Rezension: „In Bombay ertrinkt man nicht im Meer“

Wie fühlt man sich wohl, wenn man das erste Mal nach Indien reist – ohne Reisegruppe, ohne Rundum-sorglos-Paket, ohne schützendes Ayurveda-Resort um sich herum – und in der Millonenmetropole Mumbai landet? Der Drehbuchautor und Schriftsteller Georg Heinzen schildert in seinem Roman „In Bombay ertrinkt man nicht im Meer“, was der Mittfünfziger Konrad bei der Recherche zum Schicksal zweier ehemaliger Mitschüler dort erlebt.

Georg Heinzen, Autor des Kultbuches „Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden“ (und des Folgeromans „Von der Nutzlosigkeit, älter zu werden“) kennt die Stadt. Er hat hier einige Monate gelebt und zusammen mit seinem Sohn Florian Heinzen-Ziob  2016/2017 den Dokumentarfilm „Original Copy“ über ein Traditionskino in Mumbai und den aussterbenden Beruf des Kinoplakatmalers gedreht und produziert.

Sein Protagonist Konrad in seinem Roman „In Bombay ertrinkt man nicht im Meer“ ist ein Lehrer an einem Internat, das ursprünglich zur Ausbildung des katholischen Priesternachwuchses gegründet wurde und an dem er einst selbst Schüler war. Konrad ist nicht gerade ein abenteuerlustiger Typ. 
Sein Leben verläuft im immer gleichen Trott. Nur als Redakteur des Internats-Nachrichtenblatts kann er noch ein wenig dem Traum von einer journalistischen Karriere nachhängen. Und in dieser Funktion erhält er eines Tages die Nachricht vom Tod zweier ehemaligen Mitschüler, die beide am gleichen Tag „in Bombay“ umgekommen sein sollen. Eigentlich fährt Konrad jedes Jahr an Pfingsten mit seiner Frau nach Kreta, wo beide dann getrennte Wege gehen. Sie liegt am Strand, er wandert durch die Landschaft. Die beiden haben sich nicht mehr viel zu sagen. Dieses Mal bucht er ganz spontan einen Flug in die indische Metropole. Allein. Seine Frau will ohnehin auch mal was anderes machen, Yoga in der Toscana.

Konrad erlebt in Mumbai einen Kulturschock. Der chaotische Verkehr, die Sommerhitze, die unendlich vielen Menschen auf den Straßen, in den Regionalzügen, das Sprachengewirr – das alles überwältigt ihn gleich zu Beginn. 
Doch er trifft hilfreiche Menschen, allen voran Riva, einen Rikscha- und Taxifahrer, und Scarlett, die ehemalige Putzfrau der beiden Mitschüler. Konrad taucht ein in die Stadt, schlägt sich – meist mithilfe der beiden – durch den Moloch Mumbais und lernt viele Facetten dieser Metropole kennen. Bei seinen Recherchen begibt er sich an Orte, die man als Tourist sonst nicht zu sehen bekommt, wie den Khar West Cremation Ground oder den Slum in Bandra, in dem Scarlett wohnt. Er zieht vom Hotel in die verlassene Wohnung der beiden Vermissten, schlägt sich dort mit den anderen Hausbewohnern herum. Er begegnet den unterschiedlichsten Menschen mit verschiedensten kulturellen Hintergründen und tut Dinge, die er sich selbst vermutlich nie zugetraut hätte. All das – die Gespräche, die Atmosphäre – schildert Georg Heinzen so plastisch und häufig mit einem schönen, leicht ironischen Unterton, dass man sich sofort in die entsprechenden Situationen hineinversetzt fühlt und aus dem Schmunzeln gar nicht mehr herauskommt. Auch der Charme dieser hilfsbereiten, aber auch sehr geschäftstüchtigen, schlitzohrigen Menschen, die in dieser Stadt ums Überleben kämpfen, kommt sehr gut rüber.

„In Bombay ertrinkt man nicht im Meer“ ist ein kurzweiliger, sehr unterhaltsamer Roman mit überraschenden Wendungen. Wer Mumbai nicht kennt, dem kann ich das Buch wärmstens empfehlen. Es  wird Sie vor so mancher Überraschung bei der ersten Reise dorthin bewahren. Diejenigen, die Mumbai bereits kennen und lieben, werden sicher bei der Lektüre über zahlreiche Déjà-vus schmunzeln. Man kann Bombay förmlich riechen, schmecken, fühlen. Jede Seite verströmt das Flair dieser durchgeknallten, großartigen Stadt. Ein Muss für jeden Bombay-Liebhaber!

„In Bombay ertrinkt man nicht im Meer“

Roman von Georg Heinzen
256 Seiten, gebunden und als eBook

Erscheinungsdatum: 1. Mai 2020 bei polyphembooks.de

Preis: 20 EUR (gebunden), 9,90 EUR (eBook)
Print-ISBN:     978-3-00-061726-3 eBook-ISBN: 978-3-00-062018-8

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„In Bombay ertrinkt man nicht im Meer“

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