Geschichte Indiens

Der neue indische Präsident Ram Nath Kovind.

Indien ist eine parlamentarisch-demokratische Republik mit ca. Alle wichtigen Infos für Ihre Indien-Reise.

Größte Demokratie der Welt

Indien ist eine parlamentarisch-demokratische Republik und gilt mit mehr als 1,4 Milliarden Einwohnern als die größte Demokratie der Welt. Seit 2023 ist Indien nach Schätzungen der Vereinten Nationen zudem das bevölkerungsreichste Land der Welt, noch vor China. Die Größe und Vielfalt des Landes stellen seine Politiker vor große Herausforderungen. Immerhin erstreckt sich das Land auf 3.287.263 Quadratkilometer und reicht vom Himalaya im Norden bis zu den Tropen im Süden. Zu den größten Städten des Landes gehören Mumbai, Delhi und Kolkata. Für Deutschland ist Indien einer der wichtigsten Partner im Indo-Pazifik. Seit 1951 unterhalten die beiden Länder diplomatische Beziehungen und pflegen seitdem einen lebendigen Austausch.

Die derzeitige Präsidentin Indiens ist Droupadi Murmu. Sie ist die erste Adivasi, also Angehörige der indigenen Bevölkerung, in diesem Amt und nach Pratibha Patil die zweite Frau an der Spitze des Staates. Vor ihrer Wahl im Jahr 2022 war sie die erste Gouverneurin des Bundesstaates Jharkhand und hat sich für die Rechte von Frauen und indigenen Gemeinschaften eingesetzt. Ihre Wahl gilt als wichtiger Meilenstein für die Gleichstellung in Indien.

28 Bundesstaaten und 8 Unionsterritorien

Ähnlich wie es in der Bundesrepublik Länder gibt, gibt es in Indien Bundesstaaten, insgesamt 28 Bundesstaaten und acht Unionsterritorien. Die Zentralregierung in Neu-Delhi hat jedoch im indischen Föderalsystem deutlich größere Kompetenzen als die Regierungen der Bundesstaaten.

Premierminister Narendra Modi regiert seit 2014 das bevölkerungsreichste Land der Welt, seit 2024 in seiner dritten Amtszeit. Das ist keine einfache Aufgabe. Viele unterschiedliche Völker, Sprachen und Religionen prägen das Land und sind Reichtum und Konfliktherd zugleich. Außerdem hat nach wie vor das Kastensystem Einfluss auf Indiens soziales, wirtschaftliches und politisches Leben.

Die BRICS-Staaten

Indien gehört zu den sogenannten BRICS-Staaten. „BRICS“ bezeichnete ursprünglich eine Gruppe von fünf großen Wachstumsmärkten, nämlich Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. 2024 kamen Ägypten, Äthiopien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate hinzu, 2025 Indonesien, sodass die Gruppe heute elf Mitglieder zählt. Seit Januar 2026 hat Indien den BRICS-Vorsitz inne, das Gipfeltreffen fand im September 2026 in Neu-Delhi statt.

Dynamische Entwicklung der Wirtschaft

In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Indien einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Vor allem Indiens IT-Dienstleistungen haben einen Boom erlebt, und die Wirtschaft zeigte ein beeindruckendes Wachstum. Indien ist dabei, sich zu einem der großen Märkte der Welt zu entwickeln.

Bilaterale Zusammenarbeit zwischen Indien und Deutschland

In Mumbai hat die Deutsch-Indische Handelskammer ihren Sitz, die als größte deutsche Auslandshandelskammer weltweit gilt. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Ländern ist immens. Mehr als 2.000 deutsche Unternehmen sind in Indien aktiv, vor allem im Automobilbau, im Maschinenbau, in der Chemie und bei den erneuerbaren Energien. Im Mai 2000 unterzeichneten Indien und Deutschland die „Agenda für die Deutsch-Indische Partnerschaft im 21. Jahrhundert“, die bis heute Grundlage der strategischen Partnerschaft ist. Seit 2011 finden zudem im Zweijahresrhythmus deutsch-indische Regierungskonsultationen statt, zuletzt im Oktober 2024 in Neu-Delhi.

