Hintergrund: Die Geschichte der indischen Rupie

Die indische Rupie blickt auf eine Jahrtausende alte Tradition zurück. Auf dem indischen Subkontinent lebten einige der ersten Kulturen, die ein Münzsystem einführten. Exakt lässt sich nicht bestimmen, wann das war, doch es lag irgendwann zwischen dem 6. und 4. Jahrhundert v. Chr.

Das Hindi-Wort rūpiya stammt vom Sanskrit-Wort rūpya und bedeutet so viel wie „getriebenes Silber, eine Münze aus Silber“. Ursprünglich hatte es eine adjektivische Bedeutung, und zwar „wohlgeformt“, im Sinne von „geprägt“, und daraus entwickelte sich dann die Bedeutung „Münze“. Das Substantiv rūpa aus der drawidischen Sprache bedeutet „Form, Abbild, Bild“.

Im Arthashastra, einer uralten indischen Staatslehre mit teilweise sehr modern anmutenden Regeln und Richtlinien, die von Chanakya, dem Premierminister des ersten Maurya-Herrschers Chandragupta Maurya (etwa 340 – 290 v. Chr.) verfasst wurde, werden Silbermünzen als rūpyarūpa erwähnt. Auch Goldmünzen (Suvarnarūpa), Kupfermünzen (Tamrarūpa) und Bleimünzen (Sisarūpa) finden dort Erwähnung und rupa bedeutet auch hier „Form oder Abbild“.

Zusammen mit dem chinesischen Wen und dem lydischen Stater war die indische Rupie aus dem alten Indien etwa 600 vor Christus bereits eine der ersten Münzen der Welt.

Es gibt historische Hinweise, die vermuten lassen, dass die ersten Münzen bereits irgendwann zwischen 2500 und 1750 v. Chr. eingeführt wurden. Doch die ersten wirklich dokumentierten Münzen stammen aus der Zeit zwischen dem 7. bzw. 6. Jahrhundert v. Chr. und dem 1. Jahrhundert n. Chr. Wegen der Herstellungstechnik, mit der sie erzeugt wurden, heißen sie auch punzierte Münzen.

712 n. Chr. eroberten die Araber die indische Provinz Sindh und brachten ihre eigene Schrift und Kultur mit nach Indien. Bis zum 12. Jahrhundert ersetzten die türkischen Sultane von Delhi dann die alten arabischen Muster mit ihrer islamischen Kalligrafie. Ihre Währung wurde „Tanka“ genannt, die niedrigwertigen Münzen hießen „Jittals“.  Das Sultanat in Delhi versuchte das Währungssystem zu standardisieren und stellte nun Münzen aus Gold, Silber und Kupfer her.

1528 begann die Herrschaft der Moguln, die ein einheitlichtes und konsolidiertes Währungssystem für ihr gesamtes Reich weiter vorantrieben. Einen starken Einfluss auf diesen Prozess hatte der Afghane Sher Shah Suri (1540 bis 1545), der die Silber-Rupayya oder Rupienmünze einführte. Die Prinzenstaaten des präkolonialen Indiens prägten ihre eigenen Münzen, die alle der Silberrupie ähnelten, aber eben auch regionale Unterschiede aufwiesen.

Während des späten 18. Jahrhunderts, als es viele politische Unruhen gab, wurden Banken wie die Bank of Bengalen and Bihar, die Bank of Hindustan, die Orient Bank Corporation und die Bank of Western India gegründet. Diese Banken druckten ihr eigenes Papiergeld in den Sprachen Urdu, Bengali und Nagri.

Erst 1858, als die britische Krone die Kontrolle über die rund 100 Prinzenstaaten übernahm und das Mogulnreich endete, wurden die indischen Motive auf den Münzen durch Porträts der britischen Monarchen ersetzt, um die Vorherrschaft der Briten aufzuzeigen. 1866 brachen die Finanzinstitute zusammen und die Kontrolle über das Papiergeld ging ebenso auf die britische Regierung bzw. die Prägemeister, Hauptbuchhalter und Währungskontrolleure über. 1867 wurde zu Ehren von Königin Victoria eine Serie von Banknoten mit ihrem Porträt gedruckt.

Nach der Unabhängigkeitserklärung 1947 und der Gründung der Republik Indien im Jahr 1950 wurde das Design der modernen Rupie wieder dem der alten Rupie angepasst. Als Symbol für die Geldscheine wurde das Löwenemblem von Sarnath gewählt, das die alte George-VI-Serie von Banknoten ersetzte. 1996 wurden die Mahatma-Gandhi-Banknoten eingeführt.

Seit 2012 sind Banknoten im Wert von 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Rupien im Umlauf; Münzen gibt es im Wert von 50 Paisa, 1, 2, 5 und 10 Rupien. Nicht eingeschlossen sind hierin die Gedenkmünzen, die zu speziellen Gelegenheiten geprägt werden.

Das indische Rupien-Symbol ((Rupiensymbol einfügen)) ist aus dem Devanagari-Konsonanten „“ (Ra) plus einer zusätzlichen horizontalen Linie entwickelt worden. Das Symbol ähnelt auch ein wenig dem lateinischen Konsonaten „R“ – für Rupie –, und die beiden horizontalen Linien erinnern an die Symbole für den Euro (€) oder den japanischen Yen (¥). Die ersten Münzen mit dem Rupiensymbol wurden am 8. Juli 2011 in Umlauf gebracht.

Auf jeder Banknote steht der Betrag in 17 Sprachen. Auf der Vorderseite wird der Nennwert in Englisch und Hindi genannt. Auf der Rückseite wird der Wert der Note in 15 der 22 offiziellen Landessprachen erwähnt. Diese Sprachen, zu denen Assamesisch, Bengali, Gujarati, Kannada, Kashmiri, Konkani, Malayalam, Marathi, Nepali, Oriya, Punjabi, Sanskrit, Tamil, Telugu und Urdu gehören, erscheinen in alphabetischer Reihenfolge.

Das indische Zahlensystem basiert auf dem Dezimalsystem, allerdings mit zwei entscheidenden Unterschieden zum westlichen System, nämlich der Verwendung von langen und kurzen Leitern. Dieses System ist im alltäglichen Zahlungsverkehr auf dem indischen Subkontinent tief verwurzelt.

Indische Bezeichnung Deutsche Bezeichnung Indische Zifferngruppierung Internationale Zifferngruppierung
1 lakh 100 Tausend 1,00,000 100,000
10 lakhs 1 Million 10,00,000 1,000,000
1 crore 10 Millionen 1,00,00,000 10,000,000
10 crores 100 Millionen 10,00,00,000 100,000,000
1 Arab 1 Milliarde 1,00,00,00,000 1,000,000,000
10 Arabs 10 Milliarden 10,00,00,00,000 10,000,000,000
1 kharab 100 Milliarden 1,00,00,00,00,000 100,000,000,000
10 kharabs 1 Billion 10,00,00,00,00,000 1,000,000,000,000
1 padam (shankh) 10 Billionen 1,00,00,00,00,00,000 10,000,000,000,000
10 padams (shankhs) 100 Billionen 10,00,00,00,00,00,000 100,000,000,000,000

https://www.indienaktuell.de/indien-information/geschichte-indiens/

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