Eckpunkte für deutsch-indische Wasserstoff-Ausschreibung sind vereinbart
Die deutsch-indische Zusammenarbeit bei grünem Wasserstoff und erneuerbaren Kraftstoffen ist einen Schritt weitergekommen. Zwischen der staatlichen Solar Energy Corporation of India (SECI) und der deutschen Hintco GmbH stehen die Eckpunkte einer Rahmenvereinbarung fest, die den Weg zu einer gemeinsamen Ausschreibung nach dem H2Global-Modell ebnen soll.
Die Rahmenvereinbarung soll regeln, wie eine solche Ausschreibung vorbereitet, ausgearbeitet und umgesetzt wird. Gehandelt würden erneuerbare Kraftstoffe nicht biogenen Ursprungs, nach der englischen Bezeichnung Renewable Fuels of Non-Biological Origin kurz RFNBO genannt. Dazu zählen erneuerbarer Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe, die aus erneuerbarem Wasserstoff und abgeschiedenem Kohlendioxid oder Stickstoff entstehen und für Industrie und Verkehr in Frage kommen. Gestartet oder vergeben ist die Ausschreibung damit nicht. Die weiteren Vorbereitungen stehen unter dem Vorbehalt der nötigen Genehmigungen und sollen in Abstimmung mit beiden Regierungen laufen.
Vorausgegangen war eine Absichtserklärung zwischen SECI und der H2Global-Stiftung, unterzeichnet am Dienstag, 19. November 2024, während der Europäischen Wasserstoffwoche in Brüssel. Sie legte die Grundlage dafür, Wissen über Marktmechanismen auszutauschen und gemeinsame Ausschreibungsmodelle für den internationalen Handel mit grünem Wasserstoff und seinen Folgeprodukten zu prüfen. Als weitere Felder nannte sie die Handelslogistik und den Austausch mit Marktteilnehmern, beides mit Blick auf Indiens Ziel, zur Exportdrehscheibe für diese Produkte zu werden. Mit den jetzt vereinbarten Eckpunkten wird daraus ein konkreteres bilaterales Vorhaben. SECI bezeichnet die Initiative als Schritt zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen Indien und der Europäischen Union bei grünem Wasserstoff und erneuerbaren Kraftstoffen, die den Aufbau internationaler Handelswege unterstützen soll.
H2Global setzt an einem Kernproblem junger Märkte für saubere Kraftstoffe an. Produzenten brauchen verlässliche Abnehmer, damit sich ihre Investitionen rechnen, Käufer wiederum bezahlbare und sichere Lieferungen. Die Hintco GmbH tritt in diesem Modell als Zwischenhändlerin auf. Sie kauft die Produkte in wettbewerblichen Auktionen mit langfristigen Verträgen bei den Herstellern ein und verkauft sie anschließend mit kürzer laufenden Verträgen an Abnehmer weiter. Die Lücke zwischen Einkaufskosten und Verkaufserlösen kann mit Geld aus öffentlichen oder philanthropischen Quellen geschlossen werden. Produzenten sollen so mehr Planungssicherheit bekommen, während sich Nachfrage und Marktpreise über wiederholte Verkaufsauktionen herausbilden.
Wie eine deutsch-indische Ausschreibung vertraglich und finanziell ausgestaltet würde, muss sich im Vorbereitungs- und Genehmigungsverfahren erst klären. Die Ankündigung nennt weder die endgültige Produktauswahl noch Mengen, Fördermittel, Lieferfristen oder einen Zeitplan für das Bieterverfahren. Wer in die Europäische Union liefern will, muss zudem deren Vorgaben erfüllen. Die EU hat für diese Kraftstoffe einen Rechtsrahmen geschaffen, der auch regelt, wie sie hergestellt werden müssen, um als erneuerbar anerkannt zu werden.
Kommt das Verfahren zustande, arbeiten mit SECI ein staatliches indisches Unternehmen für erneuerbare Energien und mit Hintco der Zwischenhändler von H2Global an einem gemeinsamen Beschaffungsweg. Daraus könnte ein wiederholbares Muster für den internationalen Handel entstehen, das Anbieter erneuerbarer Kraftstoffe mit Käufern zusammenbringt und Investoren eine klarere Entscheidungsgrundlage gibt. Nun müssen die Regierungen zustimmen und die Ausschreibung im Einzelnen vorbereitet werden. Erst die Ausschreibungsunterlagen werden zeigen, um welche Produkte es geht, wer zu welchen Bedingungen teilnehmen kann und welchen Umfang das Vorhaben hat.
Dieser Beitrag ist zuerst auf Englisch bei TheDialog erschienen.