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Matsya, die Fischinkarnation von Vishnu. Edwin Binney 3rd Collection. The San Diego Museum of Art

Indiens Götter: Dashavatar – die zehn Inkarnationen von Vishnu

Matsya, die Fischinkarnation von Vishnu. Edwin Binney 3rd Collection. The San Diego Museum of Art

Vishnu ist der Beschützer und Bewahrer des Universums. In verschiedenen Yugas (die hinduistische Bezeichnung für Erdzeitalter) erschien Lord Vishnu in verschiedenen Gestalten immer in Situationen, in denen das Dharam – Recht und Sitte, Ethik und Moral – wegen böser Elemente in der Welt in Gefahr war. Zehn Inkarnationen von Lord Vishnu, die auch Avatare genannt werden, gibt es.

Die Geschichte des Avatars Matsya

Als Avatar Matsya kommt Vishnu als Fisch auf die Welt. Im frühesten der vier Zeitalter des Weltzyklus laut hinduistischer Philosophie, dem Satya Yuga oder vollkommenen, goldenen Zeitalter, tat ein König namens Manu Tausende Jahre lang schwere Buße. Eines Tages, als er eine rituelle Waschung am Fluss vornahm, schwamm ein kleiner Fisch in seine Hand und gerade als Manu ihn wieder in den Fluss zurückwerfen wollte, bat der Fisch ihn darum, sein Leben zu retten. Der Bitte folgend setzte der König den Fisch in ein Wassergefäß. Aber der Fisch wuchs und das Gefäß war bald zu klein. Der König warf den Fisch in den Fluss, aber auch für diesen wurde er bald zu groß und der König warf ihn in den Ganges und schließlich ins Meer. Da verstand der König, dass es sich bei dem Fisch um Lord Vishnu selbst handelte. Vishnu erschien ihm mit einer speziellen Bitte: Vishnu sagte voraus, dass die Welt in sieben Tagen von einer großen Flut zerstört werden würde und bat den König, ein großes Boot zu bauen und sieben weise Eremiten, Samen aller Pflanzen und ein Tier jeder Spezies an Bord zu nehmen. Vishnu selbst wollte als Fisch erscheinen, um das Boot zum Berg Himavan zu befördern, damit sie dort bis zum nächsten Zeitalter überleben könnten. Vishnu hielt Wort und erschien nach sieben Tagen als Fisch, den der König vor sein Boot band, indem er die Schlange Vasuki als Seil nutzte. Der Fisch brachte sie zum Berg Himavan, wo sie bis zum nächsten Zeitalter warteten.

Die Geschichte des Avatars Kurma

Kurma ist die Verkörperung Vishnus als Meeresschildkröte. In der langen Geschichte der Schlacht zwischen den Göttern und den Dämonen verloren die Götter eines Tages plötzlich all ihre Kraft, weil der leicht aufbrausende Weise Durvasa sie verflucht hatte. Der Weise hatte Indra eine Blumengirlande überreicht, die dieser achtlos seinen Elefanten vorwarf, die darauf herumtrampelten. Die Devtas (Halbgötter) baten Vishnu um Hilfe. Dieser riet ihnen, den Milchozean aufzuschäumen, nachdem sie Medizin hineingegeben hatten. Der Berg Mandara könnte als Schneebesen benutzt werden. Die Asuras (himmlische dämonische Wesen) sollten ihnen als Tausch gegen den Nektar der Unsterblichkeit, den das Schäumen hervorbringen würde, helfen, den Berg hochzuheben. Mit der Schlange Vasuki als Seil schafften es die Devatas und Asuras gemeinsam den Ozean aufzuschäumen. Listig hatte Indra, der König der Götter, die Asuras gebeten, das Kopfende der Schlange zu übernehmen. Die Dämonen vermuteten eine Hinterlist und übernahmen selbst den Kopf der Schlange. Doch das Gift Vasukis schwächte sie allmählich. Als während des Aufschäumens der Berg zu versinken drohte, nahm Lord Vishnu die Gestalt einer Meeresschildkröte an, setzte sich unter den Berg und hielt ihn so an der Wasseroberfläche. 1.000 Jahre sollen sie so gerührt haben. Als schließlich die Schale mit Amrita, dem Nektar der Unsterblichkeit, an der Oberfläche erschien, schnappten sich die Asuras diese sofort. Lord Vishnu nahm daraufhin die Gestalt einer Apsara, einer schönen, halb göttlichen, halb menschlichen Frau, an und verführte die Dämonen dazu, ihr zu erlauben, nicht nur den Nektar zu verteilen, sondern auch zu bestimmen, in welcher Reihenfolge er verteilt werden sollte. Die Devatas wurden als erste bedient, woraufhin die schöne Frau sofort verschwand. Die Asuras waren betrogen worden und vollkommen geschwächt.

