Montag, 21. August 2017
Home - Magazin - Kultur - Filmstart: „Der Stern von Indien“

Filmstart: „Der Stern von Indien“

70 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung Indiens kommt am 10. August 2017 ein Film über diese historisch bedeutsame und zugleich folgenschwere Zeit in Indiens Geschichte in die deutschen Kinos: „Der Stern von Indien“. Die britische Filmregisseurin mit indischen Wurzeln Gurinder Chadha („Kick it like Beckham“), deren Familie selbst von den Ereignissen betroffen war, porträtiert diesen historischen Umbruch Indiens in den späten 1940er-Jahren nicht nur politisch, sondern auch menschlich. Engagiert und unterhaltsam erzählt Chadha in eindringlichen Bildern – teilweise auch dokumentarischen Filmausschnitten – die Geburtswehen zweier unabhängiger Nationen (Indien und Pakistan), die zu blutigen Unruhen und den wohl größten Flüchtlingsströmen der Weltgeschichte führten.

Zum Inhalt „Der Stern von Indien“

Film „Der Stern von Indien“
Gandhi (Neeraj Kabi) auf dem Weg zu den Verhandlungen (neben Hugh Bonneville als Lord Mountbatten und Gillian Anderson als dessen Frau Edwina) © Foto: TOBIS Film GmbH

1947 kommen Lord Mountbatten (Hugh Bonneville) und seine Frau Edwina (Gillian Anderson) nach Delhi. Als Vizekönig soll Mountbatten die britische Kronkolonie in die Unabhängigkeit entlassen. In seinem Palast arbeiten nicht weniger als 500 indische Bedienstete, darunter der junge Hindu Jeet (Manish Dayal), der hier unverhofft seiner einstige Freundin wiederbegegnet, der schönen Muslima Aalia (Huma Qureshi). Es ist eine verbotene Liebe, denn eine Verbindung zwischen Angehörigen der verfeindeten Religionen kommt nicht in Frage. Als Mountbatten die neuen Staaten Indien und Pakistan gründet, brechen schwere Unruhen aus. Jeet verliert seine Familie und die geliebte Aalia …

Film „Der Stern von Indien“
Aalia (Huma Qureshi) und Jeet (Manish Dayal) – ihre Liebe ist durch die Teilung Indiens bedroht. © Foto: TOBIS Film GmbH

In opulenten Bildern wird im Film „Der Stern von Indien“ die Geschichte einer (fast) unmöglichen Liebe erzählt. Die indisch-britische Regisseurin Gurinder Chadha („Frontalknutschen”, „Kick it like Beckham”) schildert mit viel Feingefühl die dramatischen Umstände der Teilung Indiens nach dem Zweiten Weltkrieg. In den Hauptrollen sind Hugh Bonneville („Paddington”, „Downton Abbey“) und Gillian Anderson („Akte X“, „Der letzte König von Schottland”) zu sehen. Der große Michael Gambon („Harry Potter”, „The King’s Speech”) glänzt in der Rolle des Hastings Ismay. Manish Dayal („Madame Mallory und der Duft von Curry”) und Huma Qureshi („Gangs of Wasseypur”) spielen das liebende Paar, das genauso auseinandergerissen wird wie das ganze Land.

Historischer Hintergrund

Film „Der Stern von Indien“
Als Vizekönig kommt Lord Mountbatten nach Indien, um dem Land die Unabhängigkeit zu gewähren – das wird weitaus schwieriger, als er erwartet hat. © Foto: TOBIS Film GmbH

Schon während des Zweiten Weltkriegs war der Drang nach Unabhängigkeit innerhalb der indischen Bevölkerung groß. Es folgten Aufstände, die die Briten nur mit massiven Militäreinsätzen vorläufig beenden konnten. 1946 kam es dann zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus in Kalkutta, die zwischen 5.000 und 10.000 Tote forderten.

Die Unruhen gaben Muhammad Ali Jinnah, dem Führer der Muslimliga, Rückenwind für sein Bestreben, Pakistan als separaten Staat für die muslimische Bevölkerung Indiens durchzusetzen. Die Differenzen zwischen Hindus und Muslimen waren unüberbrückbar. Unter diesen Umständen wurde Lord Louis Mountbatten noch im gleichen Jahr von der britischen Regierung nach Indien geschickt, um dort als letzter Vizekönig mit beiden Parteien zu verhandeln und die Unabhängigkeit Indiens in die Wege zu leiten.

Lord Mountbatten verhandelt mit den drei wichtigsten Führungspersönlichkeiten: dem Vertreter des Indischen Nationalkongresses Jawaharlal Nehru, dem Unabhängigkeitskämpfer Mahatma Gandhi sowie Muhammad Ali Jinnah als Vertreter der Muslime. Die Beratungen führten jedoch zu keiner Einigung, weshalb Mountbatten und seine Berater in der Teilung Indiens die einzige Lösung sahen. Die Bevölkerung Indiens war durch diesen Plan jedoch stark verängstigt und auch wütend.

Teilung des Landes und Bürgerkrieg

Film „Der Stern von Indien“
Die Teilung Indiens und der Bürgerkrieg stürzt viele Menschen in die Verzweiflung. © Foto: TOBIS Film GmbH

Die Teilung des Landes in Indien und Pakistan war verheerend. Eigentlich wollte man durch die Trennung von Hindus und Muslimen Gewalt verhindern – das Gegenteil wurde erreicht. Die britische Kolonialmacht zog sich viel zu früh aus Indien zurück und stellte sich nicht ihrer Verantwortung für den Subkontinent. Millionen Menschen flohen in die jeweils muslimischen oder hinduistischen Gebiete, Hunderttausende Familien wurden auseinandergerissen. Es herrschte Chaos und Verzweiflung. Außerdem kam es zu blutigen Konflikten zwischen Hindus, Muslimen und Sikhs, bei denen etwa eine Million Menschen ums Leben kamen. Der religiöse und politische Streit zwischen Indien und Pakistan ist bis heute nicht gelöst. Seit 1947 kam es zu vier Kriegen zwischen beiden Nationen. Ständig kommt es auch heute noch zu Grenzkonflikten – teilweise mit Toten – in der Region Kaschmir.

Prädikat „Besonders wertvoll“

Film „Der Stern von Indien“
Jeet und Aalia wollen sich nicht trennen lassen. © Foto: TOBIS Film GmbH

„Der Stern von Indien“ zeigt eindringlich, spannend und unterhaltsam, wie es dazu kommen konnte. Der Film ist ein gut recherchiertes Stück Weltgeschichte, ein interessantes Kinoerlebnis für jeden Indienliebhaber.

Kinostart: 10. August 2017

Auch Interessant:

Hotel Salvation, Foto: Cargo Records GmbH

HOTEL SALVATION – Erlösung? Feiert das Leben!

Nach einer Festivalreise rund um den Globus freut sich Shubashish Bhutiani auf die Aufführungen während …

Schreibe einen Kommentar