Das rote Fort in Agra. Foto: Laszlo Ilyes

The Heritage Arc – Ein Bogen der Kulturgeschichte

Uttar Pradesh spielt seit vielen Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der Geschichte Indiens. Der kulturgeschichtliche Bogen dieses nordindischen Bundesstaates spannt sich über das Herz der Region – von Agra über Lucknow nach Varanasi.

In diesem Bogen findet man unzählige Beispiele von Architektur, Kunst, Kultur, spiritueller Tradition aus großen Epochen der indischen Geschichte, aber auch eine schmackhafte, vielfältige Küche.

Agra

Das Taj Mahal in Agra. Foto: Michael Foley
Das Taj Mahal in Agra. Foto: Michael Foley

Agra, das mit Unterbrechungen von 1526 bis 1648 die Hauptstadt der Moguln war, benötigt eigentlich keiner weiteren Erläuterung, denn hier steht das berühmteste Grabmal der Welt: das Taj Mahal, das Shah Jahan zum Andenken an seine große Liebe, seine Frau Mumtaz Mahal, errichten ließ. Es ist eines der schönsten Bauwerke auf Erden. Seit 1983 gehört das Taj Mahal zum UNESCO Weltkulturerbe.

Was die Qualität der Intarsien – feinste Einlegearbeiten aus Edel- und Halbedelsteinen – angeht, ist das Itimad-du-Daula-Mausoleum fast noch schöner als das Taj Mahal. Dieses Grabmal wurde nur wenige Jahre vor dem Taj von Nur Jahan für ihren Vater, den Schatzmeister und späteren Wesir Mirza Ghiyas Beg, der den Ehrentitel „Itimad ud-Daula“ (Stütze des Staates) trug, erbaut. Nur Jahan war die Hauptfrau des Mogulherrschers Jahangir und die Tante von Mumtaz Mahal.

Nicht minder sehenswert ist das Rote Fort in Agra, das auf dem anderen Ufer des Flusses Yamuna liegt. Hier lässt vor allem der Palast von Shah Jahan und die Perlmoschee im Innern des Forts uns Europäer an die Geschichten aus 1001 Nacht denken (auch wenn die eigentlich in Persien spielen). Auch das Rote Fort gehört zum UNESCO Weltkulturerbe.

In Agra kann man hervorragendes Kunsthandwerk in den Geschäften kaufen – Marmoreinlegearbeiten, Skulpturen, Teppiche, aber auch Schmuck. Kaufen Sie aber nichts auf der Straße. Dort erhalten Sie nur billige Kopien.

Ganz in der Nähe von Agra liegt Fatehpur Sikri, ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe. Diese Stadt etwa 40 km südwestlich von Agra wurde nur sehr kurze Zeit bewohnt. Erbauen ließ sie Großmogul Akbar zwischen 1569 und 1574. Im Jahr 1571 zog er mit seinem gesamten Hofstaat von Agra hierher. Schon nach nur 14 Jahren wurde der gesamte Hof wiederum verlegt, nach Lahore, denn von dort konnte Akbar seine Feldzüge besser leiten und außerdem war die Wasserversorgung von Fatehpur Sikri problematisch. Seitdem ist Fatehpur Sikri eine – gut erhaltene! – Geisterstadt.

Keine 50 km von Agra entfernt liegen die beiden heiligen Städte Mathura und Vrindavan. In und um Mathura soll laut Hindu-Gelehrten aus dem 16. Jahrhundert Braj Bhoomi, das Land der ewigen Liebe, liegen. In dieser Gegend, die auch Vrindavan einschließt, soll Krishna geboren und aufgewachsen sein. Mathura ist eines der wichtigsten Zentren des Hinduismus.

Auch die Natur in Uttar Pradesh ist beeindruckend. Im National Chambal Sanctuary lebt eine sehr große Population des Gangesgarvials (eine seltene, stark bedrohte Krokodilart mit einem langen, schmalen Maul), die noch selteneren Gangesdelfine sowie seltene Arten von Wasserschildkröten.