Herausforderungen der Zukunft

Zahlreiche Reformen und die Öffnung der Wirtschaft haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass Indien eine wachsende Rolle auf dem internationalen Parkett übernommen hat. Wesentlich hierfür war unter anderem die Positionierung des Landes in den weltweit so entscheidenden Bereichen Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Vor neuen Herausforderungen steht Indien bei einer nachhaltigen Landwirtschaft, von der die vielen Kleinbauern langfristig leben können, bei der Bildung für die breite Bevölkerung, beim steigenden Energiebedarf und beim Umweltschutz, vor allem in den Metropolen.

Time Line

Seit 2020

Droupadi Murmu wird als erste Adivasi zur Präsidentin Indiens gewählt (2022).

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen löst Indien China als bevölkerungsreichstes Land der Welt ab (2023).

Mit der Mission Chandrayaan-3 landet Indien als erstes Land in der Nähe des Mond-Südpols (2023).

Indien hat den Vorsitz der G20 inne und richtet den Gipfel in Neu-Delhi aus (2023).

Narendra Modi tritt nach der Parlamentswahl seine dritte Amtszeit als Premierminister an (2024).

Indien übernimmt den BRICS-Vorsitz und richtet das Gipfeltreffen in Neu-Delhi aus (2026).

2010 – 2020

Narendra Modi von der BJP wird Premierminister (2014) und 2019 wiedergewählt.

Der Bundesstaat Jammu und Kaschmir wird nach der Aufhebung des Artikels 370 der indischen Verfassung in die beiden Unionsterritorien Jammu und Kaschmir sowie Ladakh aufgeteilt (2019).

Das indische Parlament verabschiedet den Citizenship (Amendment) Act, 2019. Das Gesetz ändert das Staatsbürgerschaftsgesetz von 1955 und eröffnet Angehörigen religiöser Minderheiten, nämlich Hindus, Sikhs, Buddhisten, Jainas, Parsen und Christen, einen Weg zur indischen Staatsbürgerschaft, wenn sie vor Ende 2014 vor Verfolgung aus Pakistan, Bangladesch und Afghanistan nach Indien geflohen sind.

Die Goods and Services Tax (GST) wird in Indien eingeführt, die größte Steuerreform in der Geschichte des Landes (2017).

In einer überraschenden Ankündigung zieht die indische Regierung Banknoten mit hohem Nennwert aus dem Verkehr, was zu chaotischen Szenen in den Banken im ganzen Land führt, da die Kunden versuchen, alte Scheine umzutauschen (2016).

Indien startet mit Astrosat sein erstes Weltraumobservatorium, das größte Raumfahrtprojekt des Landes seit der Mars-Orbiter-Mission (2015).

Telangana wird als eigener Bundesstaat aus Andhra Pradesh herausgelöst (2014).

2000 – 2010

Manmohan Singh wird als Premierminister wiedergewählt (2009).

Pratibha Patil wird zur ersten Präsidentin von Indien gewählt (2007).

Manmohan Singh von der Kongresspartei wird Premierminister (2004).

Große Bundesstaaten werden aus politischen und wirtschaftlichen Gründen geteilt. Im Jahr 2000 entstehen Uttarakhand aus Uttar Pradesh, Jharkhand aus Bihar und Chhattisgarh aus Madhya Pradesh.

1990 – 2000

Indien führt nach fast 25 Jahren völlig überraschend fünf unterirdische Atomtests durch und erklärt sich zur Atommacht (1998). Indien ist dem Atomwaffensperrvertrag nie beigetreten.

Regierung der rechtskonservativen BJP (Bharatiya Janata Party) unter Atal Bihari Vajpayee (1998 bis 2004).

