Haupttraditionen: die Hindustani-Musik (Nordindien) und die Karnatische Musik (Südindien). Zu den wichtigsten Instrumenten zählen:
- Sitar – Langhalslaute mit Resonanzsaiten, weltberühmt durch Ravi Shankar
- Tabla – Trommelpaar, Herzstück der nordindischen Rhythmik
- Sarod – Laute ohne Bünde, bekannt für ihren tiefen, meditativen Klang
- Veena – Eines der ältesten Saiteninstrumente, besonders in Südindien
- Mridangam – Doppelfelltrommel, zentrales Rhythmusinstrument der karnatischen Musik
- Bansuri – Bambusflöte, verbunden mit der Krishna-Mythologie
- Shehnai – Doppelrohrblatt-Instrument, unverzichtbar bei Hochzeiten und Festen
- Tanpura – Bordun-Instrument, das den Grundton für Raga-Aufführungen liefert
Indische Malerei
Die Maltradition Indiens reicht von den prähistorischen Felsmalereien von Bhimbetka (UNESCO-Welterbe) über die Fresken in Ajanta (2. Jh. v. Chr. bis 6. Jh. n. Chr.) bis zu den Miniaturmalereien der Mogul- und Rajput-Höfe. Regionale Malstile wie Madhubani (Bihar), Warli (Maharashtra), Tanjore (Tamil Nadu) und Pattachitra (Odisha) werden bis heute gepflegt und zählen zum immateriellen Kulturerbe.
Die moderne indische Kunstszene ist international angesehen. Künstler wie M. F. Husain, S. H. Raza, Tyeb Mehta und Anish Kapoor haben indische Kunst auf die Weltbühne gebracht. Mumbais Galerien, die Biennale in Kochi und die India Art Fair in Delhi sind wichtige Plattformen zeitgenössischer indischer Kunst.
Detaillierte Informationen zu den klassischen Tanzformen finden Sie unter Klassischer indischer Tanz.
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