Lucknow

Blick auf die Moschee Jama Masjid und Bara Imambara. Foto: Tushar Dayal
Blick auf die Moschee Jama Masjid und Bara Imambara. Foto: Tushar Dayal

Lucknows Aufstieg begann Mitte des 18. Jahrhunderts mit dem Niedergang der Mogul-Herrschaft. Damit verlagerte sich das islamische Machtzentrum zunächst von Delhi nach Faizabad in der Provinz Avadh und 1775 dann nach Lucknow. Die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum schiitischer Kultur und muslimischer Rechtsprechung und lockte Schüler sogar aus Mittelasien und China an. Dichter und Künstler zog es hierher. Hindus und Moslems arbeiteten übrigens sehr harmonisch in Lucknow zusammen. Bei der Eroberung der Briten Mitte des 19. Jahrhunderts war Lucknow Schauplatz erbitterter Kämpfe.

Zu den sehenswerten Baudenkmälern gehört der aus dem 18. Jahrhundert stammende Bara Imambara (das „große Haus des Imams“). In ihm befindet sich eine der größten Gewölbehallen der Welt: 15 m hoch, 50 m lang, 16 m breit. In seinem Dachgeschoss gibt es ein großes dreidimensionales Labyrinth. Etwas kleiner ist der Chhota Imambara, der auch „Palast der Lichter“ genannt wird und zu Feiertagen so erleuchtet wird, dass er wie ein Märchenschloss aussieht. Sehenswert sind auch die Ruinen der einstigen britischen „Residency“ und der Shah Najaf Imambara mit seiner riesigen Kuppel.

Die Küche Lucknows ist legendär. Wenn Sie die Stadt besuchen, müssen sie unbedingt ein Kebab, Korma, Biryani, Kaliya, Nahari-Kulcha etc. probieren. Und zum Nachtisch Halwa oder Shahi Tukda, die beiden leckersten Desserts, die man in dieser Stadt bekommen kann.

Wenn Sie Lust auf Natur verspüren, empfiehlt sich ein Ausflug in den Dudhwa Nationalpark an der Grenze zu Nepal (240 km von Lucknow entfernt). Er ist vor allem für seine großen Bestände an Barasingha-Hirschen und seine Tiger bekannt. Auch Panzernashörner wurden hier Mitte der 1980er-Jahre wieder angesiedelt.

Varanasi

Eine Ganga Aarthi (ein Ritual) in Varanasi. Foto: Roehan Rengadurai
Eine Ganga Aarthi (ein Ritual) in Varanasi. Foto: Roehan Rengadurai

Varanasi ist eine der ältesten Städte der Welt. Sie wird in den großen indischen Nationalepen Ramayana und Mahabharata sowie in späteren buddhistischen Schriften erwähnt. Hindus, die in Varanasi sterben, glauben, dass sie damit vom ewigen Kreislauf der Wiedergeburt befreit werden. Varanasi hat eine bewegte Vergangenheit, sowohl in materieller als auch spiritueller Hinsicht. Die Stadt repräsentiert indische Traditionen, die Akzeptanz verschiedener Philosophien, deren Aufstieg und Fall und Wiederauferstehung wie in einer Zeitkapsel, hier am heiligen Ganges im Herzen Indiens.

Das Kunsthandwerk der Stadt, die Seidenstickereien, die royalen Teppiche, fantastische Holzarbeiten, der Perlenschmuck, den man hier kaufen kann, sind faszinierend schön. Doch die größte Sehenswürdigkeit der Stadt ist die Spiritualität, die hier überall gewaltig mitschwingt. Es gibt unzählige Tempel, aber am faszinierendsten ist es, einer Puja beizuwohnen oder eine Aarti-Zeremonie oder die rituellen Waschungen der Gläubigen am Ganges zu beobachten.

Kommentar verfassen

Scroll to Top