Nationalistische Tendenzen brechen sich Bahn, die unter anderem in der Zerstörung der Babri-Moschee in Ayodhya (1992) und in der Umbenennung Bombays in Mumbai (1995) zum Ausdruck kommen.

Beinahe-Staatsbankrott Indiens und Beginn tiefgreifender Wirtschaftsreformen (1991).

Abwendung von der Planwirtschaft und dem sogenannten „Licence Raj“ hin zur freien Marktwirtschaft und Öffnung der indischen Wirtschaft für den globalen Handel.

Zulassung ausländischer Investoren in Indien.

Beginn von Privatisierungen staatlicher Unternehmen. Überwindung der niedrigen „Hindu Growth Rate“ und seitdem stetig wachsende Wirtschaftsleistung Indiens.

Ermordung Rajiv Gandhis durch die Tamil Tigers im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Sri Lanka. P. V. Narasimha Rao wird neuer Premierminister (1991).

1980 – 1990

Ermordung Indira Gandhis durch Sikh-Leibwächter nach der Niederschlagung der Khalistan-Bewegung im Punjab und der Erstürmung des Goldenen Tempels der Sikhs in Amritsar (1984). Daraufhin Pogrome gegen Sikhs vor allem in Delhi. Ihr Sohn Rajiv Gandhi wird ihr Nachfolger im Amt des Premierministers.

Indira Gandhi wird abermals Premierministerin (1980).

1970 – 1980

Rückkehr zur Demokratie. Morarji Desai wird Premierminister (1977).

Indira Gandhi ruft den Notstand aus und regiert mit diktatorischen Mitteln (1975 bis 1977). Tausende Oppositionelle werden verhaftet. Gandhi beendet die Notstandsregierung selbst und setzt Neuwahlen an, die sie verliert.

Indien zündet seinen ersten Atomsprengsatz (1974).

Neue Kämpfe mit Pakistan flackern wieder auf. Ostbengalen fühlt sich durch Westpakistan bevormundet. Mit Hilfe des indischen Militärs erreicht Ostbengalen schließlich seine Unabhängigkeit und heißt seitdem Bangladesch (1971).

1960 – 1970

Beginn der „Grünen Revolution“ zur Steigerung der Agrarproduktion in Indien.

Indira Gandhi, die Tochter Jawaharlal Nehrus, wird Premierministerin (1966).

Durch verschiedene Grenzzwischenfälle und Auseinandersetzungen kommt es zum zweiten indisch-pakistanischen Krieg (1965), der durch sowjetische Vermittlung auf der Konferenz von Taschkent beigelegt wird (1966).

Grenzkrieg mit China (1962).

1950 – 1960

Indien gibt sich eine Verfassung (1950). Jawaharlal Nehru, seit 1947 erster Premierminister Indiens, macht das Land zu einer der führenden Nationen der Blockfreienbewegung.

15.08.1947

Unabhängigkeit Indiens und Teilung in ein indisches und ein pakistanisches Dominion, Beginn des Kaschmir-Konflikts. Ermordung Mahatma Gandhis (1948).

1857 – 1947

Britische Herrschaft in Indien („British India“, bis 1937 einschließlich Burma), der sogenannte „British Raj“. 1877 wird Königin Victoria Kaiserin von Indien. Gründung des Indischen Nationalkongresses und Beginn des organisierten Widerstands gegen die britische Fremdherrschaft (1885). Gründung der Muslimliga (1906). Kampagnen Mahatma Gandhis wie die Nichtzusammenarbeitsbewegung (1920 bis 1922) und der Salzmarsch (1930). Pakistan-Resolution (1940) und „Quit India“-Resolution (1942).

Der letzte große bewaffnete Freiheitskampf der Inder, die sogenannte „Mutiny“ oder Meuterei, wird niedergeschlagen (1857). Indien wird britische Kronkolonie (1858).

