UN legt Verzeichnis der immateriellen Kulturschätze Indiens an

Viele immaterielle Kulturschätze Indiens sind bereits verschwunden oder in Vergessenheit geraten. Damit die verbleibenden immateriellen Kulturschätze des Landes, wie Kunstformen, Handwerkskunst oder andere immaterielle Kulturgüter Indiens, nicht auch noch unwiederbringlich verloren gehen, starten die Vereinten Nationen (UN) ein Projekt, in dem diese Kulturschätze verzeichnet werden sollen. Der Vertreter der UN in Indien, Yuri Afanasiev, erklärte, dass das Projekt, das wie ein Wiki, also eine Sammlung von Informationen, aufgebaut werden soll, unter anderem durch Crowd-Sourcing finanziert werden soll.

„Indien ist nicht nur reich an Monumenten, Wahrzeichen und Baudenkmälern, er verfügt auch über unzählige immaterielle Kulturschätze wie Volksmusik, Kunstformen, Textildesign oder Handwerkskunst“, ergänzte Afanasiev. „Aber täglich verschwinden einige dieser Kulturgüter, und das schmerzt mich.“

Ramman im Garhwal-Himalaya
Einer der traditionellen Tänze bei Ramman im Garhwal-Himalaya. Foto: Arvind Mudgil

Der 24. Oktober 2018, dem Tag der Vereinten Nationen, war Indiens Kulturschätzen, den materiellen sowie den immateriellen gewidmet. Sie wurden an diesem Tag auf dem Campus der UN in Neu-Delhi ausgestellt.

Bisher wurden 13 immaterielle Kulturschätze Indiens in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Insgesamt beinhaltet diese Liste 470 Einträge aus 117 Ländern (darunter 3 aus Deutschland).

Kutiyattam-Theater in Kerala
Kutiyattam-Theater in Kerala. Foto: Thulasidas

Zu den bereits in die UNESCO-Liste aufgenommenen immateriellen Kulturschätzen gehören:

  • die Kumbh Mela (das größte religiöse Fest der Welt),
  • Novruz (das persische Neujahrs- und Frühlingsfest, das die Parsen in Indien feiern),
  • die Tradition der vedischen Gesänge,
  • Ramlila (die mehrtägige Theateraufführung des Epos Ramayana),
  • Kutiyattam (eine traditionelle Theaterform aus Kerala; vermutlich die älteste Theaterform Indiens),
  • das Sanskrit-Theater,
  • Ramman (ein religiöses Festival und rituelles Theater aus dem Garhwal-Himalaya im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh),
  • die Volkslieder und Tänze der Kaste der Kalbelia in Rajasthan und
  • der Chhau-Tanz (eine Form traditioneller Tanzdramen in Ostindien, die bei Jahresfesten, vor allem beim Frühlingsfest Chaitra Parva aufgeführt wird).

„Die schlichte Tradition einer kleinen Stadt, handgefertigte Saris herzustellen, ein Volkslied aus einem Dorf in irgendeiner Ecke in Indien, ein Kochrezept irgendeiner Mutter oder Großmutter, das alles könnte verschwinden, weil die junge Generation in die großen Städte wegzieht“, sagte Afanasiev. „Dieses Projekt will sie für die Nachwelt einfangen. Diese Kulturgüter könnten durch Töne, Bilder, Techniken, Stilmittel, Fotografien und andere audio-visuelle Medien dokumentiert werden.“

Für das Projekt wurde ein Zeitraum von etwa einem Jahr anberaumt. Die UNESCO und die UNDP sowie verschiedene indische Ministerien wie das Kulturministerium und das Textilministerium werden sich beteiligen.

Am Tag der Vereinten Nationen lobte Afanasiev Indiens Kulturvielfalt überschwänglich: „Ich habe eine persönliche Liebesbeziehung zu Indien, zu seinen vielfältigen Geschmacksrichtungen, Farben, Tönen, Gerüchen und dem Essen.“ Davon möchte er so viel wie möglich bewahren.

 

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