Die Geschichte des Avatars Varaha

In dieser Geschichte erscheint Vishnu als Eber. Der Dämon Hiranyaksha hatte Lord Brahma so lange gehuldigt, bis er dessen Segen erhielt, dass weder ein wildes Tier noch Mensch noch ein Gott ihn jemals würde töten können. Aus irgendeinem Grund fehlte jedoch auf der Liste der wilden Tiere der Eber – und das sollte sein Verhängnis werden. Denn er begann brandschatzend durch die Welt zu ziehen. Er schob die Welt ins Patala loka (Unterwelt, eventuell auch Hölle) und drückte sie unter die Meeresoberfläche. Er stahl die heiligen Veden von Lord Brahma, während dieser schlief, und beging schreckliche Gräuel taten. Um die Veden zurückzuerhalten und die Welt zu retten, nahm Lord Vishnu die Gestalt eines Ebers an. Mit seinen beiden Hauern hob er die Erde aus dem Ozean heraus. Dann tötete er Hiranyaksha, nahm ihm die Veden wieder ab und brachte sie in die sichere Obhut von Lord Brahma.

Die Geschichte des Avatars Narasimha

Narasimha stellt Vishnu halb als Mensch, halb als Löwe dar. Hiranyakasyapa, der König der Dämonen, wollte unsterblich werden und für immer jung bleiben. Deshalb tat er zu Ehren von Lord Brahma schwer Buße. Die Götter bekamen es mit der Angst zu tun und baten Brahma, den König der Dämonen von seinem Wunsch abzubringen. Brahma war aber von der selbstauferlegten Entbehrung des Dämonenkönigs beeindruckt und gewährte ihm die Erfüllung eines Wunsches. Hiranyakasyapa wünschte sich, dass er niemals getötet werden könne, weder von Menschenhand noch durch ein Tier, weder bei Tageslicht noch bei Nacht, weder innerhalb noch außerhalb eines Gebäudes. Der Wunsch wurde ihm gewährt und fortan hielt er sich für den höchsten aller Götter. Er untersagte jegliche Huldigung anderer Götter. Sein eigener Sohn Prahlada aber war ein leidenschaftlicher Verehrer Vishnus. Hiranyakasyapa war deshalb außer sich. Mehrfach ordnete er an, Prahlada zu töten; unter anderem bat er seine Schwester Holika, der Feuer nichts anhaben konnte, sich mit Prahlada auf einen Scheiterhaufen zu setzen. Aber jedes Mal entkam Prahlada unverletzt. Wütend befahl Hiranyakasyapa seinem Sohn, ihm Lord Vishnu zu zeigen. Prahlada sagte: „Er ist überall.“ Das erzürnte den Vater nur noch mehr. Er schmiss eine Säule um und fragte, ob Vishnu wohl auch darin präsent sei. Da erschien Vishnu halb als Löwe, halb als Mensch aus der Säule, die nun weder im Haus, noch außer Haus war. Es war Abend, also weder Tag noch Nacht – und so tötete Vishnu Hiranyakasyapa und rettete so seinem Anhänger Prahlada das Leben.

Die Geschichte des Avatars Vamana

Dieses Mal kommt Vishnu als kleinwüchsiger Priester auf die Welt. Bali, der Enkel von Prahlada, war ein sehr tapferer und mächtiger Dämon, der die ganze Welt eroberte. Indra und einige andere Götter fürchteten, er könnte alle drei Welten erobern, und baten Vishnu daher um Hilfe. Lord Vishnu wurde daraufhin in Gestalt des Zwerges Vamana im Haus eines Brahmanen (eines Priesters) geboren. Während er aufwuchs, ging er zu Bali und bat um Almosen. Bali gab ihm gern alles, was er nur wollte, obwohl ihn seine Priester warnten, dass dies Lord Vishnu sei. Vamana bat um genau so viel Land, wie unter seine drei Füße passte. Höflich stimmte Bali zu. Da wuchs Vishnu und bedeckte die Erde und den Himmel mit zwei Schritten und weil nun kein Platz mehr zur Verfügung stand, setze er seinen dritten Fuß auf Bali selbst und drückte ihn in die Patala loka (die Unterwelt).

