Der große Nandu-Stier in Lepakshi. Foto: Vanila Balaji

Orte in Indien, wo die Zeit (scheinbar) stehenblieb

Wer als Europäer das erste Mal nach Indien reist, hat zunächst den Eindruck, hier sei an unzähligen Orten die Zeit stehengeblieben. Auf den zweiten Blick sieht man dann, wie modern das Leben vor allem in den Großstädten inzwischen geworden ist. Doch es gibt immer noch einige Orte in Indien, die den Geist der großen Vergangenheit bewahren und die immer noch so aussehen wie vor vielen Jahrhunderten. HolidayIQ hat zehn Orte in Indien herausgepickt, in denen es immer noch so aussieht wie vor einigen Jahrhunderten.

Amber Fort, Jaipur (Rajasthan)

Amber Fort bei Jaipur. Foto: Diana
Amber Fort bei Jaipur. Foto: Diana

Das Amber Fort bei Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans, spielte im mittelalterlichen Indien eine große Rolle. Im Innern des Forts, in den Räumen des Palastes, kann man sich so richtig in den royalen Lebensstil der Rajputen hineinversetzen. Sie waren für ihre Dekadenz und für ihren rigorosen, flatterhaften Lebensstil bekannt. Der Amber Palast selbst ist eine perfekte Mischung aus hinduistischer und muslimischer Architektur.

Jodhpur (Rajasthan)

Jodhpur, die blaue Stadt. Foto: Jean-Pierre Dalbéra
Jodhpur, die blaue Stadt. Foto: Jean-Pierre Dalbéra

Das „Tor zur Wüste Thar“ wird die „blaue Stadt“ auch genannt, denn genau dort liegt sie: an der Grenze der Thar-Wüste. Sonnenschein im Grunde das ganze Jahr hat ihr auch den Namen „Sonnenstadt“ verliehen. „Blaue Stadt“ heißt sie, weil die meisten Häuser eine blaue Außenfassade haben. Den besten Blick über die Stadt bietet die mächtige Mehrangarh-Festung, die hoch oben über Jodphur auf einem über 120 Meter hohen Felsen thront.

Goa

Kirche in Panjim, Goa
Kirche in Panjim, Goa

Ja, Goa! Trotz Hippies und Partyvolk. 450 Jahre lang war Goa eine portugiesische Kolonie, bis Indien in dem kleinen Bundesstaat an der Westküste wieder die Herrschaft übernahm. Dieses geschichtliche Erbe ist immer noch überall vorhanden, in der Architektur der Kirchen und alten Häuser und in der Kultur dieses Bundesstaates, der sich dadurch deutlich vom Rest Indiens unterscheidet. Für Katholiken ist Goa ohnehin bedeutend, denn hier liegt der Heilige Francis Xavier begraben (in der Basilika de Bom Jesus in Old Goa). Neben den Weihnachts- und Neujahrfeiern sind der dreitägige Karneval in Goa, der jedes Jahr im Februar in Panaji stattfindet, und das Fest des Heiligen Franziskus am 3. Dezember in Old Goa beliebte Festivals dieses kleinen indischen Bundesstaates an der Westküste des Landes.

Hampi (Karnataka)

Hampi, die alte Hauptstadt des Königreiches Vijayanagar. Foto: © Gerhard Liebenberger
Hampi, die alte Hauptstadt des Königreiches Vijayanagar. Foto: © Gerhard Liebenberger

Noch so ein geschichtsträchtiger Ort. Hampi ist heute nur noch ein kleines Dorf im Norden Karnatakas. Doch hier stehen auch die Ruinen der einstigen Hauptstadt des Vijayanagara-Reiches. Die gleichnamige Stadt lag hier am Ufer des Flusses Tungabhadra. Einst war hier auch ein bedeutendes religiöses Zentrum. Und die Überreste dieser einst mächtigen Stadt stehen weit verstreut überall hier im Gelände. Der UNESCO war diese einmalige Sehenswürdigkeit, vor allem der Vittal Tempel und einige andere Sehenswürdigkeiten der ehemaligen Stadt, einen Eintrag in die Liste des Weltkulturerbes wert.

