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Amritsar Sehenswürdigkeiten

So nah und doch so fern – Ein Besuch an der indisch-pakistanischen Grenze

editor • 11.07.2019 • 5 • 5 Min.
Vor der Grenze reist ein pakistanischer Soldat sein Bein über den Kopf.
INDIENaktuell
Vor der Grenze reist ein pakistanischer Soldat sein Bein über den Kopf.
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So nah und doch so fern – Ein Besuch an der indisch-pakistanischen Grenze

|

Das Verhältnis zwischen Pakistan und Indien ist geprägt von Spannungen, Konflikten und zeitweise auch von kurzen Kriegen. Vor lauter Differenzen sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die beiden Länder durch ihre Kultur auch einiges gemeinsam haben. Einen Einblick in das Verhältnis der Nachbarländer lässt sich gut an dem allabendlichen Spektakel ihrer Grenze beobachten.

Die Wagah Border

Jeden Abend zum Sonnenuntergang wird die Grenze zwischen dem pakistanischen und indischen Punjab geschlossen. Die Wagah-Attari Border (oft auch nur Wagah-Border genannt), ist nach den nächsten Dörfern der beiden Länder benannt. Das indische Attari ist etwa 30 km von der Großstadt Amritsar entfernt, Wagah grenzt direkt an die Hauptstadt des pakistanischen Punjabs, Lahore.

Seit dem Rückzug der Briten und der Spaltung Indiens im Jahre 1947 verläuft eine Grenze zwischen den beiden Staaten. Heute ist die Wagah Border der einzige Ort, an welchem der Übergang zwischen den beiden Ländern zu Fuß möglich ist, natürlich nur mit entsprechenden Visa. Auch die Uhrzeit muss stimmen, denn jeden Abend zum Sonnenuntergang wird die Grenze für den Übergang geschlossen.

Die Flaggen-Zeremonie

Von beiden Seiten ist es jedoch möglich, einen kleinen Blick auf das jeweils andere Land zu werfen. Der Grenzübergang ist aufgebaut wie ein Stadion, allerdings mit zwei metallenen Toren in der Mitte. Jeden Abend versammeln sich hier Touristen, Schaulustige und stolze Patrioten, um das eigene Land anzufeuern oder über die geladene Stimmung zu staunen. Zum Sonnenuntergang werden die Flaggen der Länder eingeholt und die Grenze bis zum nächsten Tag geschlossen. Vorher jedoch tobt die Menge.

Wagah Border - Der Grenzübergang ist aufgebaut wie ein Stadion
Wagah Border - Der Grenzübergang ist aufgebaut wie ein Stadion

Wenn die Zuschauer in die Arena strömen, dröhnt auf beiden Seiten laute Musik aus den Lautsprechern. Die Menge wird von Stimmungsmachern animiert, das eigene Land anzufeuern. Tatsächlich wird auch dazu ermahnt, den Nachbarn Respekt zu zollen und Beleidigungen zu unterlassen. Meist wird dies auch eingehalten. Besonders auf der indischen Seite herrscht ausgelassene Feierstimmung, während Touristen über den Nationalstolz der einheimischen Besucher staunen.

Wagah Border - Grenzübergang Indien und Pakistan
Wagah Border - Grenzübergang Indien und Pakistan

Hahnenkampf und das Ministerium für alberne Gänge

Nach dem Warm-up stürmen schließlich die eigentlichen Stars der Zeremonie auf das Spielfeld. Bekleidet mit auffälligen Fächerhüten, erscheinen die Grenzsoldaten eher wie konkurrierende Hähne als wie Elite-Einheiten. Sie schreiten mit mächtigen und imposanten Schritten die Grenzstraße auf und ab. Dabei erinnern sie ein wenig an Monty Pythons berühmten Sketch des Ministeriums für alberne Gänge. Die Beine über Kopfhöhe in die Luft streckend, stampfen sie auf den Boden und versuchen mit jedem Schritt die andere Seite zu überbieten. Die Musik schallt durch die Arena, die Menge tobt.

