Nizamuddin - Pracht wie aus 1001 Nacht. Foto: Manuel Menal

Qawwali in Delhi – ein 700 Jahre alte, sehr lebendige Musiktradition

In Indiens Hauptstadt Neu-Delhi steht das Nizamuddin Dargah, das Mausoleum eines der berühmtesten Sufi-Heiligen: Nizamuddin Auliya (1234–1325). Es liegt in Delhis Viertel Nizamuddin West und wird täglich von Tausenden Moslems, aber auch von einer Vielzahl von Hindus, Christen und Menschen anderer Konfessionen besucht.

Nizamuddin – der Name ruft bei Kennern sofort Bilder von herrlichen königlichen Grabmälern und Monumenten aus vergangenen Jahrhunderten hervor. Und nicht nur das: Auch die Poesie und Musik – vor allem Qawwali, die andächtige, fromme Musik der Sufi – wurde vom ehrenwerten Nizamuddin Auliya und seinem Lieblingsschüler Amir Khusrau etabliert. Fast 700 Jahre nach ihrem Tod kann man die Magie dieser Musik in Delhi immer noch erfahren.

Qawwali in Delhi

Sufi-Musiker in Nizamuddin. Foto: Saad Akhtar
Sufi-Musiker in Nizamuddin. Foto: Saad Akhtar

Jeden Abend finden im Nizamuddin Dargah in der Nähe der Mathura Road in Nizamuddin West Qawwali-Aufführungen statt. Ganz besonders beliebt sind die Donnerstagabende, „Jummeraat“ genannt, zu denen immer sehr viele Zuhörer kommen. Dann gibt es gewöhnlich zwei Sessions, eine bei Sonnenuntergang und eine gegen 21 Uhr. Nur im Winter findet nur die Session in der Dämmerung statt, nach dem Abendgebet, an dem man gern teilnehmen kann. (Bitte achten Sie auf gedeckte Kleidung, lange Ärmel, lange Hosen und eine Kopfbedeckung, für die Frauen z. B. ein Tuch über Schultern und Haar).

Versetzt in eine andere Epoche

In der Gegend um Nizamuddin Dargarh. Foto: Lamat
In der Gegend um Nizamuddin Dargarh. Foto: Lamat

Wenn Sie Nizamuddin Basti, die Gegend rund um das Mausoleum, betreten, werden Sie sofort in eine andere Zeit versetzt. Die enge Gassen sind voller Lärm, man sieht farbenprächtige Stoffe, Rauch steigt von Grills mit dem Fleisch für das Abendessen auf, das man hier nach dem Qawwali genießen kann. Es gibt viele Stände, an denen Rosenblätter und Räucherstäbchen verkauft werden, die man im Dargarh opfern kann. Besucher werden zunächst in das Grabmal (Khusrau’s Mazaar) geführt. Natürlich müssen Sie hier die Schuhe ausziehen, auf die die Verkäufer an den Ständen aber gern für Sie aufpassen. Aber Sie erhalten keine Aufbewahrungsmarke oder Ähnliches für die Aufbewahrung.

Sobald man im Inneren ist, kann man seine Opfergaben darbieten (Räucherstäbchen oder Blütenblätter). Frauen dürfen das innerste Heiligtum allerdings nicht betreten. Sie geben ihre Opfergaben meist bei den Wächtern ab. Das Grabmal besticht im Innern mit seiner schönen, komplizierten Architektur und den kunstvollen Verzierungen der Säulen. Die Wächter führen Sie gern herum und beantworten ihre Fragen und obwohl man überall Schilder sieht, dass Fotografieren und Filmen verboten ist, sieht man genügend Menschen, die fotografieren und filmen.

Wenn sich der Raum füllt, sollten Sie sich einen Platz auf dem Marmorfußboden suchen, um der Musik zuzuhören.

Musiker in 700-jähriger Familientradition

Eintauchen in ein anderes Zeitalter. Foto: Saad Akhtar
Eintauchen in ein anderes Zeitalter. Foto: Saad Akhtar

Die Nizami-Brüder sind die hier ansässigen Qawwals. Sie stammen aus einer Familie, die hier seit 700 Jahren ihre Gesänge darbietet. Die Sänger und Musiker werden vom Publikum lautstark begrüßt. Die Musiker singen und spielen sich zunächst auf der Bühne ein, bevor sie aus voller Brust mit ihren Gesängen beginnen. Etwa eine Stunde dauert die Aufführung. Durch die leidenschaftliche Beteiligung der Zuhörer, die allgegenwärtigen Gerüche der Blumen und Räucherstäbchen und die gesamte Stimmung im Raum werden Sie sich in eine Zeit vor vielen Jahrhunderten zurückversetzt fühlen. Das Erlebnis einer Qawwali-Vorstellung in Nizamuddin ist sehr bewegend und sicherlich unvergesslich.

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