Khajuraho (Madhya Pradesh)

Darstellungen von Löwen findet man in Indien reichlich (hier: bei den Tempeln von Khajuraho). Foto: Dennis Jarvis
Darstellungen von Löwen findet man in Indien reichlich (hier: bei den Tempeln von Khajuraho). Foto: Dennis Jarvis

Die Tempel von Khajuraho gehören ebenfalls zum UNESCO Weltkulturerbe, sind vielfach besprochen und abgebildet, doch man kommt nicht umhin, diesen magischen Ort im Norden Madhya Pradeshs immer wieder erneut zu erwähnen. Diese Tempelanlagen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert sollten Sie einmal im Leben besuchen! Wer dort auf dem gepflegten Gelände zwischen den über und über mit Szenen aus dem Alltagsleben, der Götterverehrung und vor allem sexueller Abbildungen geschmückten Tempel herumspaziert, kann sich tatsächlich in eine andere Zeit zurückversetzt fühlen.

Sanchi (Madhya Pradesh)

Sanchi. Foto: MP Tourism
Sanchi. Foto: MP Tourism

Sanchi ist nur ein kleines Dorf am Fuße eines kleinen Berges in Madhya Pradesh, aber dennoch sehr berühmt, denn hier stehen einige bemerkenswerte buddhistische Stupas und weitere Monumente wie Klöster, antike Steinsäulen oder heilige Schreine aus der Zeit zwischen dem dritten Jahrhundert v. Chr. und dem 12. Jahrhundert n. Chr. Sanchi beherbergt somit einige der wichtigsten buddhistischen Stätten Indiens.

Lepakshi (Andhra Pradesh)

Foto: Rajesh Dangi
Foto: Rajesh Dangi

Auch Lepakshi ist wie Sanchi nur ein kleines Dorf, aber dennoch eine hochinteressante historische und archäologische Stätte in Andhra Pradesh, 15 km östlich von Hindupur. Einst regierten hier die mächtigen Könige der Vinjayanagar-Dynastie (14. bis 17. Jhd.), die hier einige historische Monumente sowie Tempel hinterlassen haben. In der Nähe des Tempelkomplexes steht auch ein großer Nandi-Stier aus Granit, das Reittier des Gottes Shiva.

Puducherry (früher: Pondicherry)

Im französischen Viertel von Puducherry. Foto: Melanie M.
Im französischen Viertel von Puducherry. Foto: Melanie M.

Wegen seiner einzigartigen Lage haben sich viele europäische Nationen – Portugiesen, Dänen, Briten und Franzosen – für die kleine indische Kolonie an Indiens Ostküste interessiert. 1673 übernahmen die Franzosen die Herrschaft über Puducherry. Die kleine Region wurde anschließend von den Briten und Franzosen hart umkämpft, doch Puducherry blieb französisch, etwa 300 Jahre lang, und erlangte erst 1954, sieben Jahre nach Indiens Abnabelung von England, seine Unabhängigkeit.

Thanjavur (Tamil Nadu)

Brihadishvara Tempel in Thanjavur. Foto: Pari
Brihadishvara Tempel in Thanjavur. Foto: Pari

Die heute rund 225.000 Einwohner zählende Stadt in Tamil Nadu war zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert die Hauptstadt der einflussreichen Chola-Könige. Aus dieser Zeit stammt auch die berühmteste Sehenswürdigkeit der Stadt: der Brihadishvara-Tempel, der Anfang des 11. Jahrhunderts entstand und heute zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Saraswathi Mahal Library oder der königliche Palast. Durch den Distrikt Thanjavur fließt der Fluss Cauvery, um den sich Mythen und Legenden ranken, die die Region zu einem der heiligen Orte Indiens machen.

Kolkata (früher: Kalkutta, Westbengalen)

Indian Museum in Kolkata. Foto: ptwo
Indian Museum in Kolkata. Foto: ptwo

Wer Geschichte liebt, ist hier richtig. Besuchen Sie das Indian Museum, das älteste und größte Museum in Indien, in dem sich von Skulpturen bis naturgeschichtlichen Objekten vielfältige Exponate befinden, z. B. einige einzigartige Fossilien, buddhistische Gandhara-Kunst, aber auch eine ägyptische Mumie. Bemerkenswert ist natürlich auch die Fülle an Bauwerken aus der britischen Kolonialzeit, als die Britische Ostindien-Kompanie hier ihren Sitz hatte.

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