Matthias Lapp baut Kabelwerk in Bhopal zum größten Standort der Gruppe aus
Matthias Lapp hat in Bhopal im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh den Erweiterungsbau des Werks der Stuttgarter Lapp Gruppe eröffnet. Mit der Erweiterung ist dort eine Fertigung für Niederspannungskabel in Betrieb gegangen. Das Werk, in dem 2012 eine lokale Kabelproduktion begann, ist heute der größte Fertigungsstandort der gesamten Gruppe. Darüber berichtete das Portal India Summer Days am Dienstag, 1. September 2026.
Niederspannungskabel werden in der elektrischen Infrastruktur von Fabriken, Gewerbegebäuden, Verkehrssystemen, Anlagen für erneuerbare Energien und Versorgungsnetzen verbaut. Der Markt dafür wächst stark, denn die indischen Investitionen in Infrastruktur sollen in den kommenden Jahren um rund 50 Prozent steigen, heißt es in dem Bericht. In Bhopal werden außerdem nach eigener Rezeptur Polymermischungen für Kabelummantelungen hergestellt. Mit Elektronenstrahltechnik werden Kabel dort auf molekularer Ebene behandelt, um ihre Eigenschaften zu verbessern.


Indien ist heute der zweitgrößte Markt des Familienunternehmens und einer seiner wichtigsten Wachstumsmärkte, weshalb Matthias Lapp in lokale Produktionskapazitäten investiert. Bei Lapp India arbeiten rund 500 Menschen. Von drei großen Produktionsstandorten aus und über ein Vertriebs- und Logistiknetz werden Kunden in ganz Indien beliefert, vor allem aus der industriellen Automatisierung, dem Maschinenbau, der Infrastruktur, dem Schienenverkehr und den erneuerbaren Energien. Die in Indien produzierten Kabel werden zum größten Teil im Land selbst verkauft.

„Indien stellt seine ganz eigenen Anforderungen an ausländische Unternehmen“, sagt Matthias Lapp, der die Gruppe in dritter Generation führt. „Wir haben 30 Jahre dafür gearbeitet, dass wir heute auf einem starken Fundament stehen. Lokalisierung ist wichtig. Wir entwickeln und produzieren in Indien für den indischen Markt.“ Gleichzeitig werde das weltweite Netz der Gruppe genutzt, erklärt er. Produktmanager in Deutschland arbeiteten nach seinen Worten mit Kunststoffexperten in der Schweiz und indischen Ingenieuren zusammen, um Lösungen für die Kunden zu entwickeln.
Schon in den 1990er-Jahren setzte Lapp auf Indien, als im Westen vielerorts China Vorrang hatte. „Als meine Großmutter Ursula Ida Lapp, mein Vater Siegbert und mein Onkel Andreas in den 1980er Jahren nach Indien reisten, erkannten sie etwas, das viele andere übersahen“, sagt Matthias Lapp. „Damals hatten die meisten Menschen aus dem Westen ein sehr oberflächliches Bild und sahen vor allem Armut. Meine Familie sah die Energie der Menschen, die demokratischen Institutionen und das außergewöhnliche wirtschaftliche Potenzial. Seither hat Indien einen besonderen Platz in unserem Herzen.“
Nach mehrjähriger Zusammenarbeit mit lokalen Partnern wurde 1996 der indische Hauptsitz in Bengaluru im südindischen Bundesstaat Karnataka gegründet. Die erste Kabelproduktion öffnete 1998 in einem nahegelegenen Industriegebiet.
Matthias Lapp lernte Indien schon als Kind bei regelmäßigen Urlauben kennen. Sein Onkel Andreas Lapp, der die Unternehmensgruppe lange geführt hat, ist seit 2000 Honorarkonsul der Republik Indien für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Er organisiert die jährliche Veranstaltung „Stuttgart meets Mumbai“ und hat das Indian Business Center Stuttgart gegründet, über das Unternehmen bei der Ansiedlung in Baden-Württemberg unterstützt werden. Zudem treibt er die Karlsruher Aktivitäten im westindischen Bundesstaat Maharashtra mit voran.