Herrschaft der Frauen in einem indischen Dorf

Weltweit geht das Familienerbe meist vom Vater auf den Sohn über. Doch es gibt auch soziale Gemeinschaften, in denen die Mütter ihren Töchtern das Erbe hinterlassen, sogenannte matrilineare Gesellschaften. Im äußersten Nordosten Indiens gibt es ein Dorf mit einer matrilinearen Gesellschaft: Mawlynnong im indischen Bundesstaat Meghalaya.

Weltweit gibt es die weibliche Erbfolge nur in 13 Prozent aller indigenen Völker und Ethnien. Einige Indianerstämme Nordamerikas, wie die Cherokee, Hopi, Irokesen oder die Navajos, Gesellschaften in Sumatra, Indonesien, Malaysia, die Mosuo in China, die Tuaregs und Serer in Afrika und die meisten jüdischen Gemeinschaften sind matrilinear. Auch die Nairs in Kerala sowie die Bunts und Billava in Karnataka sind matrilinear organisiert. Auch in Meghalaya sind es nicht nur die Khasi im Dorf Mawlynnong, sondern auch die Garo und Jaintia, bei denen diese Gesellschaftsform üblich ist.

Bergig und bewaldet ist der größte Teil Meghalayas ... Foto: Rajesh Dutta
Bergig und bewaldet ist der größte Teil Meghalayas … Foto: Rajesh Dutta

Der Landbesitz ist dort also in Frauenhand. Alle Khasi können lesen und schreiben – 100%, davon können wir in Deutschland nur träumen! Außerdem wurde das Dorf bereits mehrfach von der BBC und dem Reisemagazin Discover India zum saubersten Dorf Asiens gekürt. Der Abfall wird recycelt – ohnehin meist Bioabfall, der dann als Dünger in der überwiegend landwirtschaftlichen Gemeinde genutzt wird.

... und wasserreich. Foto: Preshit Deorukhar
… und wasserreich. Foto: Preshit Deorukhar

Es gibt also wenig Beklagenswertes in Mawlynnong. Doch nun gibt es eine Männerbewegung, die der Meinung sind, dass ihre Rolle in der Gemeinschaft zu unbedeutend ist und die beklagen, dass infolgedessen der Alkoholkonsum der Männer und die Sterblichkeit unter den jungen Männern der Khasi sehr hoch ist. Männer müssten zu wenig Verantwortung tragen; das führe zu Verantwortungslosigkeit. In Meghalayas Hauptstadt Shillong hat sich daher die Syngkhong Rympei Thymmai (SRT), eine Männerrechtsgruppe gegründet, die nun für eine patrilineare Gesellschaft kämpft. Als Außenstehender möchte man ihnen zurufen: Wie wäre es mit einem fairen Kompromiss? Nach den vielen Jahrzehnten, die Frauen weltweit nun schon um ihre Rechte kämpfen, wäre es ein fatales Signal, wenn ausgerechnet eine der wenigen matrilinearen Gesellschaften dieser Welt schließlich auch von Männern dominiert wird. Noch bestimmen jedoch die Frauen in diesem kleinen Dorf in der wilden Landschaft Meghalayas.

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