Der Kanha Nationalpark

Umgeben von den Bergen des Satpura-Gebirges im Bundesstaat Madhya Pradesh liegt der 1955 gegründete Kanha Nationalpark, eines der wichtigsten Tigerreservate in Indien.

Dieser Nationalpark ist nicht nur der größte in Zentralindien, er kann auch auf eine reichhaltige Flora und Fauna verweisen. Erfolgreiche Naturschutzbemühungen haben ihm seine große Biodiversität erhalten. Der Park ist in vier Zonen unterteilt – Kanha, Kisli, Sarhi und Mukki – die sich zwischen den Distrikten Mandlo und Balaghat in Madhya Pradesh erstrecken.

Flora und Fauna

Tigerin nach dem Mittagsschlaf. Foto: Tarique Sani
Tigerin nach dem Mittagsschlaf. Foto: Tarique Sani

Die beiden Hauptflüsse, die Wasserlieferanten des Parks, sind der Banja und der Halon. Der Wald besteht aus laubabwerfendem Feucht- und Trockenwald mit Teak-, Sal-, Madhuca-, Kusum- und Sandelholzbäumen, dazwischen Ebenholz, Palasabäume und Bambus. Vor allem im Frühsommer bieten die Palasabäume ein spektakuläres Schauspiel: Ihre tief orangefarbenen Blüten färben den Dschungel; bekannt ist das Phänomen unter dem Namen „Flamme des Waldes“. Auch Baumwolle blüht im Sommer. Wenn man in dieser Jahreszeit Richtung Kanha fährt, ist das ein Fest für die Augen. Wenn der Monsun einsetzt (Juli bis Mitte Oktober), ist der Park allerdings geschlossen; zum einen weil er dann unpassierbar ist, zum anderen paaren sich dann die Tiere.

Man findet hier auch Vermillion- oder Sindur-Bäume (die sogenannten Lippenstiftbäume). Aus dem roten Staub um die Samen dieses Strauches wird traditionell Farbe hergestellt, die sich z. B. die Frauen als Punkt auf die Stirn malen, aber auch zum Färben von Lebensmitteln und Kleidung. Vor allem die Frauen der Gegend nutzen die Farbe aus kosmetischen Gründen.

Die Tierwelt bietet einiges: Königstiger, Languren, Barasingha-Hirsche, Axishirsche, Muntjaks, Pfaue und Gaur, die indischen Wildrinder. Wenn im Sommer die kräftig gelben, süßen, aromatischen Madhuca-Blüten fallen, kann man die Hirsche beobachten, wie sie diese Leckereien vom Boden abgrasen. Man sieht auch sehr viele Vögel, neben Pfauen z. B. verschieden Eulenarten. Insgesamt gibt es etwa 300 Vogelarten in Kanha. Am Wegesrand stehen zudem beeindruckende Termitenbauten, die die Millionen Arbeitstermiten für ihre Königin errichtet haben.

Tourismus

Axishirsche - die beliebte Beute der Tiger. Foto: Rahul R.
Axishirsche – die beliebte Beute der Tiger. Foto: Rahul R.

An den beiden Toren zum Park, am Khatiya und am Mukki Gate, findet man neben privaten Luxusunterkünften und preisgünstigen Hotels auch einige Häuser von Madhya Pradesh Tourism. Die Tigersafaris finden immer am frühen Morgen oder am Nachmittag statt. Buchen kann man sie online oder an den Parkeingängen. In einem Jeep mit Fahrer werden Sie dann von einem Waldführer, der Ihnen viel über den Park, die Regeln, die dort herrschen, die Vegetation und die Tiere erzählen kann, begleitet. Sie werden erfahren, wie „Alarmrufe“ klingen, werden Spuren von Tigern sehen, die Zusammenarbeit von Axishirschen und Languren beobachten und auf bestimmte Vögel hingewiesen – während Sie vermutlich mit Spannung auf den Auftritt der großen Katzen warten. Einen Tiger sehen Sie hier am ehesten im Sommer, wenn die Tiere die Wasserlöcher häufiger aufsuchen.

Im Kanha Nationalpark liegt auch ein kleiner Teich, der Shravan Tal. Die Legende erzählt, dass Shravan hier für seine Eltern Wasser holen wollte, dann aber von König Dashratha aus Versehen getötet wurde, weil dieser ihn für einen Hirschen hielt. Die Dschungel von Kanha hat viele Autoren zu Geschichten inspiriert, darunter Rudyard Kipling, dessen berühmtestes Werk „Dschungelbuch“ hier angesiedelt sein soll.

Kunsthandwerk-Einkaufsparadies am Parkeingang

Auch Languren sieht man häufig. Sie und die Axishirsche warnen sich gegenseitig vor Raubtieren. Foto: Rahul R.
Auch Languren sieht man häufig. Sie und die Axishirsche warnen sich gegenseitig vor Raubtieren. Foto: Rahul R.

Am Khatiya Gate des Parks kann man im „Aranya Ka Kaldirgha“, einem Souvenir- und Kunsthandwerkgeschäft, Stücke von Künstlern und Dorfbewohnern aus ganz Madhya Pradesh und dem Nachbarbundesstaat Chhattisgarh kaufen. Darunter sind farbenprächtige Bambus-Artefakte aus Mandla und Seoni, Maheshwari- und Chanderi-Stoffe, Wandbilder, Töpferarbeiten und Tonartefakte aus Chattarpur, Metallkunst aus Orchha und Bastar. Hier gibt es auch ein sehr interessantes Museum mit einer faszinierenden Tigergalerie, in der man viel über die verschiedenen Unterarten der Tiger erfährt.

Anreise und beste Besuchszeit

Der Park ist per Flug, Zug und die Straße an Jabalpur und Nagpur angebunden. Die beste Reisezeit liegt zwischen Oktober und Mai. Von Juli bis Mitte Oktober ist der Nationalpark geschlossen.

Weitere Informationen über Nationalparks in Madhya Pradesh oder Tigersafaris erhalten Sie unter www.mptourism.com. Jetzt wäre die ideale Zeit, um eine Reise dorthin für den Winter 2015/2016 zu planen.

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