Monsun in Indien

In Indien beginnt nun bald die Regenzeit. Hauptsaison für den Monsun ist Juni bis September. Ein ähnliches Wetterphänomen haben wir hier in Europa in unseren eher gemäßigten Breiten nicht. Daher fragen sich viele Urlauber bange: „Kann man denn im Monsun überhaupt nach Indien reisen? Oder versinke ich dort in Fluten, bleibe auf unpassierbaren Straßen stecken, muss non-stop Regen ertragen und bin vielleicht sogar ernsthaft durch Überschwemmungen und Erdrutsche etc. bedroht?“ So viel vorweg: Auch im Monsun ist Indien eine Reise wert.

Wodurch entsteht der Monsun in Indien?

Im indischen Sommer (April/Mai) heizt sich die Luft über der Wüste Thar in Rajasthan sowie über den benachbarten Regionen ganz besonders auf und es entsteht ein Tiefdruckgebiet. Warme, sehr feuchte Luftmassen über dem Indischen Ozean strömen in diese Tiefdruckrinne. Wo sich den Winden, die die schweren Wolken vor sich her treiben, Hindernisse in den Weg stellen – z. B. die Westghats und vor allem die mächtigen Gipfel des Himalaya – steigen die Wolken auf, die Luft in den höheren Luftschichten ist kälter, der Wasserdampf verbindet sich zu immer größeren Tropfen und schließlich beginnt es zu regnen. Wenn dieser Südwest-Monsun im Juni den indischen Subkontinent erreicht, teilt er sich in zwei Teile um die Mittelgebirgsregion der Westghats in Süd- und Zentralindien. Ein Teil zieht weiter nach Norden über das Arabische Meer und die Küste vor den Westghats hinauf. Der andere Teil zieht über den Golf von Bengalen durch Assam und trifft dann den östlichen Himalaya.

Was passiert wann während des Monsuns in Indien?

Der Südwest-Monsun erreicht die Küste Südindiens, also Kerala, um den 1. Juni herum. Gewöhnlich ist er dann etwa 10 Tage später in Mumbai, erreicht Delhi Ende Juni und hat Mitte Juli ganz Indien im Griff. Jedes Jahr wird erneut über die Ankunft des Monsuns spekuliert. Doch obwohl sich die meteorologischen Voraussagen immer weiter verbessern, wird ganz selten der tatsächlich erste Monsuntag erraten.

Der Monsun setzt auch nicht sofort in voller Stärke ein. Erst gibt es einige vor-monsunliche Schauer, die von Tag zu Tag stärker werden. Man weiß, dass er wirklich angekommen ist, wenn eine Periode intensiven Regens mit Blitz und Donner beginnt. Dieser Regen wirkt wie eine Befreiung auf die meisten Menschen in Indien. Man sieht Kinder herumrennen, im Regen tanzen und Spiele im Freien spielen. Sogar Erwachsene spielen mit im Regen, weil er nach der Hitze des Sommers so erfrischend ist.

Nach den ersten heftigen Regenfällen, die einige Tage dauern können, fällt der Monsun in einen regelmäßigen Wechsel von einigen Stunden Regen pro Tag und strahlendem Sonnenschein. Hat gerade noch die Sonne geschienen, so kann es im nächsten Augenblick wie aus Eimern schütten. Der Regen wird nicht vorhersagbar. An manchen Tagen fällt sehr wenig Regen; dann steigen die Temperaturen ziemlich an und die Luftfeuchtigkeit wird sehr hoch. Am meisten regnet es im größten Teil Indien im Monat Juli. Im August lassen die Niederschläge dann allmählich wieder nach. Und im September liegt der Monsun dann in den letzten Zügen. Dennoch kann es auch dann noch punktuell zu ungeheuer starken Regengüssen kommen. Während der starken Regenfälle sind die Straßen mancher indischen Städte zeitweise überflutet. Die Abwasserkanäle können die großen Wassermassen einfach nicht mehr bewältigen.

Wo regnet es in Indien während des Monsuns am meisten?

Keineswegs regnet es in ganz Indien überall gleich viel. Mumbai dürfte wohl die Stadt mit den heftigsten Güssen sein, gefolgt von Kolkata. Der Osten des Himalaya, um Darjeeling und Shillong, der Hauptstadt des indischen Bundesstaates Meghalaya, ist ein wahres Regenloch. Im Golf von Bengalen hat der Monsun gute Gelegenheit, seine Wolken mit Wasserdampf vollzuladen und auf dem Weg zum Himalaya stellt sich ihm kein Hindernis in den Weg. Die Region gehört im Monsun zu den regenreichsten Gegenden der Welt. Cherrapunji in Meghalaya hält sogar weltweit den Rekord als regenreichster Ort.

Wo regnet es in Indien während des Monsuns am wenigsten?

Relativ wenig Regen bekommen Delhi, Bengaluru (Bangalore) und Hyderabad ab. Auch in Chennai regnet es – zumindest im Südwest-Monsun – relativ wenig. Dort ist der Nordost-Monsun von Oktober bis Dezember stärker. Am allerwenigsten regnet es im Monsun in der Wüste Rajasthans, auf dem Deccan-Plateau auf der Ostseite der Westghats und in Lakdakh im Norden Indiens.

Was hat man davon, im Monsun nach Indien zu reisen?

Es gibt schon einige Vorzüge, die der Monsun Reisenden bieten kann – einmal ganz abgesehen von dem spektakulären Erlebnis dieses Klimaphänomens an sich. Die meisten Sehenswürdigkeiten sind nicht so überlaufen, wie in der Hauptsaison (Dezember bis Februar). Die Flüge nach Indien sind oft weitaus günstiger und im ganzen Land kann man Hotelzimmer zu Sonderkonditionen finden. Und außerdem sehen Sie einmal eine ganz andere Seite von Indien. Die Natur blüht auf und der Regen taucht die Landschaft in ein üppiges, saftiges, kühles Grün.

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