Es geht um Lautstärke, Intensität und Aggression. Dennoch schütteln sich die beiden Seiten – wenn auch sehr vehement – die Hände. Ein gutes Zeichen für zwei Atommächte mit vielen andauernden Konflikten. Die Choreographie ist einstudiert und ebenfalls ein Zeichen der Kooperation. Stolz und argwöhnischer Respekt strahlen aus jeder Bewegung der Soldaten. Bis schließlich die Trompeten ertönen, die Flaggen eingeholt sind und die Tore ein letztes Mal zufallen. Bis zum nächsten Morgen.

Die Zeremonie-Uniform der Soldaten, lässt einen leicht vergessen, dass diese Soldaten die erste Verteidigungslinie des Landes bilden.
Die Zeremonie-Uniform der Soldaten, lässt einen leicht vergessen, dass diese Soldaten die erste Verteidigungslinie des Landes bilden.

So nah und doch so fern

Die Zeremonie und der Nationalismus der Länder werden oft kritisch betrachtet. Doch das Spektakel ist auch eine interessante Demonstration des vielschichtigen Verhältnisses der beiden Staaten. Auf indischer Seite dröhnt nationalistische Pop-Musik durch die Lautsprecher, ein Schlagzeuger spielt vom Dach der Arena die Rhythmen für den eigenartigen Marsch der Soldaten. Auf pakistanischer Seite geht es jedoch wesentlich konservativer zu. Religiöse Lieder, die traditionelle Dhol-Trommel und Lobpreisungen an Gott prägen die Geräuschkulisse. Allerdings gibt es auch viele Gemeinsamkeiten. Beide Seiten binden auch weibliche Soldatinnen in die Zeremonie ein, die Kostüme sind ähnlich und auch die Sprache hat mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede.

Die Wagah-Border ist sicherlich ein besonderer Ort und dadurch eine bekannte Sehenswürdigkeit. Vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen nur dort die Möglichkeit haben, die Bewohner des anderen Landes sehen zu können – wenn auch nur aus der Ferne. Die beiden Länder ähneln sich in vielen Aspekten ihrer Kultur. Meist ist aber der politische Lärm so laut, dass Unterschiede betont werden und den Gemeinsamkeiten wenig Platz eingeräumt wird.

Anreise

Die Wagah-Border lässt sich am besten von Amritsar aus erreichen. Vom berühmten goldenen Tempel, welcher bei einer Reise durch die Region nicht zu kurz kommen sollte, fahren Sammeltaxis bis zur Grenze nach Attari. Für eine Fahrt mit dem Taxi zahlt man 200-400 Rupien. Die Fahrer versuchen die Touristen schon früh morgens an sich zu binden, dennoch reicht es aus, wenn man gegen Mittag einen Fahrer organisiert. Hierfür ist kein Reisebüro notwendig. Die Fahrer sprechen nahezu jeden Touristen vor den Toren des Tempels an. Der Fahrtpreis gilt für eine Hin- und Rückfahrt. Die Übernachtung sollte daher in Amritsar arrangiert sein. Mehr Informationen hierzu gibt es in einem ausführlicheren Bericht über den goldenen Tempel.

Verhaltensweisen und Sicherheit

Es herrscht auch trotz angehenden Spannungen zwischen Pakistan und Indien keine Reisewarnung für die Grenzregion. 2014 gab es einen Anschlag auf der pakistanischen Seite der Grenze, seitdem gab es jedoch keine Vorkommnisse.

Besucher sollten beachten, dass keine Getränke im Inneren der Grenzarena erlaubt sind. An mehreren strikten Kontrollpunkten werden die Taschen der Besucher kontrolliert. Allerdings gibt es auch die Möglichkeit seine Habseligkeiten sicher aufzubewahren. Am Parkplatz der Taxis können diese gegen eine kleine Gebühr abgegeben werden.

Nahe der Grenze ist es erforderlich den Anweisungen der Grenzsoldaten folge zu leisten. Diese sind besonders zu ausländischen Touristen jedoch sehr freundlich und zuvorkommend. Außerdem ist es nötig, seinen Reisepass mit Visum mit sich zu führen. Trotz der Sicherheitsvorkehrungen herrscht eine gute Stimmung an der Grenze. Der Besuch wird auf jeden Fall ein Highlight bei den Erzählungen zu Haus.

Indische Flaggen wehen in der Arena der Grenze.
Indische Flaggen wehen in der Arena der Grenze.
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