Der Hauptpreis des 23. Indischen Filmfestivals Stuttgart geht an „Kangbo Aloti – The Lost Path“ von Khanjan Kishore Nath. Der Regisseur erhielt den „German Star of India“ zum Abschluss des Festivals, das von Donnerstag, 23., bis Sonntag, 26. Juli 2026, in Stuttgart lief. Sein historisches Drama erzählt von einem jungen Extremisten in Nordostindien, der in einem abgelegenen Dorf durch die pazifistische Haltung eines Lehrers in einen moralischen Konflikt gerät. Der Film spielt vor der Kulisse des Karbi-Aufstands der frühen 2000er-Jahre und verzichtet bewusst auf Gesang und Tanz.
Bemerkenswert ist die Sprache. „Kangbo Aloti“ ist einer der ersten Spielfilme überhaupt in Karbi, einer Sprache im nordostindischen Bundesstaat Assam. Die Jury nannte den Film „ein Meilenstein des indigenen nordostindischen Kinos, einer der ersten Spielfilme überhaupt in der Karbi-Sprache und damit die kraftvolle Stimme einer Kultur, die auf der großen Leinwand bislang kaum zu sehen war“.
Den Preis für den besten Kurzfilm erhielt „Detective Meter Down“ von Devansh Agarwal, eine in Mumbai angesiedelte Detektivkomödie zwischen Noir und Slapstick. Die Jury begründete ihr Votum damit, dass der Film beweise, „dass ein Krimi weder neunzig Minuten lang noch schwer erzählt sein muss, um zu fesseln und Spannung zu erzeugen“.
Der Dokumentarfilmpreis ging an „Even the Fire Knows“ von Dipanjali Khakhlary. Die 18 Minuten lange Arbeit porträtiert Tumpa Das, eine der wenigen Frauen, die in Indien als Leichenverbrennerin arbeiten. Die Jury hob hervor, die Interviews zeigten Tumpa „als eine außergewöhnliche Frau und eine wahrhaft inspirierende Persönlichkeit“. Den „Director’s Vision Award“ bekam Abhay Punjabi für „Pukam Pukai – To Fetch a Pail of Water“, ein Coming-of-Age-Drama um drei junge Träumer im sommerlich heißen Delhi. Den Publikumspreis führt die Pressemitteilung noch ohne Namen.
Erstmals vergeben wurde in diesem Jahr der „Shooting Star Award“. Ihn erhielt der Schauspieler Amartya Ray, der zur internationalen Premiere seines Spielfilms „Nevermind“ nach Stuttgart gekommen war. Ray hat in Hindi- und bengalischen Produktionen gespielt, darunter „Maidaan“ aus dem Jahr 2024 an der Seite von Ajay Devgn sowie „22 Yards“ und sein Debüt „Uronchondi“. Er arbeitet außerdem als Regisseur und Singer-Songwriter und war mit dem Kurzdokumentarfilm „You in this city, This city inside you“ selbst im Programm vertreten.
Schwerpunkt lag auf dem Malayalam-Kino
Das Festival zeigte 70 aktuelle Filme aus ganz Indien, darunter zahlreiche Premieren, und bezeichnet sich als größtes indisches Filmfestival Europas. Rund 20 Filmgäste aus Indien reisten an. Im Mittelpunkt stand diesmal das südindische Mollywood-Kino aus Kerala. In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Malayalam-Kino nach Darstellung der Veranstalter von einer kleinen regionalen Branche zu einer der angesehensten Filmindustrien Indiens entwickelt. Es arbeitet mit kleineren Budgets als Bollywood oder das tamilische Kino, dafür mit stärkeren Drehbüchern, und setzt eher auf Erzählkunst und Realismus als auf Starpower.
Zu den Höhepunkten zählten neben der Premiere von „Nevermind“ mit Rituparna Sengupta und Amartya Ray unter der Regie von Chaiti Ghoshal der VFX-Fantasy-Film „Lokah – Chapter 1: Chandra“ von Dominic Arun, in dem Kalyani Priyadarshan als erste Superheldin des Malayalam-Kinos auftritt, sowie das Coming-of-Age-Drama „Bad Girl“ von Varsha Bharath vor fast 300 Zuschauern. Ein Pride Special mit queeren indischen Filmen und drei WarmUps im Haus der Geschichte und im Linden-Museum ergänzten das Programm.
Das 24. Indische Filmfestival Stuttgart findet von Donnerstag, 22., bis Sonntag, 25. Juli 2027, statt. Veranstalter ist das Filmbüro Baden-Württemberg.
Die Preisträger im Überblick
- German Star of India (bester Spielfilm): „Kangbo Aloti – The Lost Path“, Regie Khanjan Kishore Nath
- Bester Kurzfilm: „Detective Meter Down“, Regie Devansh Agarwal
- Dokumentarfilmpreis: „Even the Fire Knows“, Regie Dipanjali Khakhlary
- Director’s Vision Award: „Pukam Pukai – To Fetch a Pail of Water“, Regie Abhay Punjabi
- Shooting Star Award (erstmals vergeben): Amartya Ray
Nächster Termin: 24. Indisches Filmfestival Stuttgart, Donnerstag, 22., bis Sonntag, 25. Juli 2027
Information: www.indisches-filmfestival.de
