Die Süßigkeit namens Til-gud wird zu Makar Sankranti gereicht. Foto: Saloni Desai

Makar Sankranti, Lohri, Pongal – Erntedankfeste in Indien

In  Indien beginnen jetzt Erntedankfeste, die in den verschiedenen Regionen unterschiedliche Namen haben: Lohri, Makar Sankranti oder Pongal.

Makar Sankranti

Die Süßigkeit namens Til-gud wird zu Makar Sankranti gereicht. Foto: Saloni Desai
Die Süßigkeit namens Til-Gud wird zu Makar Sankranti gereicht. Foto: Saloni Desai

In Uttar Pradash, Bihar, Andhra Pradesh, Telangana, Maharashtra und Gujarat, heißt das Erntedankfest Makar Sankranti. Die Zuckerrohrernte steht hier im Mittelpunkt. Die Frauen bereiten eine spezielle Süßigkeit zu, Til-gud genannt, die aus dem Zucker des frischen Zuckerrohrs und Sesamkörnern besteht, und verschenken sie mit den Worten „Til-gud ghya, god god bola“ (Nimm dieses süße Til und sprich süße Worte“) an Freunde und Nachbarn. Symbolisch sollen so alte Feindschaften beendet werden und ein versöhnlicher Neuanfang beginnen. Vor allem in Gujarat und Andhra Pradesh ist es Tradition, zum Erntedankfest Drachen steigen zu lassen. Tausende Drachen kann man dann am Himmel beobachten. Es finden auch Wettbewerbe im Drachensteigen statt.

Lohri
Im Punjab heißt das Fest Lohri. Hier wird damit auch die Wintersonnenwende, die Ende Dezember stattfindet, gefeiert. Kinder gehen von Tür zu Tür und singen Volkslieder. Dafür bekommen sie Süßigkeiten und andere Leckereien, manchmal auch Geld. Wenn man den Kindern nichts gibt, soll es Unglück bringen. Jetzt, in der kältesten Zeit des Jahres – und es kann durchaus sehr kalt werden –, versammeln sich Familien und Freunde im Freien um ein Freudenfeuer. Als Opfergabe für den Feuergott Agni werden Reis und Süßigkeiten in die Flammen geworfen. Dann singt und tanzt man um das Feuer, bis es erloschen ist. Auch in Punjab lässt man zu Lohri gern Drachen steigen.

Indiens Präsident Pranab Mukherjee sandte zu diesen Festtagen gestern an alle seine Landsleute Grüße. Auf dass die Erntedankfeste die Gemeinden und Regionen Indiens in brüderlicher Liebe und Zuneigung vereinen mögen, wie er sagte, und das die Festivals der Beginn einer Ära des Wohlstands und neuer Chancen und Möglichkeiten sein mögen.

Pongal

Im Süden Indiens, in Tamil Nadu, feiert man Pongal. Das Wort bedeutet im Sanskrit so viel wie „Überkochen“. Als Symbol für reichen Überfluss lässt man zu Pongal einen Topf mit Milchreis überkochen. Dies soll dann auch im kommenden Jahr wieder reiche Ernte bringen. Das Fest dauert vier Tage und findet meist vom 13. bis 16. Januar statt. Am ersten Tag bzw. am Vorabend des ersten Festtages, der Tag wird Bhogi genannt, verbrennt man alte Kleidung oder wirft andere alte Sachen weg, um somit einen Neuanfang zu symbolisieren.

Am zweiten Tag, dem eigentlichen Pongal-Fest, wird gleich am frühen Morgen draußen im Freien, vor der Haustür oder in den Höfen der Häuser, in einem Topf das gleichnamige Gericht Pongal, eine Mischung aus frisch geerntetem Reis, Milch und Zuckerrohr, manchmal sind noch Cashew-Nüsse und Rosinen im Topf, auf offenem Feuer zum Überkochen gebracht. Der Topf sowie die Feuerstelle sollten beide am besten neu sein. Sobald die Milch überläuft – ein Zeichen für Glück, Wohlstand und Überfluss –, rufen alle laut „Pongal! Pongal!“, werfen weitere Reiskörner in die Milch und die Sanggu (eine große Muschel) wird geblasen. Der Reis wird zwar aus Ehrerbietung für den Sonnengott gekocht, aber später essen ihn dann die anwesenden Familienmitglieder. Man besucht Verwandte und bringt ihnen Leckereien und Süßigkeiten wie Vadai (frittierte pikante Küchlein), Murukku (ein ebenfalls frittierter Snack aus Reisnudeln) und Paayasam (auch Kheer genannt, ein süßer Reispudding) mit. In Tamil Nadu malen die Frauen zu Pongal auch gern Rangolis vor ihre Türen.

Frauen malen ein Rangoli vor ihre Haustür. Foto: Anne Roberts
Frauen malen ein Rangoli vor ihre Haustür. Foto: Anne Roberts

Am dritten Tag, an Mattu Pongal, wird den Rindern, den Kühen und Büffeln für ihre Dienste gedankt, indem sie geschmückt werden. Es gibt aber auch Stierkämpfe, das sogenannte Jallikattu. Dabei müssen junge Männer einen halbwilden Stier mit bloßen Händen niederringen, was ganz schön gefährlich sein kann.

Der letzte Feiertag, Kanum Pongal, diente früher der Brautschau („kanum“ heißt „anschauen“). Heute geht man an den Strand oder vergnügt sich in Freizeitparks. Als Heiratsmarkt dient Kanum Pongal nicht mehr.

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