Die Geschichte des Avatars Parashurama

Parashurama ist Vishnus Verkörperung als Brahmane (Priester). In dieser Gestalt kam er auf die Welt, um sich an der Kaste der Kshatriyas (der Eroberer) zu rächen, die arrogant geworden waren und die Brahmanen unterdrückten. Als Kind von Jamadagni und Renuka, denen er geboren wurde, gehörte er zum Brighu Clan. Parashurama trug immer eine Axt bei sich, die ihm Lord Shiva gegeben hatte, den er auch glühend verehrte. Kartavirya, ein mächtiger König, kam eines Tages zu Jamadagni, während dieser außer Haus war, und nach einem Mahl stahl er die Kuh Kamadhenu, von der man sagte, sie gebe unendlich viel Milch und erfülle ihrem Besitzer jeden Wunsch. Wütend ging Jamadagni zum König, tötete ihn und brachte Kamadhenu zurück. Als der Sohn des Königs davon erfuhr, eilte er zu Jamadagni und tötet ihn. Darüber war wiederum Parashurama so erzürnt, dass er den Tod seines Vaters rächte, indem er alle Kshatriyas in 21 Schlachten tötete.

Die Geschichte des Avatars Rama

Rama ist die zentrale Figur im Epos Ramayana. Er verkörpert den idealen Charakter: den idealen Sohn, idealen Ehemann, idealen König und die ideale Person. Er war auf die Erde geschickt worden, um den Dämonen Ravana mit den zehn Köpfen loszuwerden, denn dieser hatte von Brahma Immunität gegenüber Göttern und anderen himmlischen Wesen erhalten. Ravana war zu anmaßend, um sich vorstellen zu können, dass ihn ein Mensch besiegen könnte. So wurde Rama geboren und seine Frau Sita, eine Verkörperung von Lakshmi, Lord Vishnus Gemahlin. Das Ramayana ist eine lange, aufregende Geschichte über den Krieg, den Rama gegen verschiedene böse Elemente in der Welt führte – am Ende kämpfte er gegen Ravana. Das Ramayana versinnbildlicht den Inbegriff idealen Verhaltens, mit einem speziellen Fokus auf die Frau-Mann-Beziehung, die Vater-SohnBeziehung und die Regeln für eine ideale Regierungsführung durch einen König.

Die Geschichte des Avatars Krishna

Krishna ist die zentrale Figur des Epos Mahabharata. In diesem größten epischen Werk der indischen Mythologie werden unzählige Themen abgedeckt; dazu gehören Krieg, Liebe, Bruderschaft, Politik u. v. m. Im Grunde ist es die Geschichte von zwei rivalisierenden blutsverwandten Familien, den Pandavas und den Kauravas. Ein Teil des Mahabharatas ist ein langer Vortrag, den Krishna während des Krieges der beiden Familien seinem Schüler Arjuna hält. Dieser Teil ist unter dem Namen Bhagvadgita bekannt. Während seiner Kindheit war Krishna verantwortlich für die Ermordung von König Kamsa, der sein Onkel war. Krishna soll auch ein ziemlicher Frauenheld gewesen sein. Anders als im Ramayana geht es im Mahabharata um bodenständigere Themen wie Politik, die menschliche Natur und Schwäche und die Charaktere werden nicht idealisiert wie im Ramayana.

Die Geschichte des Avatars Buddha

Auch dies ist eine Inkarnation Vishnus: Buddha, der asketische Prinz, der auf den Thron verzichtet, um die Welt auf den Weg des Friedens zu führen. In dieser Gestalt wird er zum Gründer des Buddhismus. Manche hinduistische Richtungen halten ihn für die göttliche Inkarnation von Lord Vishnu. Geboren wurde er als Kronprinz von Kapilavastu, einem alten Königreich, als Sohn von Suddhodana und Maya. Er wurde vom König Siddhartha genannt, was so viel bedeutet wie „alle Dinge erfüllend“. Seine Mutter starb schon bald nach der Geburt, aber ihre Schwester Prajapati zog Siddhartha groß. Seit seiner Kindheit machte der Tod lebender Kreaturen Buddha sehr traurig und er fragte oft: „Ach! Töten sich alle Keaturen gegenseitig?“ Da er mit keiner der Antworten, die ihm gegeben wurden, zufrieden war, entschloss er sich, die absolute Wahrheit zu suchen. Er verließ seine Frau und sein Kind, ging als Eremit in den Wald und wurde schließlich eines Tages erleuchtet. Seine Predigten sind die Grundlage des Buddhismus.

Die Geschichte des Avatars Kalki

Kalki ist der Maschinenmann, der auf seinem weißen Pferd mit seinem flammenden Schwert dahergeritten kommen wird, denn er ist noch nicht erschienen. Er ist ein zukünftiger Avatar von Vishnu. Am Ende der Kali Yuga (dem augenblicklich laufenden Zeitalter) wird er alle Missetäter dieser Welt bestrafen, die Welt zerstören und das goldene erste Zeitalter, das Satya Yuga, wiedererschaffen. Kalki ist der letzte Avatar Lord Vishnus.

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