1757 – 1857

Die britische Ostindien-Kompanie schaltet die anderen Kolonialmächte in Indien aus. Beginn der britischen Territorialherrschaft in Indien (1765, Steuerhoheit über Bengalen). Die Briten werden schrittweise zur beherrschenden Macht auf dem gesamten Subkontinent. Erheblicher Widerstand von Tipu Sultan in Südindien (bis 1799) und vom Sikh-Reich im Punjab (bis 1849).

1646 – 1818

Die hinduistische Marathen-Konföderation behauptet sich gegenüber der Moghul-Macht (Marathenführer Shivaji) und herrscht über Zentralindien.

1526 – 1857

Die Moghul-Dynastie beherrscht den Großteil Indiens. Wichtigste Moghul-Kaiser sind Akbar der Große und Shah Jahan (Erbauer des Taj Mahal).

1510 – 1961

Portugiesen erobern Goa, Beginn der Kolonialzeit in Indien. Nach den Portugiesen kommen Niederländer, Dänen, Franzosen und Engländer und setzen sich an den Küsten Indiens fest. Goa bleibt bis 1961 portugiesisch.

1336 – 1498

Entdeckung des Seewegs nach Indien durch Vasco da Gama (1498).

Hinduistisches Großreich von Vijayanagar in Südindien (gegründet 1336).

1000 – 1761

Muslimische Eroberer aus Afghanistan und Zentralasien plündern und besetzen Indien vom Nordwesten her. Dazu gehören Mahmud von Ghazni, Mohammed von Ghor, die Gründer des Sultanats von Delhi, Timur (1398), die Lodi- und die Moghul-Dynastie bis zu den letzten muslimischen Eroberern im 18. Jahrhundert, Nadir Shah (1739) und Ahmad Shah Durrani (1761).

500 – 1000

Erstes Eindringen und Festsetzen muslimischer Krieger in Sindh, heute Pakistan (711/712).

Regional bedeutsame Dynastien der Pallava, Chalukya, Rashtrakuta, Pratihara und Chola. Ausgreifen der indischen Kultur und Religion auf den südostasiatischen Raum.

400 – 1000

Glanzzeit der hinduistischen Kultur (indische Klassik, Sanskrit-Literatur), Zurückdrängung des Buddhismus in Indien und Verbreitung des Buddhismus in Zentral-, Südost- und Ostasien.

320 – 530 nach Christus

Großreich der Gupta-Dynastie in Nordindien.

Zeitenwende

Es bestehen Beziehungen rund um den Indischen Ozean und bis ins Römische Reich. Südliche Ausläufer der Seidenstraße verlaufen durch Indien. Indien stellt Luxusgüter und Waffen her.

Ab etwa 200 vor Christus

Dynastien der Shunga, Satavahana und Saken (Skythen), Herausbildung der tamilischen Kultur und der Sangam-Literatur.

320 – 185 vor Christus

Das erste indische Großreich entsteht unter der Maurya-Dynastie und erreicht unter König Ashoka seine größte Machtentfaltung.

327 – 325 vor Christus

Alexander der Große überschreitet den Indus. Im Nordwesten Indiens entstehen später gräko-indische Königreiche.

563 – 486 vor Christus

Leben und Wirken von Gautama Buddha nach traditioneller Datierung, in dessen Folge sich der Buddhismus entwickelt. Zeitgleich bildet sich auch der Jainismus heraus.

1500 – 500 vor Christus

Einwanderung indoarischer Stämme und Beginn der Herausbildung des religiös-kulturellen Systems des Hinduismus. In dieser Epoche entstehen die Veden, die heiligen Schriften des Hinduismus.

Etwa 2600 – 1900 vor Christus

Im Industal besteht eine der ältesten Hochkulturen der Menschheit (Induskultur mit den Städten Harappa und Mohenjo-Daro).

Etwa 7000 vor Christus

Neolithische Revolution, erste Ackerbausiedlungen wie Mehrgarh im heutigen Pakistan.

Vor mehr als 500.000 Jahren

Frühmenschen besiedeln das Gebiet Indiens.